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Rock - Lexion, Datenbank, 10.000 Hits, 1955-2001 TOP 10 - D a t e n b a n k 1955 - 2001

 


Während viele Künstler in Europa nach Ende der Flower Power immer mehr mit progressiven Tönen ,fremdartigen Synthieklängen und düster verklärten Texten herum experimentierten ,blieben die Amis bodenständig ,distanzierten sich vom Psychedelia-Geschepper und mixten sich aus dem Sound vom wieder erwachten Bob Dylan ,dem Countryrock und den Grateful Dead eine ganz eigene Kreation. Geradlinige Rockmusik ohne Ösen und Haken war in den späten Sechzigern und dem kommenden Jahrzehnt der Erfolgsgarant Nummer Eins in den USA. Denn gerade in dieser Musik schwebte immer noch ein wenig von der untergegangenen Love & Peace Bewegung mit. Drei große Gruppen von Rockstilen bildeten sich so nach und nach heraus.

Da wäre zum einen der Westcoastrock ,der ganz der Tradition des San Francisco Sounds folgte und logischerweise an der Westküste Amerikas beheimatet war. Die typische Umschreibung für diese lässige Spielart ,deren Künstler nahezu frei von Allüren und Macho-Gehabe waren ,hieß Laid-Back ,was soviel heißt wie "lässig" oder ganz einfach "cool".

Richtig cool waren zum Beispiel die Jungs von Three Dog Night ,die wohl den Titel "beste Coverband der Welt" verdienen. Sie schafften es ,trotz sechsstelliger Auftritt-Gagen und Millionenumsätzen ihrer Alben ,NICHT ,aus dem Schatten der Stars zu treten ,deren Songs sie so brillant wiedergaben. Dafür verhalfen sie Songschreibern wie Laura Nyro ,Harry Nilsson oder Paul Williams zu Anerkennung und ,natürlich ,jeder Menge Kies. So entfloss ihr größter Hit "Mama told me not to come" (1970) zum Beispiel der Feder von Randy Newman.

Nicht ganz so flott rollte die Karriere der Doobie Brothers an. Um ehrlich zu sein ,Anfangs interessierte sich niemand für die vier ,später fünf Jungs aus Kalifornien. Erst nach vier Jahren harter Kneipentouren fanden Drummer John Thomas Hartman und Multitalent Tom Johnston die richtige Mischung aus ihren unterschiedlichen Talenten. "Listen to the music" schlug 1972 ein wie eine Bombe und machte das Quintett auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem Begriff. Ihr bekanntester Song ist heute wohl "Long train runnin´" ,der ,neu abgemischt mit Dancefloor-Rhythmen ,sogar seinen Weg in die Discotheken fand.

Als sich die Kanadier Chad Allan & the Expressions über den Oldie "Shakin´ all over" hermachten und sich kurz darauf Guess Who nannten ,war ihr Stil noch ganz dem lauten Geschepper von Steppenwolf angelehnt. Mit ihrem Kracher "American woman" waren sie bald im ganzen Amiland bekannt. Doch die Gemeinschaft hielt nicht lange. Streitereien veranlassten Chef Randy Bachman zur Suche nach einer neuen Beschäftigung. So stampfte er mit seinen Brüdern Robbie und Timmy die Gruppe Brave Belt aus dem Boden , komplettiert durch den Bassisten Fred Turner. Die Mischung aus Countryrock und den bewährt überdrehten Gitarrensolis fand schnell Gefallen beim Publikum. Nach einem erneuten Namenswechsel zu Bachman-Turner Overdrive gab es dann kein Halten mehr. Die Ohrwürmer purzelten ihnen nur so aus dem Ärmel ,angeführt von ihrem berühmten Stotter-Klassiker "You ain´t seen nothing yet".

Von Personalwechsel kann auch der in Wisconsin geborene Steve Miller ein Lied singen. Zu seiner Anfangszeit war er es noch ,der die Klinken bei Bluesgrößen wie T-Bone Walker ,Otis Rush oder Muddy Waters putzte. Später sollten reihenweise Musiker bei ihm Lehrstunden nehmen. Erste Erfolge für ihn und seine Band hagelte es auf dem Monterey Pop Festival 1967. Animiert vom Psychedelia versuchte er (wahrscheinlich als einziger !!!) OHNE den LSD-Kick etwas von dem Sound in seine Musik einfließen zu lassen. Was herauskam ,war eine Art Country-Blues-Electronic-Orgie ,die Miller neben dem Titel Spacecowboy auch Lob und Anerkennung der Fachpresse einbrachte. Er gehört zu den wenigen ,die es sich erlauben konnten ,mit Synthesizern herum zu spielen ohne von der Gemeinde ausgestoßen zu werden. Was jetzt noch fehlte ,war der kommerzielle Durchbruch. Der gelang ihm 1973 mit "The joker". Fortan war sein einzigartig leichfüßiger Stil von Stücken wie "Fly like an eagle" ,"Jet airliner" oder "Abracadabra" ein Hitgarant und Dauerbrenner in allen Airplay-Studios (Anm.d.Red. : Radio !).

King of Laid-Back schließlich dürfte wohl der in Florida geborene Tom Petty sein. Auch wenn er manchmal den Eindruck erweckt ,auf der Bühne fast einzuschlafen ,so hat er sich doch nach und nach durch die (nicht immer erfolgreichen) Jahre zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Musikgeschichte hochgebracht. Er und seine Band ,die Heartbreakers ,die 1975 für einen Vertrag ins sonnige Kalifornien zogen ,verstehen es ,aus dem simplen 3-Akkord-Schema hinreißende Ohrwürmer zu zaubern. Und was on Stage eher unspektakulär vonstatten geht ,macht Tom durch seine phantasievollen Videoclips locker wieder wett. Besonders fruchtbar war dabei seine Zusammenarbeit mit Jeff Lynne von E.L.O. ,aus denen die hitverwöhnten Alben "Full moon fever" (1989) und "Into the great wide open" (1991) resultierten. Spätestens als die beiden mit Bob Dylan ,George Harrison und Roy Orbison die Traveling Wilburys gründeten ,war klar ,dass es Tom inzwischen zum Rockolymp-Aufstieg geschafft hatte.

Genau vom anderen Ende des Kontinents kam die zweite große Richtung ,der Südstaatenrock ,kräftig ,erdig und durch und durch dem Country verbunden. Gruppen wie die Marshall Tucker Band ,Molly Hatchet und 38 Special sind wie eine große Familie ,wenn sie zusammen touren und trinken. Vielleicht wäre der Southrock-Sound sogar zu einer Rockrevolution fähig gewesen ,hätten die beiden Fahnenhalter dieses Stils nicht so schmerzliche Verluste erlitten.

Die einen ,das sind die Vorzeigeschrammler der Allman Brothers Band ,deren Köpfe Duane und Gregg Allman ,im Gegensatz zu den Doobies ,wirklich Brüder waren. Sie machten wie keine andere Band das Wechselspiel von zwei gleichberechtigten Lead-Gitarren populär (Duane und Dickey Bets) ,was ersterer auch bei anderen Projekten wie als Gastmusiker bei Derek & the Dominos unter Beweis stellen konnte. Den Sprung zur Supergroup konnte nur noch der Tod aufhalten ,der sie ungerechter weise gleich fünffach ereilte. Am 29.10.1971 verunglückte Duane Allman bei einem Motorrad-Unfall. Ein Jahr später brachte sich Bassist Berry Oakley an der selben Stelle um ,ebenfalls mit einem Zweirad ,drei Tourneetechniker folgten ihnen auf ähnliche Weise. Mehr durch die dadurch "gewonnene" Publicity als durch Können (das ich hier aber nicht schmälern möchte) geriet ihr Album "Brothers and sisters" zum Millionenerfolg. Danach fand die Rest-Band kaum noch eine klare Linie.

Ebenso tragisch liest sich die Geschichte des Septetts Lynyrd Skynyrd ,deren Name eine Verballhornung eines Lehrers von vier Gründungsmitgliedern ist (Leonard Skinner). Wie die Allmans ,so kommen (kamen) die Jungs aus Jacksonville ,Florida ,dessen dortige Nationalparksümpfe ,die Everglades ,wohl der Pate für die Stilrichtung beider Bands ist : Swamp-Rock. Trotz ihres stetig anwachsenden Erfolges seit 1973 lehnten sie eine krasse Vermarktung ihrerseits strikt ab und zogen sich ,nach erfolgreichen Tourneen ,stets zurück ,um an sich selbst zu feilen und immer besser zu werden. Das Schicksal wollte es anders. Am 20.10.1977 fiel die Tournee-Maschine aufgrund menschlichen Versagens vom Himmel und riss Sänger Ronnie Van Zant und zwei weitere Mitglieder in den Tod ,die anderen wurden schwer verletzt. Von diesem Schlag erholten sich die Spieler nicht mehr und gaben nach diversen Projekten missmutig auf.

Die dritte Richtung schließlich manifestiert sich in der Konzentration aus Folk ,Countryrock und überhaupt allem ,für das man Bob Dylan verantwortlich machen kann. Ein Mann ,eine E-Gitarre ,eine Bühne und der feste Glaube daran ,dass der Mensch dort oben aus dem Herzen des Publikums spricht. Viele haben sich in den Fußstapfen von Dylan orientiert und das Land ist wahrlich groß genug ,um ein paar hervorragende Künstler hervor zu bringen. Doch sei es nun Bob Seger ,der nahezu 15 Jahre brauchte ,um endlich anerkannt zu werden ,der Eagles-Mentor Jackson Browne ,zurecht einer der besten Songwriter Amerikas genannt ,oder John (Spitzname "Cougar") Mellencamp ,immer stellte ihnen die stetig aggressiver werdende Medienmaschinerie Steine in den Weg oder waren sie gezeichnet von persönlichen Schicksalsschlägen. Sollte sich eine Karriere wie die des Folkkönigs nicht wiederholen können ?

Die Zukunft des Rock´n´Rolls ,wie folgender Mann später mal genannt werden sollte ,wuchs und reifte nicht in Frisco oder Florida ,sondern zwischen New York und Philadelphia ,genauer gesagt im verträumten New Jersey. Ungeachtet der Musikindustrie (so ähnlich muss sich Seattle vor 1990 gefühlt haben) kämpfte sich der 1949 in N.J. geborene Bruce Springsteen auf steinigem Weg vom Niemand zum Halbgott des Rocks hoch. Von seinen Fans liebevoll "Boss" genannt ,verkörperte er alles ,was die U.S.A. an Geist und Mythos aufzubringen hat und verschmolz beim 5-Stunden Konzert-Marathon mit seiner Fangemeinde zu einer untrennbaren Einheit. Und doch blieb das "Abbild des arbeitenden Volkes" nach seiner eigenen Meinung ein von der Welt nicht verstandener Außenseiter. So nutzte Ronald Reagan 1984 für seinen Wahlkampf (erfolgreich) Springsteens Titelstück seines Megasellers "Born in the U.S.A." und machte damit schonungslos deutlich ,wie sehr Politpropaganda in Amerika zum Karneval geraten kann.

In den späten Siebzigern dann fand die amerikanische Rockmusik ihren Zenit. Viele Bands ,deren musikalische Wurzeln sich längst im Mainstream verloren ,konnten sich die Gunst des Publikums mit zeitlosen Hits erkämpfen. Die vier größten jener Tage waren :

Foreigner - Ursprünglich ein zusammengewürfeltes Sextett aus bekannten europäischen und amerikanischen Bands. Zu viert fanden sie ab 1981 das Gespür für mittelrockige Gassenhauer und waren stets in den Hitlisten präsent. Vorhängeschild war Kraftstimme Lou Gramm.

REO Speedwagon - Bereits 1967 gegründet ,fanden die in Rock gepackten Balladen von Frontmann Kevin Cronin erst ab 1980 ihren Weg an die Spitze. Kuschelrock der gehobenen Art.

Journey - Ein Santana-Ableger mit anfänglichen Startschwierigkeiten. Gelungene Rockperlen konnte erst die später hinzu gestoßene Engelsstimme Steve Perry beisteuern. Trotz Erfolg in den U.S.A. blieben sie in Europa eher ein Geheimtip.

Toto - Ein Zusammenschluss erfahrener Studiomusiker ,das wegen seines Perfektionismus oftmals als gefühlsloser Haufen gescholten wurde. Ein weiterer "Todesstoß" für den Amirock ? Den Fans gefiel es.

In immer pompöser werdenden Liveauftritten verloren die Stars nach und nach ihren Kontakt zum Publikum ,während sich die Musik kaum weiter entwickelte. Irgendwann musste der gigantische Equipmentwahn (erschreckendes Beispiel jener Zeit : Pink Floyd oder Styx aus Chicago) mit Konsequenzen rechnen. Punk und New Wave waren es schließlich ,die den geradlinigen Rock mit Pauken und Trompeten ins Abseits beförderten und der Rockmusik eine Frischzellenkur verpassten. Nur wenige und unverbrauchte Stars wie der Kanadier Bryan Adams konnten in den Eighties noch guten ,synthiefreien Rock an den Mann bringen. Die Briten hatten zu jener Zeit genug eigene Newcomer am Start. Mit Pat Benatar ,der anti-sexistischen Girlgroup Bangles aus L.A und Melissa Etheridge fielen dann auch noch die Frauen in diese Männerdomäne ein. Den Rest gab dann der Hip-Hop dem U.S.A.-Rock der "alten Zeit". Die schwarzen Musiker übernahmen das Ruder. Und der letzte Puritaner B.Adams begab sich nach "(Everything I do) I do it for you" 1991 (eine der bestverkauften Singles überhaupt) in seichtere Gefilde. Doch da ...oh Wunder ,der Mann ,von dem man es als letztes erwartet hätte ,ging plötzlich MIT der Zeit. Bruce Springsteen unterlegte seinen Song "Streets of Philadelphia" mit einem ganz leichten Drumbeat und heimste sich dafür glatt einen Oscar ein. Manchmal muss man eben umdenken !!!!