AAA-Knochen
engl.: aaa-bone = antigen-extracted autolysed allogenic bone; entsprechend
vorbehandeltes organisches
autologes (von anderen Menschen stammendes) Knochenersatzmaterial, um die
Gefahr der Krankheitsübertragung, Abstoßung oder Allergie zu vermeiden.
A-Linie
auch Ah-Linie, engl.: palatal vibrating line; die Ansatzlinie des
Gaumensegels
(befindlich am hinteren Gaumen als Übergang vom harten in den weichen Gaumen)
gilt bei Vollprothesen als Anhaltspunkt für die hintere Begrenzung der
Gaumenbasis (1 bis 2 mm hinter die A.-L.). Der Name entstammt daher, da diese
Linie beim Sprechen eines lang gezogenen "Aah's" bei geöffnetem Mund sichtbar
ist.
Kompressionsabdruck,
Vibrationszone
abakteriell
"ohne Bakterien", engl.: abacterial; z.B. Erkrankungen (Entzündungen),
welche primär nicht durch
Bakterien ausgelöst werden.
Abbau; engl.: (bone)
disintegration;
Atrophie
Abbe-Neuber-Plastik
Abbe-Neuber-Lippenplastik, engl.: Abbe-plasty, Abbe flap, (Abbe-)lip-switch
technique; zu den Spätoperationen zählende Oberlippenplastik - hauptsächlich bei
Lippenspalten,
aber auch bei Defektverletzungen durch Traumata oder Tumorerkrankungen
angewandt. Dabei wird eine zu kleine Oberlippe mit Unterlippengewebe aufgefüllt:
Ein am Lippenrot gestielter Dreiecklappen aus der Unterlippe, welcher umgebende
Haut, Muskulatur und Schleimhaut enthält, wird durch eine 180°-Umkehrplastik in
die, im Bereich der Narbe aufgetrennte, Oberlippe eingelagert. Nach ca. 4 Wochen
Durchtrennung des ernährenden Stiels. Atmungs- und starke Essbehinderung,
Sondennahrung erforderlich.
Lappenoperation
Abbindeexpansion
engl.: setting expansion; Verhalten von Werkstoffen, während des Aushärtens (
Abbinden) die
Form zu vergrößern bzw. an Volumen zuzunehmen. Bekannte Vertreter in der
ZHK sind
Amalgame und
Gipse, wobei
gerade bei
Amalgamen - wegen eines dadurch verbesserten
Randschlusses
- sich diese Eigenschaft positiv auswirkt.
Die Abbindeexpansion der gebräuchlichen
Modellgipse (und
anderer abbindender mineralischer Stoffe) darf nach den einschlägigen
Normvorschriften einen Grenzwert nicht überschreiten. Dieser liegt bei den
Spezialgipsen unter 0,1 %.
Abbinden
Abbindekontraktion
Schrumpfung, engl.: shrinkage; Verhalten von Werkstoffen, während des Aushärtens
die Form zu verkleinern bzw. an Volumen zu verlieren. Bekannte Vertreter in der
ZHK sind
die
Kunststoffe;
,
Abbinden,
Polymerisationsschrumpfung
Abbinden
"Aushärten", engl.: to set; Schlagwortbezeichnung für den komplexen chemischen
Vorgang der Verfestigung von Stoffen, deren Ausgangskomponenten zumindest aus
einer flüssigen Substanz bestehen. Der Abbindeprozess bis zur völligen
Aushärtung verläuft meist nicht geradlinig. Je nach gewünschter Eigenschaft des
Materials kann es notwendig sein, diesen Prozess durch chemische
Abbindeverzögerer zu verlängern oder durch Abbindebeschleuniger zu verkürzen.
Einen weiteren Einfluss auf die Abbindezeit hat die Temperatur und die
anteilmäßige Zusammensetzung des Gemisches. Reaktionsbedingt wird bei dem
Vorgang des A. Wärme ("Abbindewärme") frei, die bei Mundmaterialien (z.B.
Füllungsmaterialien) beachtet werden muss. Ebenso treten häufig
Volumenveränderungen während des A. auf.
Abbot Hammer
engl.: do.; nach einem Berliner Zahnarzt (Frank A., 1836-1897) benanntes
motorgetriebenes Gerät zur Kondensation von
Feingold bei
Goldhämmerfüllungen
ABC-Apparat
kieferorthopädisches Behandlungsgerät - gleichzeitig im Ober- u. Unterkiefer
- zur Einstellung eines korrekten
Zusammenbisses mittels sog. "intermaxillärer
Gummizüge".
ABC-Kontakte
engl.: ABC-Stops; Schlagwortbezeichnung für die Lokalisation von
Antagonistenkontakten im Sinne einer stabilen
Okklusion
im
Seitenzahngebiet. Das vor allem bei der
Aufwachstechnik angestrebte Ziel unterscheidet drei Lagebeziehungen
beim Kontakt zum Gegenzahn (Antagonistenkontakt):
- A-Kontakt: Kontakte der
bukkalen
Höcker
von Ober- und Unterkiefer. Dies ist gleichbedeutend mit Kontakten
zwischen den
Scherhöckern des Oberkiefer-Zahnes und den
Stampfhöckern des Unterkiefer-Zahnes.
- B-Kontakt: Kontakte der
palatinalen Höcker des Ober- mit den bukkalen Höckern des
Unterkiefers. Dies ist gleichbedeutend mit Kontakten zwischen den
Stampfhöckern von Ober- und Unterkiefer.
- C-Kontakt: Kontakte der
oralen
Höcker
von Ober- und Unterkiefer. Dies ist gleichbedeutend mit Kontakten
zwischen den
Stampfhöckern der OK-Zähne und den
Scherhöckern der UK-Zähne.
In der Praxis genügen normalerweise A und
B- bzw. C und B-Kontakte; sie bewirken eine stabile Okklusion und
bewirken eine axiale Zahnbelastung.
Molarenrelation,
Okklusion,
Tripodisierung |

|
Abdeckkappe
Verschlusskappe, engl.: (implant) coping; Bezeichnung für eine:
1.) vorgefertigte Metallhülsenkappe, welche einen
Zahnstumpf nach dessen Präparation provisorisch versorgt;
konfektionierte Krone,
Zinnkrone (nur noch wenig gebräuchlich)
2.) Verschlusskappe, welche bei
enossalen
Implantaten während der Einheilphase in den Implantatkörper
geschraubt wird, um das Implantatinnengewinde - dieses nimmt später den
Implantatpfosten auf - vor Verunreinigungen und z.T. vor Überwachsungen
zu schützen (s. Abb.).
Abdruckpfosten,
Implantat |

|
Abdeckplatte
Nachblutungsplatte, Bluterplatte, Verbandplatte, engl.: cradle; meist aus
Kunststoff gefertigte Verbandsplatte zum mechanischen Verschluss bzw.
Kompression einer Wunde bei bekannter (
Blutgerinnungsstörungen) oder drohender
Nachblutungsgefahr.
Zum festen Sitz dieser Platte wird diese mit Klammern oder Ligaturen am
Restgebiss befestigt; im zahnlosen Kiefer kann eine
Retention
z.B. durch Umschlingung des Kiefers erfolgen.
Obturator
Abdingung
Abdingen, engl.: to cede; Schlagwortbezeichnung für:
1.) Erbringung von Leistungen, die nicht zum
Leistungskatalog der
Gesetzlichen Krankenversicherung gehören und per A. mit dem Patienten
"privat" - d.h. auf dem Boden der
GOZ - vereinbart
werden,
2.) Außer Kraft setzen des maximalen Steigerungsfaktors von 3,5 der
Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ)
Abdruck
Schlagwortbez. für eine Abformung im Kieferbereich, engl.: (dental)
impression, cast; zahnärztliches Verfahren zur möglichst exakten (je
nach Verfahren bis hin zum µ-Bereich) Duplikation von Bereichen der
Kiefer oder Zähne, welches später die Mundsituation auf einem sog.
Modell außerhalb des Mundes wiedergibt. Die A. können mit
vorgefertigten Behelfen (Fachjargon: "Abdruck-Löffel" bzw. "Konfektionslöffel"
(bei A., wo es nicht so sehr auf die Präzision ankommt) oder mit
speziell für die Mundsituation angefertigten Schablonen (individueller
Löffel, Indivlöffel,
Funktionslöffel) genommen werden.
Nach eingesetztem Material und Verfahren unterscheidet man zwischen
starren A. (heute ohne Bedeutung) und elastischen A.:
- elastisch-irreversibel, d.h. der A.
ist nach Abbindung des Materials zwar noch beweglich, verändert
seine Form aber nicht mehr (sog.
Rückstellungsvermögen). Heute meist gebräuchliche A.-Art.
Typische Vertreter als Materialien sind die
Alginate und die elastischen Kunststoffe (Elastomere)
wie die
Polyether,
Polysulfide und
Silikone. Beim Abbindungsprozess nur von einer geringen
Wärmeentwicklung. Das Rückstellungsvermögen ist sehr gut.
- elastisch-reversibel, d.h. durch
bestimmte äußere Einflüsse (z.B. Wärme) kann eine erneute
Formveränderung durchgeführt werden. In den 70er Jahren des letzten
Jahrhunderts als "Non-Plus-Ultra" bezeichnet, konnten sich diese
Massen besonders wegen ihrer umständlichen Handhabung und
vergleichbaren Materialien auf
Elastomer-Basis in der Praxis nicht durchsetzen. Bekannte
Vertreter sind die
Hydrokolloide.
- starr-irreversibel, d.h. nach dem
Abdruck nicht mehr veränderbar und zusätzlich ohne Elastizität
(Rückstellungsvermögen). Diese nur noch von historischer Bedeutung
erwähnten Massen - Vertreter sind
Abdruckgips (äußerst ungenau), Zinkoxid-Eugenol-Paste (schlecht
zu verarbeiten, unangenehmer
Geschmack), Kunststoffe (in der Regel mit hoher (schädlicher)
Temperatur beim Abbinden - werden wegen besserer Alternativen kaum
noch eingesetzt.
- starr-reversibel, auch:
thermoplastisch, (Kompositionsabformmassen),
d.h. nach der Abdrucknahme können die nicht elastischen Abdrücke
durch bestimmte Maßnahmen - meist durch Wärme - wieder verändert
werden. Historisch bekannte Vertreter sind:
Abdruckwachse,
Stent's u. Kerr Massen,
Guttapercha. Heute von geringer Bedeutung; unter Umständen als
Registrierungsmaterial und bei
Funktionsabformungen im Bereich der
Ah-Linie verwendet.
- Eine neuartige Gruppe mit noch wenig
Langzeiterfahrung stellen die
Silginate dar.
Die Präzision moderner Abformmassen ist
heute sehr hoch und liegt bei korrekter Verarbeitung im µm-Bereich
(tausendstel Millimeter);
Lagerzeitkontraktion.
Je nach eingesetztem Material müssen die A. sofort (z.B. bei den
Alginaten) oder verzögert (z.B. bei den
Silikonen) ausgegossen werden, um so wieder eine exakte
positive Situation der Mundsituation herzustellen.
Eine gelegentliche
Komplikation bei der Abdrucknahme stellt bei disponierten Patienten
der
Würgereiz dar.
Bei der Verarbeitung von
Abformmaterialien tauchen folgende Zeitbegriffe auf:
- Mischzeit
ist die Zeit, die zur Anmischung (meist aus den zwei
Grundbestandteilen Paste und Katalysator) zur Verfügung steht. Diese
entfällt bei den heute gebräuchlichen Kartuschensystemen; bei einer
Handanmischung (z.B. knetbare Materialien wie Optosil™) sollte diese
Mischzeit eingehalten werden, um eine gute Vermengung zu erreichen
- Gesamtverarbeitungszeit
Mischzeit + Zeit für das Einfüllen in den
Abdrucklöffel + Zeit bis zum Einbringen des Löffels in den Mund
bzw. auf die Zahnreihe
- Mundverweildauer
Zeit der eigentlichen Aushärtung des Materials im Mund. Diese Zeit
darf aus Präzisionsgründen nie unterschritten werden, auch wenn sich
das Material schon "abgebunden" anfühlt
- Abbindezeit
setzt sich aus Gesamtverarbeitungszeit und Mundverweildauer zusammen
Kronen
(siehe unter Artikel Index - Ordner -
Z-Ersatz-Kronen)
Abdruckarten (-techniken),
Abdrucklose Praxis,
Abdruckwachs,
Ausblocken,
Ausgießen,
Brücke,
Doppelmischabdruck,
Einphasenabformung,
Einzelabformung,
Elastomere,
Funktionsabdruck,
Gingivaformer,
Gipsabformung,
Guttapercha-Abformung,
Hydrokolloid-Abdruck,
Kartusche,
Kauabdruck,
Kompositionsabformmassen,
Kompressionsabdruck,
Korrekturabdruck,
Krone,
Kupferringabdruck,
Lagerzeitkontraktion,
Latex,
Muco-Seal® Abformung,
optischer Abdruck - digitale Abformung,
Prothese,
Rim-Lock Löffel,
Rückstellung,
Sägemodell,
Schluckabdruck,
Situationsabdruck,
Teilabdruck,
temporäre Gingivaretraktion,
Thixotropie,
Überabformung,
Viskosität,
Vorabdruck,
Zahnersatz,
Zahnimpressionen,
Zweiphasenabformung
~Zahnersatz - Krone (siehe
unter Artikel Index - Ordner - Z-Ersatz-Kronen)
Die Implantatabformung – drei Techniken im Überblick
Weichgewebsmanagement bei der Abformung präparierter Zähne |

Übersicht:
Abformmaterialien



Abdruck von beschliffenen
Zähnen des Oberkiefers mit einem individuellen "Löffel" (oben)
und das daraus hergestellte Modell für die Anfertigung von Zahnersatz


mukostatischer Abdruck

empfohlene Abdrucktechniken |
Abdruckarten
Abdrucktechniken, Abformungsarten, engl.: impression techniques; es
existieren eine Vielzahl von Abdruckarten und -techniken, um eine
möglichst genaues Abbild von Zähnen, Präparation, Kieferabschnitten oder
anderen Teilen der Mundhöhle zu reproduzieren. in der Regel erfolgt auf
Grundlage eines Abdrucks dann eine Weiterverarbeitung in einem
zahntechnischen Labor.
- (hand)aktiver Abdruck - geführter
Abdruck
engl.: active impression; durch den Zahnarzt werden die sonst
natürlichen Bewegungen von Lippen, Wangen und Zunge des Patienten
durchgeführt, bzw. der Patient veranlasst, während der Abbindephase
des Materials aktive Mundbewegungen durchzuführen
- anatomischer Abdruck -
Situationsabdruck
engl.: anatomic impression, anatomic cast; "einfacher" Abdruck im
Ruhezustand, welcher die anatomischen und topographischen
Verhältnisse der sichtberen Zahnoberflächen und Kieferteile
wiedergibt. Das daraus gewonnene Situationsmodell dient entweder zu
Studienzwecken oder ist Grundlage für die Anfertigung von
Provisorien oder speziellen Abdrucklöffeln (Individuelle
Löffel)
- bimaxillärer Abdruck -
mundgeschlossene Abformung
engl.: bimaxillary impression; gleichzeitige Abformung der
Strukturen von Ober- und Unterkiefer;
Gegenbißabformung mitsamt der
Arbeitsabformung in einem Arbeitsgang.
Die Abdrucknahme erfolgt mit speziellen Abdrucklöffeln; der
Unterkiefer befindet sich in Normalstellung zum Unterkiefer.
biodynamischer Abdruck -
Singer-Sosnowski-Abdruck
engl.: biodynamic impression; dem
Funktionsabdruck ähnliches Abdruckverfahren im
teilbezahnten Kiefer: Zum Ausgleich von
Resilienzunterschieden von
Parodontium und
Schleimhaut erfolgt der Abdruck mit einem
individuellen Löffeln unter
okklusalem
Druck
direkter Abdruck
engl.: direct impression, direct technique; früher bei der
Anfertigung von
Gussfüllungen gebräuchliche Abdruckart: Ein spezielles
Abdruckwachs (inlay wax) wurde im erwärmt-plastischen Zustand in
die präparierte Kavität gebracht, darin ausgeformt und nach einem
temperaturbedingten Verfestigen als Negativ aus der Kavität wieder
entfernt und entsprechend gusstechnisch aufbereitet. Im Gegensatz
zum indirekten Abdruck entfällt hierbei die aufwendige
Modellherstellung
Dual-Arch-Abformtechnik , Okklusionsabdruck
"beide Kiefer gleichzeitige Abformung", Abformtechnik, bei welcher
neben den präparierten Zähnen gleichzeitig die
Antagonisten im Gegenkiefer mittels Okklusionslöffel abgeformt
werden; für kleinere Kieferbereiche angewandt
Einphasenabformung - einzeitiger Abdruck;
Einphasenabformung
Entlastungsabdruck;
Kompressionsabdruck,
Muco-Seal® Abformung
Funktionsabdruck , engl.: functional
impression;
Funktionsabdruck
indirekter Abdruck
engl.: indirect impression, indirect technique; heute fast
ausschließlich angewandtes Verfahren mit dem Ziel, möglichst wenige
Arbeitsgänge im Mund des Patienten durchführen zu müssen: Mit
Präzisionsabdruckmassen wird eine Negativform im Mund
hergestellt, in einem
Labor mit einem
Modellgips
ausgegossen und so eine 1:1 Mundsituation zur Weiterverarbeitung
durch einen
Zahntechniker vorgegeben. Je nach Verarbeitungstechnik
unterscheidet man dabei
Doppelmischabdruck,
Einphasenabformung,
Korrekturabdruck und
Zweiphasenabformung
Kompressionsabdruck - Belastungsabdruck;
Kompressionsabdruck
mukodynamischer Abdruck , engl.: mucodynamic
impression;
Funktionsabdruck
mukostatischer Abdruck , myostatischer
Abdruck; engl.: mucostatic or myostatic impression;
Abformung bei geöffnetem Mund bei der Anfertigung von
Vollprothesen mittels spezieller Löffel. Es werden keine aktiven
oder passiven Bewegungen durchgeführt und dünnfließende Abformmassen
verwendet.
Muco-Seal® Abformung.
Begriff auch für die Abformung des teilbezahnten Ober- oder
Unterkiefers mit Hilfe eines
Konfektionslöffels zur Abformung von
präparierten Zähnen für Kronen, Brücken oder Modellgussarbeiten.
mundoffene Abformung
engl.: open mouth impression; Standardvorgehen bei der
Abdrucknahme; Es werden Ober- und Unterkiefer in getrennten
Arbeitsgängen abgedrückt
Okklusionsabdruck ; s.o. unter
Dual-Arch-Abformtechnik
optischer Abdruck - digitale Abformung
engl.: optical impression technique; von den konventionellen
Techniken zu unterscheiden sind Abdruckarten, welche auf einem
Verzicht von
Abdruckmaterialien beruhen und statt dessen auf dem Prinzip der
Abtastung der (sichtbar-zugänglichen) Zahnoberfläche mittels
optischer Verfahren (z.B.
Laser)
im Rahmen der
CAD/CAM-Techniken beruhen.
optischer Abdruck
Ringabformung - Kupferringabdruck
engl.: band impression; eher historisches Verfahren als Vorläufer
der indirekten Abdruckverfahren: Bei Einzelstümpfen mittels exakt
angepasster kleiner Kupferringe oder -käppchen; diese dienen als
Träger für das eigentliche Abformmaterial, welches aus
thermo-plastischen Massen (z.B. Kerr), später dann Silikonen,
besteht. Über die Kupferringe wird anschließend ein gesamter
Situationsabdruck genommen
Sammelabformung, Fixationsabformung,
Überabformung
Teilabdruck - Teilabformung
engl.: partial or sectional denture impression; meist bei der
Provisorienherstellung von Einzelkronen im Seitenzahnbereich
durchgeführtes Verfahren
Zweiphasenabdruck - zweizeitiger Abdruck -
Sandwichabformung;
Zweiphasenabformung
Abdruck
Die Implantatabformung – drei Techniken im Überblick
|

Übersicht:
Abdruckarten |
Abdruckgips, engl.: impression plaster;
Abdruck,
Gipsabformung
Abdrucklöffel ,
Abformlöffel, engl.: impression tray;
Abdruck,
Ehricke-Löffel,
individueller Abdrucklöffel
Abdrucklose
Praxis
Schlagwortbezeichnung für Herstellungskonzepte z.B. bei
vollkeramischen
Zahnersatz nach der
CAD/CAM-Technologie. Eine Abdrucknahme in der Praxis entfällt nach diesen
Konzepten komplett. Die durch einen "Scan" gewonnenen Daten - inklusive dem
Antagonisten
- werden entweder in der Praxis direkt in eine Steuereinheit eingegeben, gefräst
und in der selben Sitzung beim Patienten eingesetzt (
CEREC™) oder mittels
Internet direkt an ein angeschlossenes
Dentallabor
übermittelt.
optischer Abdruck - digitale Abformung
Abdruckpfosten
Übertragungspfosten, engl.: transfer coping, impression post; im Rahmen
der Herstellung (Abformung)
einer
Implantat-Suprakonstruktion benötigtes Hilfsmittel: Nach erfolgter
Einheilphase wird die bis dahin getragene
Abdeckkappe kurzzeitig entfernt und das Implantat mit einem A.
versehen, welcher in dem darüber genommenen
Abdruck
verbleibt und im
Labor
durch den sog. Modellpfosten ersetzt wird.
Implantat
|

|
Abdruckwachs
engl.: impression or inlay wax; schon bei Mundtemperatur leicht plastische,
wachsreiche Wachse mit einem
Schmelzpunkt
(Erstarrungspunkt) von unter 50 Grad. Bei der
direkten
Abdrucktechnik von
Inlays
gebräuchlich
Abell Konturenzange
engl.: Abell contouring pliers; bei der Konturierung von Bändern und bei
der früher gebräuchlichen
Bandkrone
verwendete Zange zur gewölbten Ausformung. Dies wird durch eine Zange
erreicht, deren Backen (Branchen) einmal konkav und einmal konvex
geformt sind und beim Zangenschluss ineinander greifen.
Extraktionszange,
Konturzange |

|
Aberration
Abweichung, engl.: do.; fetale Verlagerung von Keimgewebe ("Keimversprengung").
In der
ZHK u.a. mit der Folge einer
Zahnkeimverlagerung bekannt. Auch gebraucht für eine abnorme
Verlagerung
eines durchgebrochenen Zahnes an einer anderen Stelle im Gebiss, z.B. ein Molar
steht dort, wo sich sonst ein Eckzahn befindet.
Fehlstellung
von Zähnen,
Verlagerung,
Zahnektopie
Abflussrinne
Abflusskanal, Abflussweg, engl.: impression drain; beim
Korrekturabdruck angewandtes Verfahren, um ein leichtes Abfließen
überschüssiger, dünnfließender Abdruckmasse zu gewährleisten. Mit einem
speziellen Instrument ("Hohlmesser") werden - besonders im Bereich der
eigentlichen
Präparation(n) - rillenförmige Abflusskanäle zum Abdruckrand hin gearbeitet.
Ohne eine derartige Maßnahme kommt es beim Zweitabdruck zu einem "Stempeleffekt"
und somit zu falschen Resultaten.
Abdruck,
Trennfolie
Abformung; engl.: cast;
Abdruck
abgestützte Prothese,
auch zahn getragene Prothese, engl.: tooth-borne prosthesis;
Prothese, abgestützte
Ablation, engl.: do.;
Wegnahme, operative Entfernung eines Organs od. Körperteils; in der
Lasertechnologie: Materialabtragung durch starke Wärmezufuhr (Photoablation)
Abnahmeprüfung,
engl.: acceptance inspection; qualitätssichernde Maßnahme im Rahmen der
Röntgenverordnung (§ 16 u. § 17).
abnehmbar
entfernbar, engl.: removable detachable; Bezeichnung für die Formen von
Zahnersatz,
die vom Patienten selbst entfernt werden können. Es handelt sich hierbei um den
sog.
herausnehmbaren Zahnersatz.
Unter "bedingt
abnehmbar" (conditional removable) versteht man Zahneratzformen, welche nur
in einer zahnärztlichen Praxis - meist aus hygienischen Gründen - vorübergehend
entfernt werden können. Hierbei handelt es sich meist um verschraubte
Riegel- oder
Implantatsuprakonstruktionen
festsitzend
Abrasion
"Abnutzung", "Abschaffung", engl.: abrasion; durch den Kauvorgang
ausgelöster Verlust der Zahnhartsubstanzen infolge von Reibung (z.B.
Attrition,
Demastikation), beginnend mit dem
Schmelz, im fortgeschrittenen Zustand sich über das
Dentin bis zur (ehemaligen)
Zahnpulpa fortsetzend. Es wird unterschieden: Wenn zwei Zähne beim
Zubeißen oder Schlucken aufeinander treffen, also zum Beispiel ein
eigener, unbehandelter Zahn (Schmelz) auf eine
Keramikkrone, so spricht man auch von Zweikörperverschleiß oder
Attrition. Wenn sich zwischen den Zähnen Nahrungsstoffe befinden,
oder wenn die Zahnbürste mit Zahnpaste über die Zähne gleitet, so
spricht man von Dreikörperverschleiß oder A.
Ebenfalls werden A. - je nach Materialbeschaffenheit - an
Füllungen und
Zahnersatzarbeiten beobachtet. Man unterscheidet Abnutzungen durch:
- altersbedingt = physiologische A.
- Nahrungsbestandteile, besonders bei
"starken Kauern" und harter Nahrung; Naturvölkern
- Putzkörperbestandteile in der
Zahnpasta (
RDA-Wert)
- Staubkontakte bei Industriearbeitern
- Unarten, wie Nägel und Stecknadeln
zwischen den Zähnen halten oder sonstiges "nervöses" Herumkauen auf
Gegenständen
- chemische Auflösung, z.B. durch
unsachgemäßes Pipettieren mit Säuren, Kauen auf Zitonenscheiben usw.
;
Erosion
- mechanische Beanspruchung (
Usur) bei starken Pfeifenrauchern
- eine interstitielle Abrasion
wird dadurch bedingt, dass sich die Zahnkronen an ihren
Kontaktpunkten gegenseitig alterbedingt "abschleifen" - aus einem
punktförmigen wird ein gewölbt-flächiger Kontakt. Dabei wird die
hinter Zahnfläche konvex und die vordere konkav abradiert.
Attrition
Das durch eine A. freiwerdende
Dentin
ist nur gering oder gar nicht empfindlich, da durch den mechanischen
Abrieb eine
Schmierschicht erzeugt wird, die die empfindlichen
Dentinkanälchen verschließt.
Häufig sind A. mit einer Vorverlagerung und Absenkung des
Bisses ("Biss-Senkung") und dadurch bedingter
Kiefergelenksbeschwerden sowie mit
Entzündungen der Mundwinkel (
Rhagade) verbunden.
Abrasionsgebiss,
Abrasivität,
Attrition,
Bisshebung,
Demastikation,
Erosion,
Frontzahnchips,
Jankelson-Verfahren,
Kaukraft,
Metallkaufläche,
Schlittenartikulation, Schliff-Facette,
Shimbashi Norm,
Usur,
Zahnwanderung |

A. an den Unterkieferschneidezähnen.
Deutlich sind (von außen nach innen am Zahn) der schmale
Schmelz, das breite
gelbliche
Dentin und in der Mitte
die ehemalige
Pulpa
zu erkennen

starke A. durch einen
Deckbiss
und Frontzahn-
kronen
|

Erhöhung des Bisses (etwaige Wiederher-stellung
des Urzustands) mittels
Bisshebung |
Abrasionsfacette,
engl.: abrasion facet;
Schlifffacette
Abrasionsstrahlgeräte,
engl.: air abrasive instruments;
Pulverstrahlgeräte
Abrasivität
Abnutzung, Schmirgelwirkung, engl.: abrasive property; in der
ZHK im Zusammenhang mit der Schmirgelwirkung von
Zahnpasten gebräuchlich. Messung nach sog.
RDA-Werten (RDA = Radioactive Dentin Abrasion). Je höher dieser Wert
ist, um so stärker ist die gewünschte Schmirgelwirkung (meist durch den
zugesetzten Bimsstein) zur Entfernung von Belägen und sonstigen
Verunreinigungen. RDA-Werte von 30 gelten als gering abrasiv, solche mit
Werten zwischen 70 u. 80 bezeichnet man als mittel-abrasiv; Werte über
100 gelten als stark abrasiv.
Bei einem intakten
Zahnschmelz können die mechanischen Abrasionsstoffe wenig Schaden
anrichten, da dieser sehr viel härter ist; Messung dieser A. durch den
REA-Wert = Radioactive Enamel Abrasion. Gefährlich kann dagegen die A.
bei
freiliegenden Zahnhälsen/-wurzeln verbunden mit einer falschen
Putztechnik und einer zu harten Zahnbürste sein.
Pro
Professioneller Zahnreinigung (PZR) errechnete sich insgesamt ein
Dentinverlust zwischen 0,24 µm und 1,48 µm. Bei einer
Prophylaxe-Frequenz von ein bis sechs Mal jährlich käme es damit zu
Abrieben zwischen 1,44 µm und 8,88 µm im Jahr. Dies würde bedeuten, dass
es zwischen 11 und 69 Jahren dauert, ehe 0,1 mm Dentin allein durch
Prophylaxe abradiert wird. Damit liegt der so verursachte Dentinverlust
deutlich unter den
Abrasionswerten, die zum Beispiel durch das
tägliche Zähneputzen entstehen: Diese rangieren zwischen 4 µm und 35
µm in der Woche.
Abrasion,
Demastikation,
Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen,
Zahnbürste,
Zahnpasta. |

Abrasionen
(RDA-Werte)
ausgesuchter Pasten |
Abrechnungsprüfung
abgerechneter zahnärztlicher Leistungen (in
der Gesetzlichen Krankenversicherung);
Wirtschaftlichkeitsgebot
Absauganlage
Absauggerät, "Suktor" engl.: suction unit; z.T. in die "Helferinnenseite" einer
zahnärztlichen Behandlungseinheit integriertes Gerät ("Suktor") zum
Absaugen von
Flüssigkeiten, Materialresten und
Spraynebel. Da in
einer zahnärztlichen Praxis selten nur eine Behandlungseinheit vorhanden ist,
befindet sich der Absaugmotor meist zentral für alle Einheiten der Praxis in
einem separatem Raum. Diesem vorgeschaltet ist - in D gesetzlich vorgeschrieben
- ein
Amalgamabscheider.
Grundsätzlich werden bei A. zwei Konstruktionsprinzipien unterschieden (nach ZA
M. Logies):
"Bei der klassischen Trockenabsaugung findet die Separierung Luft/Wasser schon
in der Einheit statt. Die Luft sorgt fürs Vakuum, das separierte "Wasser" läuft
dann aber per Schwerkraft u. damit niedriger Strömungsgeschwindigkeit in den
Abfluss. Bei Nassabsaugung gehen "Wasser" und Luft gemeinsam durch
strömungsoptimierte Abwege mit hoher Geschwindigkeit zur Saugmaschine u. werden
erst dort, kurz vor der Saugmaschine, separiert."
Absaugen,
Amalgamabscheider,
Trockenlegen
Absaugen
Absaugung, engl.: suctioning, pump out; durch das zahnärztliche
Assistenzpersonal (
Vier-Hand-Technik) durchgeführte Maßnahmen zum Trockenhalten des
Eingriffsgebietes und/oder zur Entfernung von Kühlflüssigkeit ("Spray")
bzw. Bestandteilen, die während einer
Präparation
anfallen. Dies bewirkt eine Übersicht und Sauberkeit des Arbeitsfeldes.
Eingesetzt werden hierzu Speichelsauger oder an
Absauganlagen
("Suktor") angeschlossene Absaugkanülen.
Abscherfraktur
Abspaltungsfraktur, engl.: cleavage or shearing fracture; meist im Gelenkbereich
vorkommende, durch tangentiale Scherkräfte ausgelöste Knochenfraktur. In der
ZHK meist
bei der tiefen
Kiefergelenkfortsatzfraktur (Collumfraktur) auftretend.
Kieferfrakturen
Abschlussrand
engl.: bead seal, beading;
1.)
Ventilrand einer
Vollprothese
2.) palatinales Abschlussband oder " hinterer Saugrand" als
dorsale
Begrenzung einer
Vollprothese im Sinne einer Abdämmleiste. Dieser - innerhalb der
Vibrationszone
gelegen - wird durch einen
Funktionsabdruck mit entsprechender Kompression (Belastungsabformung,
Kompressionsabdruck) der weichen Gaumenteile in diesem Gebiet erzielt oder
zuweilen im
zahntechnischen Labor durch Radieren am Gipsmodell entsprechend geschaffen.
3.)
unterfütterbarer hinterer Gaumenrand bei einer
Modellgussbasis,
wenn diese bis in den weichen
Gaumen reicht
Ventilrand
Abschrägung
Anschrägung, Randabschrägung, Schmelzabschrägung, engl.: chamfer, bevel;
1.) Bezeichnung für den Abschluss einer kantigen
Präparationsgrenze, wie sie bei einer
Inlay-
oder
Stufenpräparation auftritt: der Übergang zum natürlichen Zahn
verläuft nicht rechtwinklig, sondern die Kante wird mehr oder weniger
stark im Schmelzbereich - in der Regel mit Handinstrumenten, sog.
Randschrägern oder Schmelzbeilen - gebrochen. So vermindert sich die
Undichtigkeit, die von einem
Randspalt
ausgeht. Wegen der dadurch dünn auslaufenden
Restauration, ist ein solches Vorgehen nur bei metallischen
Werkstoffen möglich;
bevel
enamel,
Federrand,
Scheibenschliffpräparation; s. Abb.
2.) Anschrägung des
Kavitätenrandes im Schmelzbereich bei der Adhäsivtechnik. Hierdurch
wird eine größere Schmelzoberfläche erzielt und es stehen mehr
Schmelzprismen zur Haftung zur Verfügung
3.) Abweichen des Winkels von der Parallelität bei
Zahnstümpfen oder
Teleskopkronen (Konvergenzwinkel,
Konuswinkel) |

|
Abschrecken
engl.: hardening; schnelles Abkühlen einer metallischen
Legierungsschmelze
zur Veränderung des Gefüges. In der Regel wird geht dadurch die sich verfestigende
Schmelze in einen
amorphen Festkörper über. Die Anordnung der Atome ist nicht mehr regelmäßig
wie in einem Kristallgitter, sondern ähnlich ungeordnet wie in einem Glas
(metallisches Glas).
Legierung,
Oberflächenhärte
Abstrahlen
engl.: blow off, shot blasting; Entfernen der Einbettmasse und Oxidschichten
nach dem Schleuder- oder Vakuumguss von dem Gussobjekt. Zur Anwendung gelangen
in der Zahntechnik Korundstrahler, die im Umlaufstrahlverfahren arbeiten, d. h.,
die Strahlmittel werden solange wiederverwendet, bis sie verschlissen sind.
Pulverstrahlgeräte
Abstrich
engl.: smear; Schlagwortbezeichnung für die zu diagnostischen Zwecken
(Zytodiagnostik, bakteriologische Untersuchung) erfolgende Entnahme von
Untersuchungsmaterial von der Haut- oder Schleimhautoberfläche mittels
Abstrichnadel, -öse , -spatel oder -tupfer; in der
ZHK vor
allem mittels steriler
Papierspitzen
(sog.
DNA-Sonden, z.B. "Gensondentest") aus der Zahnfleischtasche (
bakteriologische Identifizierungssysteme) bzw. mittels einer Bürste (sog.
Bürstenbiopsie, auch: "Bürstentest"). Dazu werden Papierspitzen in die
Zahnfleischtaschen eingeführt und für ca. 30 sec. dort belassen. Die Bakterien
werden so in die Papierspitzen aufgesaugt, in sterilen Röhrchen (bakteriendicht
verschlossen) aufbewahrt und in ein spezielles Labor zur Auswertung geschickt.
Im mikrobiologischen Labor erfolgt die Anzüchtung der Keime unter
aeroben
und anaeroben Bedingungen. Als Nährmedien dienen in der Regel Schafsblutagar,
Kochblutagar unter CO2- Begasung, Blutagar unter anaeroben Bedingungen und
McConkey- Agar zur Identifizierung von
gramnegativen
Bakterien. Zum Nachweis von Pilzen dient z.B. Sabboroagar. Die Bebrütung dauert
zwischen 24 (anaerobier) und 48 Stunden; eine Keimdifferenzierung kann nochmals
24 Stunden dauern.
Agar,
Eiter
Abstützelemente
engl.: anchor or support elements; Oberbegriff für zahlreiche Konstruktionen,
welche den
herausnehmbaren Zahnersatz oder ein
kieferorthopädisches Gerät ganz oder teilweise an den eigenen Zähnen
abstützen ("parodontale Abstützung", "Parodontal getragen"; tooth supported), um
ein Absinken zu vermeiden und ein "natürliches" Beißgefühl zu geben. Bekannte
Konstruktionen sind
Auflagen an Klammern, Dorne,
Geschiebe,
Teleskopkronen und
Stege
Abstützung,
abgestützte Prothese,
Halteelement,
Teilprothese
Abstützung
engl.: abutment, anchorage, support; durch
Abstützelemente an natürlichen Zähnen oder
Implantaten bewirkte Übertragung von Kräften, welche von einem
(herausnehmbaren) Zahnersatz bei Belastung ausgehen; sog. "parodontale
Abstützung", o. "dentale Abstützung" (tooth supported). Die
Abstützelemente können z.B.
Auflagen an
Klammern, Dorne,
Geschiebe,
Teleskopkronen oder
Stege
sein.
Nach Anzahl und Lage der A. werden nach Steffel (1962) unterschieden (s.
Abb. oben):
punktförmige Abstützung
lineare Abstützungen:
- linear -
transversale Abstützung
-
sagittale Abstützung (unilateral
anterior/posterior)
- linear - diagonale Abstützung
trianguläre Abstützung
quadranguläre Abstützung,
polygonale Abstützung,
wobei die beiden letzteren Formen eine stabile, die trianguläre eine
weitgehend stabile Prothesenlage und somit eine Schonung des
Restgebisses garantieren.
E. Körber (1987) unterteilt in 5 Klassen (s. Abb. unten). Im Gegensatz
zu Steffel, welcher die auftretenden, unphysiologischen Kräfte in den
Vordergrund stellt, klassifiziert Körber nach der Art der
Prothesenlagerung und der Auflageachse:
A: parodontale Abstützung - unterbrochene Zahnreihe
B: parodontal-gingivale Lagerung - optimale Auflageachse
C: parodontal-gingivale Lagerung - wie B, aber weniger stabilisiert
D: parodontal-gingivale Lagerung - kurze Auflagerungsachse
E: vorwiegend gingivale Lagerung - einzelne Zähne
Bei einem
Freiendsattel werden meist federnde
Abstützelemente - z.B.
Resilienzgeschiebe - (= federnde Abstützung) eingesetzt, um die
Resilienz
der Kieferschleimhaut zu kompensieren.
abgestützte Prothese,
Auflage,
Klammer,
Lückengebiss,
Stützfeld |


|
Abszess
Abszess, Eiterbeule, "fluktuierende
Schwellung"; Abscessus, engl.: abscess; durch sog. Eiterbakterien (meist
bakterielle Mischinfektionen aus zwei u. mehr Bakterienarten wie z.B.
Staphylokokken und
Streptokokken) verursachte eitrige Gewebseinschmelzung ("eitrige
Infektionsherde") überwiegend in nicht vorgeformten Körperhöhlen; meist
durch
Palpation an der typischen
Fluktuation erkennbar; in der
ZHK
häufig als submuköser Abszess, engl.: gumboil, s.u. vorkommend. Im
Gegensatz zur
Phlegmone ist der A. eine, durch aus Granulationsgewebe bestehende
Abszessmembran begrenzte, abgeschlossene
Eiteransammlung mit fluktuierender Konsistenz. Daneben sind auch
(seltene) sterile A. bekannt.
Als Phoenix-Abszess bezeichnet man einen wieder aufbrechenden A.
Zahnärztlicherseits sind die häufigsten Ursachen für einen A.
Entzündungen von Zahnwurzeln (
Granulom) und infizierte
Zahnfleischtaschen (Parodontalabszess;
Parodontitis) sowie ein
erschwerter (Weisheits-)Zahndurchbruch. Obwohl kein spezifischer
Erreger für derartige Infektionen verantwortlich gemacht werden kann,
scheinen hauptsächlich
anaerobe Keime beteiligt zu sein, deren krankheitserregendes
Potenzial durch verschiedene
Virulenzfaktoren verstärkt wird. Das Keimspektrum bei
odontogenen
Infektionen besteht meist aus einer Mischflora, in der anaerobe
grampositive Kokken und gramnegative Stäbchen vorherrschen (darunter
Micromonas sp., Prevotella sp., Porphyromonas sp. und Fusobacterium
sp.). Als Faustregel gilt, dass beim frischen A. ein aerobes
Keimspektrum vorherrscht. Nach Verbrauch des Sauerstoffes in der
Abszesshöhle wird erst das notwendige Milieu für Anaerobier
geschaffen. Die rein anaerobe Kultur repräsentiert somit die Spätform
eines A.
In der
ZHK
sind mehrere Abszessformen bekannt, wovon die meisten im Volksmund als "Dicke
Backe" bezeichnet werden:
- akuter oder heißer Abszess
äußerst schmerzhafte, sich innerhalb weniger Stunden
bildende Abszedierung im Gebiet der Gesichtsweichteile.
Ursächlich sind in der Regel
apikale Entzündungen oder
parodontale Erkrankungen
- chronischer Abszess
langsam verlaufende bzw. schon länger bestehende Abszedierung
innerhalb der Weichteile; häufig ohne schmerzhafte Reaktionen sich
aus einem akuten A. entwickelnd: Sei es, dass die Virulenz der
Bakterien gering ist, das körpereigene
Immunsystem den A. im Schach hält und/oder eine
Fistelung für einen natürlichen Abfluss der Eitersekrete sorgt
- Fossa canina Abszess
von den Front- o. Eckzähnen ausgehend und anatomisch dorsal durch
faziale
Kieferhöhlenwand, ventral durch die Wange, lateral durch eine
bukkale Loge und medial durch Nase begrenzt; starke Schwellung der
Oberlippe, Nase, Wange und Lider
- marginaler Abszess als Folge einer
infizierten, vertieften
Zahnfleischtasche;
Parodontalabszess
- masseteriko-mandibulärer Abszess
anatomisch
medial
durch die Unterkiefer-Außenkortikalis,
lateral
und
kaudal durch den
Masseter-Muskel begrenzt. Ausgeprägte Kieferklemme bei meist auf
das Muskelgebiet begrenzter Schwellung. Therapie: Inzision von
intraoral her
- odontogener Abszess
von einem (devitalen)
Zahn oder
Zahnfleischtasche ausgehende Eiterung versch. Lage und
Ausprägung
- palatinaler Abszess:
Gaumenabszess + Abb. rechts
- paramandibulärer Abszess
von einem submukösem Abszess ausgehender, im hinteren Teil des
Unterkiefers gelegener, sich in die Wangenweichteile ausbreitender
Abszess. Ein damit verbundenes Begleitödem
kann dabei weite Teile der betreffenden Wange erfassen
- parapharyngealer Abszess
Logenabszess in der seitlichen Rachenregion, welcher z.B. bei
einem
erschwerten Weisheitszahndurchbruch auftreten kann. Bei größerer
Ausdehnung kann es zu Schluckbeschwerden und Atemnot kommen, welche
eine sofortige extraorale
Inzision erforderlich machen
- parodontaler Abszess,
"Taschenabszess", marginaler Abszess;
Parodontalabszess
-
perimandibulärer Abszess
"um den Unterkieferknochen herum" gelegener A.; meist um die
Außenseite im hinteren Unterkieferbereich. Der Knochenrand ist nicht
mehr tastbar;
Kieferklemme und Schluckbeschwerden bei stark reduziertem
Allgemeinzustand, mäßiger Druckschmerz und starker Spontanschmerz
sind weitere Merkmale. Fast immer
odontogenen Ursprungs;
perimandibulärer Abszess
- pterygomandibulärer Abszess
Logenabszess, anatomisch
lateral
von der Unterkiefer-Innenkortikalis,
medial
vom
M.
pterygoideus med.,
ventral
vom M. buccinator u. der
Raphe
pterygomandibularis begrenzt. Typisch ist das "Schuchardtsche
Zeichen" (starke Abweichung des Unterkiefers zur gesunden Seite
hin). Therapie meist mittels extraoraler
Inzision
- Pulpaabszess
Eiteransammlung innerhalb des Zahnnervs, meist durch Mikroorganismen
verursacht (Pulpitis acuta purulenta partialis)
- retromandibulärer Abszess
Lokalisation in der Fossa retromandibularis, vor der
Parotisloge,
versteckt hinter dem
aufsteigenden Ast
- retromaxillärer Abszess
Logenabszess, welcher
distal
vom Oberkiefer liegt und durch seine Nähe zur Augenhöhle
(Orbitalabszess) und dem Schädel (Sinusthrombose) sich in eine für
Infektionen kritische Bereiche ausbreiten kann. Neben
odontogen
Ursachen auch
iatroge als Folge einer
Kieferhöhlenperforation und
Tuberanästhesie beobachtet
- retropharyngealer Abszess
im hinteren Rachenbereich, vor der Halswirbelsäule gelegener und
gern aus anderen Logen fortgeleiteter Abszess, verbunden mit starken
Atem- und Schluckbeschwerden und der Gefahr eines Übergreifens auf
die Halsgefäßscheiden. Therapie meist durch intra- und extraorale
Inzision unter
Vollnarkose
-
subakuter oder kalter Abszess
weniger heftig verlaufender und ausgeprägter akuter Abszess
- sublingualer Abszess -
Sublinguallogenabszeß - Zungenabszess
unterhalb des
Zungenkörpers gelegener, selten auftretende Eiterung. Neben
odontogenen Ursachen und Speicheldrüsenerkrankungen (Sialadenitis
(Speicheldrüsenentzündung) der
Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse)) kommen
Bissverletzungen und ein
Zungenpiercing in Frage
- submandibulärer Abszess
unter dem Unterkieferrand (der Rand selbst bleibt ohne
Fluktuation tastbar) gelegene, nicht scharf begrenzte
Eiteransammlung in der Submandibularloge, meist
odontogenen Ursprungs. Selten Zeichen einer
Kieferklemme oder Wangenbeteiligung. Inzision von extraoral
unter Vollnarkose
- submentaler und perimentaler Abszess
- Kinnabszess
in der Regel von den Frontzähnen des Unterkiefers ausgehende Eiterung (s.
Abb.), zuweilen von einer Fistel ("Kinnfistel") begleitet. Inzision
von extraoral her
- submuköser Abszess
häufigster odontogener A.; Lokalisation unter der
vestibulären Schleimhaut des Ober- oder Unterkiefers als Folge
von
apikalen Entzündungen. Therapeutisch durch intraorale Inzision
gut beherrschbar
- subperiostaler Abszess
äußerst druckschmerzhafte Eiteransammlung unter der
Knochenhaut. Wegen der tiefen Lage und der
Druckschmerzhaftigkeit ist nur selten eine Fluktuation zu ertasten;
schwierige klinische Abgrenzung zum subperiostalen
Infiltrat
Die Behandlung eines A. besteht
neben einer Ursachenbeseitigung (z.B.
Trepanation des Zahnes oder Reinigung der entzündeten
Zahnfleischtasche) meist in seiner chirurgischen Eröffnung (
Inzision,
Spaltung). Während die umschriebenen submukösen Abszesse meist durch
eine intraorale
Inzision
eröffnet werden können, müssen die tiefer gelegenen Logenabszesse durch
eine extraorale Inzision in
Intubationsnarkose eröffnet werden.
Antibiotika können im Anfangsstadium (wenn sich noch keine
Abszessmembran vollständig ausgebildet hat) unter Umständen nützlich sein, dienen
aber meist nur zur Abschirmung des umgebenden Gewebes bei einem
geschwächten
Immunsystem.
Für die Therapie
odontogener Infektionen schlagen (Eckert AW et al.: Keimspektren und
Antibiotika bei odontogenen Infektionen. Renaissance der Penicilline?
Mund Kiefer GesichtsChir 2005; 9: 369-376; BSMO, in FVDZ-NewsLetter vom
16.1.06) folgende Strategien unter Berücksichtigung regionaler
Gesichtspunkte vor:
submuköse Abszesse mittels
Inzision und
Drainage behandeln, nur bei Ausbreitung
Antibiotikagabe
Logenabszesse
mittels Inzision und Drainage behandeln, Antibiotikagabe - Mittel der
Wahl
Penicillin G oder V - u.a. bei Mehrlogenabszessen
bei schweren Grunderkrankungen (Immunsuppression) z.B. Amoxicillin,
eventuell zusammen mit Clavulansäure; alternativ
Clindamycin.
Vergleichsstudien (in
vitro) zwischen
Penicillin vs. Amoxycillin/Clavulansäure, Moxifloxacin sowie
Levofloxacin ergaben eine wesentlich höhere Empfindlichkeit gegenüber
Mischinfektionen durch die nicht penicillinhaltigen
Antibiotika. Das getestete Erregermaterial stammte aus von Zähnen
ausgehenden A.. Die meisten der Erreger waren
Streptokokken oder gehörten zur
anaeroben Prevotella-Gattung. Die Tests fielen für drei Antibiotika
besonders gut aus: 100% der Kulturen reagierten empfindlich auf
Amoxycillin/Clavulansäure und 98% der Kulturen auf Moxifloxacin und
Levofloxacin. Weniger gut reagierten die Erreger auf Doxycilin (76%) und
Clindamycin (75%).
Abszessmembran,
Autovakzine,
bakteriologische Identifizierungssysteme,
chronisch granulierende Entzündung,
Drainage,
Eiter,
Gaumenabszess,
Granulom,
Infiltrat,
Mumps,
Mundbodenphlegmone,
Parodontalabszess,
Parulis,
perimandibulärer Abszess,
Phlegmone,
Spaltung,
Vereiterung. |

submuköser A. von einem
beherdeten
kleinen Backenzahn
ausgehend

Gaumenabszess von
einem
Granulom
ausgehend

submentaler A.

perimandibulärer Abszess

extraorale
Fistel ausgehend von einem zerstörten UK-Zahn |
Abszesseröffnung
Abszessspaltung, engl.: abscess incision; chirurgische Maßnahme (mittels
Skalpell),
damit das sich im
Abszess befindliche, unter Druck stehende Exsudat nach außen abfließen kann.
Damit sich diese Öffnung nicht bald wieder von allein schließt, wird meist für
eine gewisse Zeit eine
Drainage
eingelegt. Die chirurgische A. richtet sich nach topographisch- anatomischen
Kriterien sowie nach der Abszesslokalisation. Die
Inzision
erfolgt entweder von
extraoral
oder von
intraoral und sollte nach Möglichkeit im unteren Gebiet des Abszesses
erfolgen.
Abszess,
Abszessmembran,
Inzision,
Stichinzision
Abszessmembran
engl.: abscess membrane; dünnes Häutchen, welches die Abszesshöhle zu seiner
Umgebung als diffusionshemmende Barriere abgrenzt. Das sich zuerst bildende
Granulationsgewebe wird später durch bindegewebige Strukturen ersetzt bzw.
umhüllt. Durch die A. kann ein
Antibiotikum
nur in geringem Umfang durchtreten, wodurch keine wirksame Konzentration des
Medikamentes in der Abszesshöhle aufgebaut werden kann. In diesem Stadium ist
die chirurgische Therapie durch
Inzision
des Abszesses mit nachfolgender
Drainage die
eigentliche Therapie
Abszess
Abt-Letterer-Siwe Syndrom
engl.: Letterer-Siwe syndrome; akute und schwerste Verlaufsform der Histiozytose
X (Langerhans-Zell-Histiozytose). Bei der schon im Säuglingsalter auftretenden,
unbehandelt meist tödlichen Erkrankung, sind u.a. auf der Haut rotbraune Knoten
erkennbar. In der Mundschleimhaut sind die Wangen, der Gaumen und der
lymphatische
Rachenring betroffen. Sehr seltene, rezessiv vererbte Krankheit, die bei 80%
der Patienten schon im Säuglingsalter ausbricht, jedoch auch noch bis zum
Schulalter auftreten kann. Weltweit sind unter 200 Fälle registriert. Der
genetische Defekt ist bislang unbekannt, eine Fehlfunktion der Immunzellen ist
jedoch wahrscheinlich.
Eosinophiles
Granulom
Abusus, Missbrauch, engl.:
abuse; übermäßiger Gebrauch von Arznei- und Genussmitteln im Sinne von damit
verbundenen schädlichen Auswirkungen
Abutment
Aufbau, Pfeiler, Verankerung, Widerlager, engl.: do.; in der
Implantatprothetik gebraucht Bezeichnung für ein Verbindungselement
zwischen dem eigentlichen
Implantat und der
Suprakonstruktion (z.B. eine
Kugel-Knopf-Verankerung oder ein individuell/konfektionell
gefertigtes A.). Zum Einsatz kommen
Titanabutments (konventionell), A. aus
Aluminiumoxidkeramik und aus
Zirkondioxidkeramik.
In den letzten Jahren ist eine vermehrte Anwendung individuell
gefertigter A. zu beobachten. Konfektionell gefertigte A. haben durch
ihre rotationssymetrische Grundform den Nachteil, dass sie sich häufig
nicht optimal in die Zahnreihe einpassen lassen und so das Anfertigen
einer Suprakonstruktion erschweren oder unmöglich machen. Ein Anpassen
("Einschleifen") im Mund ist wegen des harten Materials (Titan,
Zirkoniumdoxid) fast nicht möglich. Derartige Probleme bestehen bei
laborgefertigten, individuellen A. nicht, allerdings bestehen hierbei
ein zahntechnisch hoher Zeit- und Kostenaufwand.
Implantat,
Konnektor,
Mesostruktur,
Zylinderimplantat-intramobiles |


Keramik-A., individuell gefertigt |
Abweichung
engl..: deviation, anomaly;
1.) im Sinne einer Abweichung vom Mittelwert:
Deviation
2.) im Sinne einer
Anomalie (Fehlbildung); in der
ZHK
gebraucht zur Bezeichnung von Abweichungen der Zähne (= dentoalveoläre
Abweichung) oder Kiefer (= skelettale Abweichung) von der
Normalposition
im dreidimensionalen Raum, wobei klinisch häufig Kombinationen der unten
aufgeführten A. auftreten:
Angle
Klassifikationen,
Eckzahndistanz,
Eugnathie,
Kieferorthopädie,
Pont-Index
access-flap;
Kirkland,
Parodontalchirurgie
Acetylsalicylsäure
ASS, Aspirin™, engl.: acetylsalicylic acid; eines der wohl am meisten bekannten
Arzneimittel; vor über 100 Jahren als
Schmerzmittel entdeckt, sind weitere Wirkungen bekannt und therapeutisch
genutzt worden:
-- eine
blutverdünnende Wirkung (
Thrombozytenaggregationshemmer)
-- eine gefäßschützende Komponente im Sinne eines antioxidativen Effekts
-- Ein möglicher krebshemmender (antikanzerogener) Wirkmechanismus von A. ist
die Hemmung der Cyclooxigenase
Auf Grund des
Blutgerinnungs-hemmenden Effekts besteht bei zahnärztlich-chirurgischen
Eingriffen die Gefahr einer
Nachblutung; beherrschbare Zwischenfälle werden mit 1:250 angegeben. Neuere
Studien (Hemelik H. et al.: Zahnextraktion unter Medikation mit
Acetylsalicylsäure (ASS). Mund Kiefer GesichtsChir 2006; 10: 3-6) kommen zu dem
Ergebnis, dass die Medikation vor dem Eingriff nicht abgesetzt werden muss. Auch
in Anbetracht des erhöhten Risikos der Patienten, thromboembolische Ereignisse
durch die fehlende ASS-Gabe zu erleiden, sei ein derartiger Schritt nicht zu
rechtfertigen. Die Gefahr möglicher Thromboembolien nach Absetzen von ASS
übersteige das
Nachblutungsrisiko. Sprechen die Umstände gegen eine Fortführung der
ASS-Behandlung, so sollte diese höchstens 3 Tage, besser kürzer, unterbrochen
werden. Bei solchen Patienten steigt das Risiko thrombotischer Ereignisse
zwischen 4 und 30 Tage lang.
ASS-Präparate sollten nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Ebenso bei
Kindern: hier kann das zwar seltene aber mitunter tödlich verlaufende
Reye-Syndrom ausgelöst werden.
Bei gleichzeitiger Einnahme von niedrig dosierter ASS und
Ibuprofen
sind Wechselwirkungen möglich, weil Ibuprofen die gerinnungshemmende Wirkung von
ASS verringern kann.
Analgetika,
Behandlungen in der Schwangerschaft,
Blutgerinnungsstörungen,
Quincke Ödem,
Salicylsäure
Achsenmerkmal , engl.: axial characteristic;
Zahnmerkmale
Achsiographie
Axiographie, enfl.: axiographia; Aufzeichnung von Bewegungsspuren des
Unterkiefers bzw. der
Kondylen (
Scharnierachse).
Funktionsanalyse,
Inzisalpunkt,
Registrierung,
Unterkiefergrenzbewegungen.
Achspunkt
Scharnierachsenpunkt, engl.: hinge axis point; primär: jeder Punkt auf der
Scharnierachse. In der Praxis als der Hautpunkt, durch welchen die virtuelle
Scharnierachse den Schädel verlässt. Häufig "mittelwertig" im Bereich der
tastbaren Kiefergelenke auf der Haut markiert =
arbiträrer
Achspunkt
Acrylate
"Akrylharze", engl.: acrylates; Oberbegriff für die Polymere der Acrylsäure; sie
zeichnen sich durch die Acrylgruppe (CH2=CH-COOH) aus. In der
ZHK
bekannte Verbindungen sind
Diacrylate
und
Polymethylmethacrylate (z.B. als
Basismaterial für Prothesen)
Actinobacillus
Actinomycetem-comitans, neuerdings auch: Aggregatibacter actinomycetemcomitans, "Aggregatus bacter", A.a.c., engl.: do.;
gramnegatives, fakultativ
anaerobes Stäbchen-Bakterium;
gilt als eines der aktivsten Keime bei den aggressive Formen von
Zahnfleischerkrankungen und als Begleitkeim bei einer
Aktinomykose.
So erfolgt etwa bei 30 bis 50 Prozent der erkrankten Patienten in deren
Plaque ein Nachweiß von A.; bei den aggressiven Formen (z.B. die
juvenile Parodontitis)
sogar zu über 90 %. Sein Haupt-Virulenzfaktor ist das Leukotoxin, mit dem die
zelluläre Immunantwort (neutrophile
Granulozyten) geschwächt wird. Allerdings ist auch bei etwa 30 % der
parodontal Gesunden ein derartiger Keim als physiologisch zu finden.
Da A. nicht nur in den Zahnfleischtaschen vorzufinden ist, sondern sich auch in
Nischen der Wangenschleimhaut einnistet, kann er nicht ausschließlich durch in
die
Tasche applizierte Medikamente (z.B.
lokale Antibiotikagaben) verbunden mit einer Wurzeloberflächenreinigung
bekämpft werden, sondern erfordert eine antibiotische Kombinationstherapie (500
mg
Amoxillin und 250 mg
Metronidazol / Tag über 3 Tage) bzw. die Anwendung einer neueren
Antibiotikagruppe (Fluorquinolone).
Neuerdings (2006) soll mit dem lokalen Medikament Arestin® (lokal applizierbares
Antibiotikum;
Minocyklin-Mikrospären) die Anzahl von Actinobacillus actinomycetemcomitans
deutlich reduziert werden; auf andere Keime wirkt Arestin® weniger deutlich.
Kollagenase,
Leitkeime,
Markerkeime,
Parodontitis
Actinomyces
odontolyticus
A.o.; wenig bedeutender (physiologischer)
Markerkeim, anaerob bis mikroaerophil lebend, einer der Mitverursacher der
Aktinomykose
Australische und schwedische Wissenschaftler haben 2005 eine neue
Bakterienspezies identifiziert, die für das Scheitern
endodontischer Behandlungen wohl mitverantwortlich ist: Actinomyces
radicidentis. Der Keim ließ sich an zwei Schneidezähnen weder nach mehrmaliger
Behandlung noch isolieren und kultivieren. Er zeigte sich
in
vitro resistent gegenüber
Calciumhydroxid, ließ sich aber durch mindestens fünfminütige Einwirkung von
Natriumhypochloridlösung eliminieren. Der Erhalt der Zähne war letztlich nur
durch eine
Wurzelspitzenresektion möglich.
Markerkeime
ADA
American Dental Association, Vereinigung der US-amerikanischen Zahnärzte.
Besondere Bedeutung hat die ADA für das nicht-europäische Ausland dadurch, dass
Empfehlungen oder Ablehnungen zur Zertifizierung von zahnärztlichen Medikamenten
und Werkstoffen direkt gegeben bzw. gegenüber der strengen Kontrollbehörde
FDA
ausgesprochen werden; obwohl im Ausland nicht verbindlich, hat das Urteil in
diesen Ländern - mangels eigener Einrichtungen - häufig verbindlichen Charakter.
In den EU-Staaten unterliegen die dentalen Produkte meist dem europäischen
Medizinproduktegesetz (MPG).
FDA,
Medizinprodukte
Adamantin; vom griech.
adamantinos = extrem hart, Substantia adamantina;
(Zahn-)Schmelz.
Adamantoblasten,
engl.: adamantoblasts; schmelzbildende Zellen ("Schmelzbildner"),
Schmelz
ADAM-Komplex
engl. Abk. für Amniotic Deformity Adhesions Mutilations; Missbildungen, u.a. im
Gesichtsbereich (atypisch verlaufende
Gesichtsspalten), welche durch Stränge der Fruchthülle (Amnionstränge,
amniotic bands) im Mutterleib verursacht werden.
Adaptationsfacette,
Schlifffacette
addental
addentalis, engl.: do.; den Zähnen anliegend; Begriff gebräuchlich für die
Zungenposition in der artikulatorischen Phonetik (im Zusammenhang mit der
Aussprache), im Gegensatz zu "zwischen den Zähnen liegend" = interdental
Logopädie
Adenographie
engl.: adenography;
Röntgenkontrastdarstellung von Drüsen oder deren Ausführungsgängen, in der
ZHK
bekannt unter
Sialographie
oder Sial(o)adenographie
Adenoidenkiefer
engl.: adenoid jaw; ungeläufige Bezeichnung für eine typische Kieferverformung,
welche durch ausschließliche
habituelle
Mundatmung
im Entwicklungsalter entstehen kann: ausgeprägter
Schmalkiefer mit hohem Gaumendach. Ursache sind meist organische Störungen
im Nasen-Rachen-Raum ("adenoides Syndrom", z.B. Wucherung der Tonsillen)
Adenolymphom (a)
Cystadenolymphom, von
Zysten durchsetzter Speicheldrüsentumor, Albrecht-Arzt-Tumor, Warthin-Tumor,
engl.: papillary cystadenoma lymphomatosum; zu den
Hamartomen
(Wucherungen, die von einer Gewebsfehlentwicklung ausgehen) gehörender
gutartiger Tumor, bevorzugt in der
Parotis
auftretend
Adenom
Drüsengeschwulst, engl.: adenoma; von einem Drüsenepithel ausgehende,
meist gutartige Geschwulst, verbreitet im Körper, besonders im Darm ("Polyp")
vorkommend. In der
ZHK
bekannt als:
pleomorphes Adenom - sog. Speicheldrüsenmischtumor -, engl.: mixed
parotis tumor; gilt als häufigster Tumor der
Parotis (Ohrspeicheldrüse); er tritt bevorzugt bei Frauen ab der 5.
Lebensdekade auf. Der langsam wachsende Tumor, welcher gelegentlich
bösartig entarten kann (3-5% der Fälle) besteht aus epithelialen und
mesenchymalen Strukturen, die ohne deutliche Grenze ineinander
übergehen. Dieser Parotismischtumor kann als rundliche, prall-elastische
verschiebliche Geschwulst
palpiert
werden. Er wird nur selten größer als eine Walnuss - allerdings wurden
auch schon erhebliche größere Formen beschrieben. Eine
Fazialisparese tritt auch bei großen Gebilden nicht auf - wenn doch,
so spricht dies differentialdiagnostisch für einen
malignen
Tumor.
Sehr viel seltener ist das pleomorphe A. in der Unterkieferspeicheldrüse
(Gl. submandibularis) oder in den kleinen Speicheldrüsen zu finden (~
10%).
Basalzellenadenom,
Mundhöhlenkarzinom,
Speicheldrüsen,
Speicheldrüsentumoren
|
adental
zahnlos, engl.: non-dentate; ohne Bezug darauf, ob die
Zahnlosigkeit
genetisch
bedingt ist (
Hypodontie) oder erst im Laufe des Lebens erworben wurde.
unbezahnt,
zahnlos
Aderer Zange
"Drei-Finger-Zange", Biegezange, engl.: three-prong-pliers, three jaw
pliers; Spezialzange zum kantigen Biegen ("eckige Knicke") von Klammern
und kieferorthopädischen Drähten. Der Draht wird zwischen den Branchen
eingeklemmt und beim Zusammendrücken in der Mitte geknickt. Mit dieser
Zange sind sehr exakte Knicke möglich. |

|
adhärent; engl.:
adherent; anhängend, anhaftend, verwachsen. So werden die Makrophagen als
"adhärente Zellen" bezeichnet, da diese "Fresszellen" durch elektrische Ladung
bzw. Scheinfüßchen sich an "Fremdkörper" anhaften und schließlich zur
Vernichtung in ihr Zelleninneres aufnehmen (sog. Phagozytose)
Adhäsion
Anhangskraft, Anziehung(skraft), "Klebekraft", engl.: adhesive (force o. power);
Aneinanderhaften von Molekülen an Grenzflächen durch zwischenmolekulare Kräfte;
wichtiger Faktor z.B. beim Halt einer
Vollprothese. Voraussetzung ist, dass sich die Moleküle so nahe wie möglich
kommen. Die Beschaffenheit des Speichels spielt dabei eine wichtige Rolle.
Derartige Klebekräfte können durch sog.
Haftmittel (Cremes, Pulver) noch verstärkt werden.
Adhäsionsprothese,
Haftmittel,
Vollprothese
Adhäsionsprothese
"Die Gaumenfreie", engl.: adhesive prosthesis; nicht mehr zeitgemäße
Oberkiefer-Vollprothese, welche nach einem speziellen
Abdruckverfahren (Munzscher Abdruck, Adhäsionsabdruck) gefertigt wird; dabei
sollen angeblich die Adhäsionskräfte "optimal" ausgenutzt werden. Hierbei sollte
die Haftwirkung aus dem Zusammenspiel der Kohäsions- und Adhäsionskräften des
Speichels und der Schleimhaut sowie des Speichels mit der Prothese entstehen.
Adhäsion,
Halteelemente,
Vollprothese.
adhäsiv, engl.:
bonding;
Adhäsivtechnik
Adhäsivbrücke,
Maryland-Brücke;
Klebebrücke
Adhäsivfüllung,
Adhäsivtechnik
Adhäsivpräparation
engl.: etwa "minimal-invasive preparation (for adhesive bonding
technique)"; Schlagwortbezeichnung für eine
Präparationsart mit besonderer Charakteristik im Sinne eines
minimal-invasiven Vorgehens und Anwendung der
Adhäsivtechnik: Beschränkung der
Kavität auf
den reinen Defekt nach Kariesentfernung und nicht nach den
klassischen
Blackschen Regeln. Es wird der gesamte noch strukturierte Schmelz geschont
und durch Anschrägung breite Haftflächen geschaffen.
Adhäsivtechnik
Adhäsivverfahren, Klebetechnik, ehemals: Säure-Ätz-Technik (SÄT),
SDA
(schmelzdentinadäsiv) engl.: adhesive bonding
technique; Oberbegriff für begleitende Verarbeitungsmethoden vor allem
beim Einsatz von
Komposit-Materialien, zum Befestigen von außerhalb des Mundes
gefertigten
Füllungen und
Zahnersatzarbeiten (Keramik-Inlay,
Klebebrücke,
Veneers). Historische Unterteilung in die Schmelzätzung (M.
Buonocore, 1955) und die
Dentinhaftung (N. Nakabayashi, 1982).
In der Literatur tauchen eine Vielzahl von Begriffen und Systemen bei
der A. auf, die häufig das Gleiche besagen oder nur unwesentliche
Modifikationen mit einem neuen Ausdruck belegen. In einer
Übersichtsarbeit (Blunck, 2005 in ZP) werden allein 48 unterschiedliche
Systeme aufgeführt! Von einer Kombination der versch. Produkte
untereinander wird in der Regel abgeraten, da die besten Werte nur innerhalb
des Gesamt-Systems erreicht werden. Weiterentwicklungen der bestehenden Adhäsivsysteme zielen vornehmlich auf eine Vereinfachung in der
Verarbeitung hin, um so bei ebenbürtiger Qualität eine wirtschaftlichere
Verarbeitung zu ermöglichen.
Die A. macht den Verzicht auf besondere
retentive
Präparationstechniken (
Blacksche Regeln) möglich (= "Adhäsivpräparation")
und verhalf ästhetisch ansprechenden Füllungsmaterialen (
Komposites) zu einem breiten Einsatz in der
Füllungstherapie und bei der Eingliederung von
Restaurationen mit adhäsiven
Befestigungszementen. Unabdingbare Voraussetzung für ein derartiges
Vorgehen ist aber eine gute
Mundhygiene, da die Füllungsränder häufig nicht mehr in einer der
natürlichen Reinigung gut zugänglichen Bezirken liegen (
minimal-invasiv) und bei der Verarbeitung im Mund eine Freiheit von
Feuchtigkeit (
Trockenlegung). Unvollständige
Trockenlegung, aber auch exzessive Lufttrocknung haben einen
messbaren Einfluss auf die erzielbare Qualität der Haftung. Für optimale
Verbundstärken ist daher die penible Einhaltung der
Anwendungsvorschriften unbedingt erforderlich.
Das Prinzip der A. besteht darin, dass ein niedrigvisköses
Kunststoff-Monomer ("flüssiger Kunststoff"; Haftvermittler) einen
Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz (Schmelz,
Dentin) einerseits und dem entsprechenden Füllungsmaterial (z.B.
einem
Komposite) andererseits eingeht. Hierzu muss die Zahnoberfläche
entsprechend vorbehandelt ("konditioniert") werden. Durch Aufbringung
einer Säure (meist 30-40%ige Phosphorsäure;
Ätzgel) über einen Zeitraum von 20 bis 40 Sekunden auf die
Zahnsstrukturen wird durch Herauslösen von
Hydroxylapatit eine oberflächliche Schicht von ca. 10 µm abgetragen
und Rauhigkeiten von etwa 30 µm Tiefe geschaffen (Fachbegriff
"Etching"). Die dadurch bedingte Oberflächenvergrößerung (Mikrorentionsrelief)
bietet eine bessere Benetzbarkeit für sog. Haftvermittler
(Bezeichnungen: Bond, Adhäsive). Der Haftvermittler - ein niedervisköser
Kunststoff - fließt in die aufgelösten Strukturen ein und ergibt nach
Aushärtung (in der Regel mittels
Lichthärtung) eine mikromechanische Verankerung, an dessen
gegenüberliegender Oberfläche das eigentliche Füllungsmaterial eine
chemische Verbindung eingeht. Derart ist es mit modernen Adhäsiven
möglich, stabile Haftfestigkeiten von über 24 MPa zu erzielen und so
ganze Zahnteile - z.B. eine
Schneidekante - wieder an den Zahn "anzukleben" (siehe Abb., sog. "Schneidekantenaufbau").
Nur wenige Untersuchungen gibt es bisher über die Dauerhaftigkeit des
Verbundes im Mundhöhlenmilieu. Deshalb sollte dieser Faktor weiterhin
kritisch betrachtet werden.
Auf den erwähnten Prinzipien beruhend, ergeben sich folgende 3 - 4
Schritte zum Aufbau einer Haftung am Zahn. Moderne Materialien fassen
mehrere dieser Schritte zusammen (s.u.):
- Aufbereiten ("Ätzen") des Schmelzes
(= Schmelz-Konditionierung) mit Säuren führt zur Ausbildung eines
Ätzmusters (= mikromechanische Verankerung)
- Aufbereiten ("Ätzen") des Dentins (=
Dentin-Konditionierung) mit Säuren löst die
präparationsbedingte Schmierschicht (smear-layer;
s.u.) auf,
demineralisiert die Oberfläche des Dentins und die
Tubuluseingänge und legt so das organische Kollagennetzwerk
frei.
Es gibt Verfahren, die diese Schmierschicht aus bestimmten Gründen
belassen; mehr dazu unter
Dentinhaftung
- Auf die so konditionierten
Oberflächen von Schmelz und Dentin wird ein
feuchtigkeitsfreundlicher Primer ("Grundierer", s.u.) aufgetragen,
der in die Dentinkanälchen (Tubuli) eindringt. Durch Anwendung eines
sauren Primers ("dentinkonditionierender Primer") kann der vorherige
Arbeitsschritt ("Ätzen" des Dentins) entfallen
- Auf die derart vorbereitete
Kavitätenoberfläche wird das eigentliche Adhäsiv ("Kleber",
s.u.) aufgebracht. Dieses vermischt sich mit dem Grundierer und
bildet die sog. Hybridschicht, welche wiederum als Bindeglied für
das später darauf applizierte Füllungsmaterial (in der Regel ein
Komposite) dient.
Da materialbedingt bei der späteren Verarbeitung eines
Komposites eine
Schrumpfung eintritt, sollte diese Hybridschicht
("Pufferschicht") möglichst elastisch sein
Das Adhäsivsystem
"Gluma"
(Heraeus Kulzer / Bayer) war auf dem deutschen Dentalmarkt das erste
Produkt und bestand noch aus 4 Komponenten, die nacheinander eingesetzt
werden mussten. Heute noch Anwendung bei der Behandlung
überempfindlicher Zahnhälse.
Im Zusammenhang mit der A.-Technik tauchen eine Vielzahl von Begriffen -
meist in Englisch - auf:
- Adhäsive
"Kleber", "Bonder", lange, große Monomere sorgen für die Verankerung
des Füllungsmaterials oder der
Restauration (bei
Befestigungszementen) im Dentin und Schmelz. Die
Materialeigenschaften zwischen den modernen Adhäsiv- und den dazu
gehörigen Füllungsmaterialien sind fließend.
- All-in-one Adhäsive
("Ein-Schritt-Haftvermittler", "One-Step Adhäsive")
Ihre Applikation kombiniert Ätzen, Primer und Bonding in einem
einzigen Schritt, was eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Es
sind dies weiterentwickelte Primer, welche eine Konditionierung mit
Säure ("Anätzen") und ein zusätzliches Bonding überflüssig machen.
Bekannter Vertreter: z.B. Prompt L-Pop der
Fa. Espe, Etch &
Prime 3.0 der Fa. Degussa. Nach einigen Untersuchung besteht kein
Unterschied in der Qualität der späteren Füllungen zwischen
selbstätzenden Adhäsivsystemen im Vergleich zu den
One-Bottle-Adhäsivsystemen; andere Studien bezeichnen die spätere
Verbundstärke geringer als die von mehrstufigen Systemen.
Eine gewisse Inkompatibilität besteht bei diesen Adhäsiv-Systemen
mit chemisch härtenden ("Zwei-Pasten-Gemisch") Kompositen und
beeinflusst vor allem das Bonding an Dentin. Durch die Zugabe eines
Anionen-Tauschers zum Komposit kann dieser Nachteil verbessert
werden.
- Bondingsysteme zur Befestigung von
Keramiken und indirekter Kompositrestaurationen lassen sich in zwei
Gruppen einteilen: Produkte auf Phospatbasis und auf
Carboxylatbasis. Während bei ersteren häufig Phosphorsäure (34%
Phosphorsäure, 10% NaOCl) zur Konditionierung des Dentins verwendet
wird, kommt bei einigen Carboxylaten "10-3-liquid" (10%
Ascorbinsäure, 3% Eisenchlorid) zum Einsatz.
-
Conditioner
Konditionierer, sind in der Regel Säuren bzw.
Kalziumkomplex-Bildner (
Ätzgel), welche die Oberfläche von Zahnhartsubstanzen (Schmelz,
Dentin) anlösen und dadurch bedingt durch Oberflächenvergrößerung
sog. Mikrorententionen schaffen (siehe auch unter Schmierschicht).
Die zusätzliche Anwendung von Er:YAG-Lasern zur Konditionierung in
der Adhäsivtechnik erbringt, verglichen mit der alleinigen
Konditionierung der Zahnhartsubstanz durch Phosphorsäure, keine
Verbesserung der Haftkraft.
-
Dentinhaftung
unter eigenem Begriff im Lexikon
- Einflaschensysteme
- Füllgrad der Adhäsivsysteme
Zum einen soll das Adhäsiv so "dünn" sein, dass es zur guten Haftung
problemlos in die Dentinkanälchen eindringen kann, zum anderen soll
eine glatte Oberfläche erzeugt werden, damit beim Aufbringen der
Komposite/Kompomere keine Luftblasen eingeschlossen werden - eine
gewisse Schichtstärke ist deshalb von Nöten, um die nach der
Präparation meist rauhe Oberfläche einzuebnen. Da alle
Komposite/Kompomere beim Aushärten schrumpfen, wird angestrebt, dass
dass Adhäsiv zusätzlich als elastische "Puffer-Schicht" dient.
- Lagerfähigkeit
Bei allen Systemen ist die Lagerfähigkeit - bedingt durch die
"sauren Monomerlösungen" - begrenzt. Meist werden Zeiten von ~ 2
Jahren angegeben, dabei ist der Herstellerhinweis
"Kühlschranklagerung" oder keine zu beachten.
- Liner
Liner
-
MDPB Monomer
eine der Substanzen, welche als Primer eingesetzt, durch direkten
Kontakt in der Tiefe liegende Bakterien eliminiert: Die
Pyridiniumgruppe als Bestandteil des MDPB Monomers ist positiv
geladen. Die Zellstrukturen von Bakterien sind üblicherweise negativ
geladen, deshalb werden diese automatisch vom positiv geladenen
Kontaktpunkt des MDPB Monomers angezogen. Hier verlieren sie ihr
elektrisches Gleichgewicht, wodurch die Zellmembran der Bakterie
zerstört wird. Nach Herstellerangaben ergibt sich folgende Langzeitwirkung: "Durch die Polymerisation der
Bondingschicht wird das MDPB Monomer immobilisiert und in die
aktiven Bestandteile zerlegt. Dort bleibt es weiterhin latent aktiv
... Durch eine Veränderung der Oberflächenstruktur verhindert das
Produkt die Anlagerung von Bakterien und trägt so langfristig zum
Schutz vor Sekundärkaries bei. Um die benachbarte Zahnhartsubstanz
zu stärken, lässt die Bondingschicht kleine Mengen von Fluorid frei.
Ein spezielles Kopolymer trägt dazu bei, dass die Bondingschicht
hierbei nicht schrumpft und somit auch die Haftkraft nicht negativ
beeinflusst."
- Mehrflaschensysteme
Dentinhaftung
- moist bonding, wet bonding
Manche Dentinhaftvermittler entfalten ihre beste Wirkung auf einer
leicht feuchten ("feucht schimmernden"), konditionierten Oberfläche.
Diese optimale Feuchtigkeit kann dabei mit sog. Benetzungsförderern
(= "rewetting agents") nach Säubern und Trocknen des Dentins
erreicht werden.
-
One-bottle-Systeme
modifizierte Primer, ein Konditionieren wird unter Umständen trotzdem empfohlen
- Primer ,
Grundierer
Lösung des Komposit-Monomers (kurze, kleine Monomere) in Wasser,
Aceton oder Ethanol. Sie machen die Dentinoberfläche empfänglich für
das Aufbringen von Füllungs-Kunststoffen (Komposites).
Dabei diffundiert der P. in die vorbereitete ("konditionierte")
Dentinoberfläche ein und bildet eine "Kontaktschicht" zwischen dem
wasserhaltigen (hydrophilen) Dentin und dem wasserabweisenden
(hydrophoben) Adhäsiv.
- SDA-Technik;
SDA
-
Schmelzhaftung , Schmelzätztechnik
Ausschließliche Konditionierung des Zahnschmelzes. Durch die
Konditionierung des Schmelzes mit Phosphorsäure wird eine mikrofeine
Retention ("Ätzmuster") erzeugt, welches eine
Oberflächenvergrößerung und eine bessere Benetzbarkeit mit einem
Adhäsiv zur Folge hat. Neben der vergrößerten Haftfläche wirken die
adhäsiven Mikroverankerungen den Kräften der
Polymerisationsschrumpfung entgegen und vermindern so die
Randspaltbildung.
Empfohlen werden eine Ätzzeit von 30 - 60 Sekunden mit einer 30 -
40%igen
Phosphorsäure, gefolgt von einem ca. 30 Sekunden langen
Absprühen
der so vorbereiteten Schmelzanteile.
Historisch ausschließlich angewandt, ist diese Methode heute nur
noch von untergeordneter Bedeutung. Der Erfolg bei der
Schmelzhaftung ist von der individuellen Qualität des Schmelzes und
der Richtung des Anschnittes der Schmelzprismen beim
Präparieren abhängig. Der
Zahnhalsbereich bleibender Zähne sowie der oberflächlich
prismenarme Schmelz der Milchzähne lassen sich vergleichsweise
schlecht anätzen.
Schmelzbildungsstörungen (z.B. eine
Amelogenesis imperfecta,
Fluorose) können ebenso zu unbefriedigenden Resultaten führen.
-
Schmierschicht
engl.: smear-layer; mikroskopisch feine Schicht aus Blut-, Eiweiß-,
Dentin- und
Speichelbestandteilen als Rückstand nach der
Präparation für eine
Füllung in der
Kavität. Es gibt wissenschaftlich unterschiedliche Auffassungen
darüber, ob diese Schicht entfernt werden sollte; versch. Präparate
bei der Anwendung der Adhäsivtechnik fordern eine vorherige
Entfernung dieser Schicht.
Dentinhaftung
Eine Entfernung dieser Schicht kann entweder durch Säuren oder saure
Monomer-Lösungen erfolgen; die Einwirkung sollte nicht länger als 20
sek. betragen, um
Pulpenschädigungen zu vermeiden.
- stress
breaker
Einige Haftvermittlersysteme (z.B. Prime&Bond NT) werden mit feinen
Füllkörpern versehen. Durch die dadurch bedingte stärkere
Adhäsivschicht soll eine bessere Elastizität (= "stress breaker")
zwischen Dentin und Füllungsmaterial erreicht werden.
- Total Etch,
Total-Ätz-Technik
Es erfolgt eine gleichzeitige Konditionierung von
Schmelz und
Dentin mit Entfernung der Schmierschicht
("Etch-and-Rinse-Technik"). Problem ist hierbei, dass der Schmelz
deutlich angeätzt werden muss (Ätzmuster, erkennbar an einer
milchig-trüben Oberfläche), gleichzeitig das Dentin aber nicht zu
sehr gereizt werden darf, um das Kollagennetzwerk nicht zu
zerstören. Bei diesem Kompromiss kommen 15-35-prozentige
Phosphorsäuren zum Einsatz, die auf das Dentin nur kurz (maximal 20
Sek.) einwirken dürfen.
Unzureichendes Verblasen des Bondings oder Übertrocknung des Dentins
führen hierbei zu Qualitätseinbußen und verringerter Haftkraft der
späteren Füllung.
Entsprechend der
Anzahl der Arbeitsschritte und der Vorbehandlung der
Schmierschicht erfolgt jüngst folgende Unterscheidung (die
Einteilung beginnt mit der "4. Generation", da die vorherigen
Generationen entweder nicht mehr existieren oder nur noch wenig
angewandt werden):
- 4. Generation
- Typ 1 - 3 Schritte "Total Etch"
1.) Entfernung der Schmierschicht durch eine
Phosphorsäurekonditionierung (Ätzung).
2.) Aufbringen des Primers (s.o.). 3.) Auftragen des Bonders
(Haftvermittler, s.o.)
- 5. Generation
- Typ 2 - 2 Schritte "Total Etch"
wie 4. Generation, aber Schritte 2.) + 3.) werden zusammengefasst
- 6. Generation
- Typ 3 - 2 Schritte "Self Etching"
(Markteinführung um die Jahrtausendwende) sog.
selbstkonditionierende Präparate= lösen die Schmierschicht auf,
diese wird aber nicht mehr abgesprüht. 1.) selbstkonditionierender
Primer. 2.) Auftragen des Bonders (Haftvermittler, s.o.). Ein saurer
Primer wird nach Präparation und Trockenlegung direkt auf Schmelz
und Dentin appliziert. Der Primer verbleibt auf den Zahnsubstanzen
und der Haftvermittler wird zusätzlich aufgetragen.
Die Haftfestigkeit ist geringer als bei denen der vierten und
fünften Generation.
- 7. Generation
- 1 Schritt "Self Etching", All-inOne, desensibilisierend,
desinfizierend
Vorbehandlung in einem Arbeitsschritt = "Self Etching" in einem
Arbeitsschritt. Bekannter Vertreter: iBond™ (Kulzer);
Glutaraldehyd ist dabei für die
Desensibilisierung verantwortlich.
Die Haftfestigkeit ist geringer als bei denen der vierten und
fünften Generation; denen der 6. Generation gleichwertig.
Langzeiterfahrungen fehlen.
- In jüngster
Zeit wird zur Verbesserung des
Randschlusses auf eine zusätzliche Vorbehandlung (Ätzung)
des Zahnschmelzes als eigener Schritt hingewiesen.
Zur
biologischen Verträglichkeit von
Komposites und der A. ist zu bemerken, dass bei der Vielzahl der zum
Einsatz kommenden Substanzen bisher keine verlässlichen Untersuchungen
vorliegen. Zwar deuten bisherige Erfahrungen darauf hin, dass von den
eingesetzten Materialien keine Gefahr ausgeht. Im Gegensatz zu dem in
den Medien "verteufelten"
Amalgam - bei welchem umfangreiche Studien vorliegen und eine
entsprechende Risikoabwägung problemlos möglich ist - kann dies bisher
bei diesen Stoffen (noch) nicht sicher ausgesagt werden.
Amalgambonding,
Black,
C-Faktor,
Dentinhaftung,
Füllung,
Füllungsmaterialien,
Füllungstherapie,
Lichthärtung,
MDP,
MDPB,
Polymerisationsschrumpfung,
SDA-Technik,
Silorane,
Stiftaufbau,
Surfactants.
|

mittels Adhäsivtechnik durchgeführter Zahnaufbau bei einem Jugendlichen
nach Unfall

Befestigung eines
gelockerten Zahnes
mittels
Komposite
an den Nachbarzähnen |
ADI
-
Wert
Abk. von "acceptable width="870 width="870 daily intake" = "duldbare tägliche Aufnahme"; die Menge
eines Stoffes an, die über die gesamte Lebenszeit täglich gegessen werden kann,
ohne dass dadurch gesundheitliche Gefahren zu erwarten wären. Er wird in
Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (mg/kg Körpergewicht * d) oder
verkürzt als mg/kg Körpergewicht angegeben.
Adipositas
Fettsucht, Fettleibigkeit, schweres Übergewicht, Obesitas, engl.: obesity,
adiposity, fatness; eine weit über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des
Körperfettes unterschiedlicher Ursache (übermäßige Nahrungsaufnahme,
Stoffwechselerkrankung) infolge einer positiver Energiebilanz.
Wichtigster Maßstab zur Bestimmung einer A. ist der sog. Body-Mass-Index (BMI) -
BMI = Körpergewicht (kg) / Körpergröße² (m²) - , welcher nach
WHO-Klassifikation
folgende Werte hat:
Untergewicht < 18,5
Normalgewicht 18,5 – 24,9
Übergewicht 25,0 – 29,9
Adipositas Grad I 30,0 – 34,9 BMI
Adipositas Grad II 35,0 – 39,9 BMI
Adipositas Grad III > 40,0 BMI
Über die Hälfte aller erwachsenen Bundesbürger ist zu dick, zwischen 12 und 19
Prozent sind krankhaft fettleibig; auch bei Kindern ist ein besorgniserregender
Trend zu immer mehr Übergewichtigen zu beobachten. A. entsteht bei Menschen, die
ihr Sättigungsgefühl verloren haben. Sie können nicht aufhören zu essen. Frauen
sind häufiger betroffen als Männer. Schweres Übergewicht hat immer auch einen
seelischen Hintergrund. Untersuchungen - vor allem mit Zwillingen - haben
bestätigt, dass die Vererbung einen nicht unwesentlichen Anteil an der
Entstehung von Übergewicht hat. Beeinflusst wird dadurch überwiegend der
individuelle Energieverbrauch. Intensiv erforscht wird zum Beispiel die
Bedeutung und Steuerung von Leptin, dem Produkt des ob-Gens, das im Fettgewebe
produziert wird und auf zentrale Nervenstrukturen zur Regulation von
Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch wirkt.
adjustieren
adjustiert, engl.: adjust, adjusted; einstellen, in die entsprechende (richtige)
Stelle bringen. In der
ZHK mehrfach gebraucht im Sinne von dem Einstellen eines
richtigen Bisses im
Artikulator ("adjustierter Artikulator"),
Einschleifen von Kauflächen bei Gleithindernissen ("adjustiertes
Einschleifen") oder Eingliedern einer
Schiene bei
Kiefergelenkserkrankungen oder
Bruxismus ("adjustierte Schiene").
Károlyi Effekt,
Modellmontage,
Registrierung
Adjuvans, Hilfsmittel,
engl.: adjuvant; medizinisch: ein die Wirkung unterstützender Zusatz zu einem
Arzneimittel
adjuvante Therapie
engl: adjuvant therapy; unterstützende
Behandlung
nach einem operativen Eingriff; z.B. eine Chemo- oder Strahlentherapie nach
einer Tumorentfernung. Bei einer neoadjuvanten Therapie findet diese vor der
Operation statt.
Behandlung,
Therapie
Adrenalin
Epinephrin, Nebennierenrindenmark-Hormon,
Sympathikusüberträgersubstanz, zur Gruppe der Katecholamine gehörend,
engl.: epinephrine, adrenalin(e); Hormon mit den
lebenswichtigen Funktionen: Zusammenziehung der Hautgefäße und Erweiterung der
Herzkranzgefäße. Dadurch wird der Blutfluss des Körpers und die
Speichelausstoßung (Sekretion) reguliert.
In der Zahnmedizin ist A. ein häufiger Zusatz von
Lokalanästhetika, indem es durch seine gefäßverengende Wirkung den raschen
Abtransport des Betäubungsmittel verhindert und so zur Verstärkung der Wirkung
beiträgt und eine (gewünschte) Blutleere im Operationsgebietes herstellt. Für
den gesunden Erwachsenen beträgt die Maximaldosis an A. als gefäßverengender
Zusatz 200 Mikrogramm, für Patienten mit Herz-/Kreislauferkrankungen nur 40
Mikrogramm (dies entspricht 8 ml einer Lösung mit einem A.-Zusatz von
1:200.000). Die früher bestehende Lehrmeinung, bei herzkranken Patienten auf
einen A.-Zusatz ganz zu verzichten, wird nach neueren Forschungen angezweifelt,
da das Herz dieser Patienten ohnehin weniger empfindlich gegen A. ist.
Grenzdosis Adrenalin (kardialer Risikopatient) beträgt 40 ug Adrenalin
1 ml Ultracain D-S® enthält 5 pg Adrenalin
40 ug entsprechen 8 ml Ultracain D-S
Grenzdosis Adrenalin (gesunder Patient) = 0,2 mg Adrenalin
0,2 mg Adrenalin entsprechen 20 ml Ultracain D-S forte oder 40 ml Ultracain D-S
Wegen der Sauerstoffempfindlichkeit von A. (es wird durch O2 chemisch zerstört)
werden adrenalinhaltigen Medikamenten in größeren Verpackungen ("Stechflaschen")
häufig Natrium-Bisulfit und/oder
Parabene als Stabilisatoren zugesetzt - bei empfindlichen Patienten sind
dadurch zuweilen schwere
allergische
Reaktionen möglich. Bedingt durch eine Wechselwirkungen des A. mit anderen
Pharmaka kann die Wirkung durch trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer,
Antiparkinson-Mittel, Methyl-Dopa usw. verstärkt werden.
Behandlung in der Schwangerschaft,
Lokalanästhetika,
Noradrenalin,
Octapressin,
Vasokonstriktoren
Adstringenz
auch: Adstringens, pl.: Adstringenzien, engl.: adstringent (drug or agent);
Mittel, die beim Auftragen auf die
Mundschleimhaut durch Eiweißfällung austrocknend, blutstillend und
entzündungswidrig wirken (z.B.
Silbernitrat
o. Gerbstoffe). Die Anwendung von A. auf der
Mundschleimhaut gilt heute in der
ZHK
überwiegend als
obsolet,
da keine ursachenbezogene Heilung damit erfolgt.
Hämostyptika,
Zinkoxid
Aerobier; aerob;
Anaerobier
Aerodentis
"die pulsierend-orthodontische Behandlung"; von Prof. Dr. Meir Redlich
entwickelte
kieferorthopädische Behandlungsapparatur welche auf pulsierend abgegebenen
Kraftimpulsen basiert. Es wird mittels komplizierter Apparatur eine
kontrollierte Luftdruckpolster-Kraft erzeugt, welche eine gute Blutzirkulation
im Gewebe des
Parodontalligaments zwischen Wurzel und Kieferknochen erzeugt. Nach
Herstellerangaben wird eine Tragezeit von zehn Stunden pro Tag (nachts) als
ausreichend angesehen, um Zähne in die gewünschte Stellung zu bewegen.
Langzeitstudien bestehen bei diesem neuen Verfahren (2012) nicht. (Aerodentis AG
dror ortho, Wolleraustrasse 41b, CH 8807 Freienbach, Aktiengesellschaft)
Aerodontalgie
Barodontalgie,
Höhenzahnschmerz, engl.: aerodontalgia; zu Aerodontopathien gehörende
Schmerzen,
welche in der Regel von einem bezahnten Kiefer ausgehen. Die plötzlich auftretenden
Schmerzen treten etwa in Höhen von über 3000 m auf (im Flugzeug ohne
Druckausgleich oder im Gebirge). Verantwortlich dafür sind Lufteinschlüsse (z.B.
unter Zahnfüllungen, seltener in Kieferzysten),
welche bei einem Absinken des atmosphärischen Drucks entsprechende Sensationen
auslösen.
Aerozele
Luftzyste, engl.: aerocele; als Unterscheidung zur Schleimzyste (=
Mukozele)
gebrauchter Ausdruck für
Zysten, die als
Inhalt überwiegend Luft enthalten; im Kopfbereich als Laryngozele oder
Pneumatozele der
Nasennebenhöhlen bekannt
AFDT, Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der
Zahn-, Mund und Kieferheilkunde,
Affenlücke ,
"Primatenlücke", Eckzahnlücke, engl.: primate spacing; nur im Milchgebiss
physiologisch vorkommende Lücke vor den beiden Oberkiefer-Eckzähnen bzw. hinter
den beiden Unterkiefer-Eckzähnen
Diastema
AFT
engl. Abk. v. Affordable Fluoride Toothpaste (= finanziell erschwingliche
Zahnpasta mit Fluoridzusatz). Zahnpasten mit Fluoridzusatz gelten weltweit als
die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Karies. Allerdings: in vielen ärmeren
Ländern sind die Kosten für derartige Zahncremes gemessen am Einkommen so hoch,
dass davon kein Gebrauch gemacht werden kann. Sog. AFT-Programme werden mit
Unterstützung reicherer Länder dazu eingesetzt, dass betroffene Menschen zweimal
täglich ihre Zähne mit einer "erschwinglichen Zahnpasta" reinigen können.
ART-Technik
Afte, Afthe, Aphte;
falsche Schreibweisen für
Aphthe
Agar -
Agar
Pflanzengallerte, engl.: do.; getrockneter Schleim aus roten Meeresalgen
(Rhodophyceae); Geliermittel, welches unabhängig vom Umgebungsmedium ist.
Verwendung in zahnärztlichen
Abdruckmassen (
Hydrokolloid), in der Mikrobiologie zur Züchtung von Keimen ("Agarplatten"
als Nährboden für Bakterien, z.B. Blutagar, Önöz-Agar), im Lebensmittel- und
Pharmabereich (z.B. Verdickung von Suppen) und in höheren Konzentrationen als
Abführmittel.
Abstrich,
bakteriologische Identifizierungssysteme
AGC®-Verfahren; AGC = Auro Galva Crown;
Galvanotechnik
Agenesie, Agenesis; durch
eine nicht vorhandene Organanlage bedingtes völliges Fehlen eines Organs.
Zeitliche Entstehung vor einer
Aplasie
AGET
Abk. von Arbeitsgemeinschaft
Endodontologie und Dentale
Traumatologie,
engl.: Association of Endodontics and Dental Traumatology; 2004 innerhalb der
Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) gegründet;
AG KZVen
2005 erfolgter Zusammenschluss des
KZVen Bayern,
Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu einer
Arbeitsgemeinschaft auf Bundesebene; 2011 wurde die KZV Hessen Mitglied. Neben
der Entwicklung KZV-übergreifender Handlungsansätze werden Themen aus der
Gesundheitspolitik aufgearbeitet und organisatorisch-technische Fragen der
Selbstverwaltung diskutiert.
AH 26™
AH Plus™, bekannte organische
Wurzelkanalfüllmaterialien (Sealer)
auf Epoxidharz-Basis. AH 26, als älteres (Schröder, 1954) der beiden Produkte,
in einer silberhaltigen und silberfreien Variante setzt beim Abbinden intitial
und kurzzeitig
Formaldehyd frei. Das weiterentwickelte AH Plus zeigt die im Vergleich
besten Haftwerte aller Sealer zum Dentin der Wurzelkanalwand; es soll beim
Abbinden keine Spuren von Formaldehyd mehr freisetzen.
AH Plus u. AH 26 sind bis auf gelegentliche Gewebereaktionen oder neurotoxische
Effekte wenig problematisch - bei sachgerechter Anwendung entfalten sie kaum
irritierende Wirkungen auf
periapikale
Gewebe.
Ah-Linie,
A-Linie
AIDS, engl.: Abk. von
Acquired ImmunoDeficiency Syndrom.
HIV
Air-abrasiv ,
Luft-abrasiv, engl.: air-abrasive;
Pulverstrahlgeräte
Air-Flow-System,
engl.: airflow-system;
Pulverstrahlgeräte
Airotor
veraltete Bezeichnung für "Turbine", engl.: do. o. (dental) turbine;
1957 in den USA entwickelt. Ein hochdrehendes (bis 400.000 U/min;
gebräuchlich um 250.000) Kleinstschaufelrad in einem
Winkelstück (Bohrmaschine) wird durch Druckluft angetrieben; dient
zur
Präparation von Zähnen. Bei diesen hohen Drehzahlen ist unbedingt
eine Wasser-Luftkühlung (s. Abb.;
Spray) erforderlich.
Turbinen sind - bedingt durch die hohe Umdrehung - für ihr "typisch
zahnärztliches Pfeifen" bekannt und verursachen neben einem Angstgefühl
bei Patienten nicht selten beim Behandler Gehörschäden. Heute kann
problemlos auf schnell laufende
Winkelstücke mit Umdrehungen von bis zu 50.000/min zurückgegriffen
werden.
Arbeitskreis
Dentalinstrumente,
Bohren,
Bohrer,
FG-Schaft,
Präparation,
Winkelstück. |
 |
Akanthästhesie
"Nadelstichempfindung", vom griech.: akantha = Stachel, aisthesis = Wahrnehmung,
engl.: feeling of needles and pins, acanthaesthesia; nadelstichartige
Empfindungen als besondere Form einer
Parästhesie
Akatalasie
engl.: acatalasia, Takahara's disease (Erkrankung); sehr seltener
Enzymdefekt,
welcher einen Mangel an Katalase bedingt. Dieses Defizit führt vor allem in den
Endstromgebieten des
Parodontiums dazu, dass das im Gewebe gebildete
Wasserstoffperoxid nicht gespalten werden kann, und es somit zur
Methämoglobinbildung kommt. In deren Folge entsteht eine lokale Hypoxie, woraus
lokale Entzündungen resultieren. Zu dem Krankheitsbild der A. gehören auch
chronische
Ulzerationen der Mund- und Nasenschleimhaut,
Sinusitiden oder eitrige Tonsillitiden.
Kontraindikation für eine
Wasserstoffperoxid-Anwedung (z.B.
Bleichen)
AKDI
Abk. von Arbeitskreis Dentalinstrumente, engl.: working group dental
instruments; bei der
Bundeszahnärztekammer (BZÄK) angesiedeltes Gremium, welches sich mit den
fachspezifischen Besonderheiten bei der Aufbereitung von
Medizinprodukten befasst und Empfehlungen für die Zahnarztpraxen abgibt
(z.B. Aufbereitung zahnärztlicher Übertragungsinstrumente). Diese Empfehlungen
sind an die vom
Robert
Koch-Institutherausgegebene "Infektionsprävention in der Zahnheilkunde -
Anforderungen an die Hygiene" angelehnt.
Hygiene
AKFOS
ArbeitsKreis für
Forensische
Odontostomatologie; interdisziplinärer AK mit dem Ziel, eine Symbiose
zwischen Rechts- und Zahnmedizin herzustellen.
>
Akkomodator
engl.: accomodator; unübliche Bezeichnung für einen speziellen
Aktivator,
bei welchem ausschließlich
Dehnungen
im Oberkiefer durchgeführt werden.
Akroemgalie
griech.: "akros" = "hervorspringende Körperenden, "mega" = "groß";
engl.: acromegaly; durch Überproduktion des Wachstumshormons
Somatotropin (STH) bedingtes Weiterwachsen der Akren ("Körperenden",
äußerste bzw. vorstehende Körperteile, wie z.B. Nase, Kinn, Jochbögen,
Beine, Arme) nach eigentlichem Wachstumsabschluss; in der Regel durch einen
Tumor des Hypophysen-Vorderlappens hervorgerufen. Entwickelt sich dieser
Tumor schon bevor die Epiphysenfugen geschlossen sind, so entwickelt
sich ein "hypositärer Riesenwuchs" (Gigantismus). Dabei bleiben aber die
Körperproportionen selbst erhalten. Bei einem späteren Tumorvorkommen
kann sich das Wachstum nur noch an den Akren und den Gesichtsknochen
ausbilden: Hände und Füße werden größer, die Gesichtszüge nehmen ihre
markante, grobe Gestalt an.
Die A. kommt in allen Altersstufen vor; die meisten Patienten sind
zwischen 30 und 60 Jahre alt mit einer Bevorzugung des weiblichen
Geschlechts. Aufgrund der sehr unspezifischen Symptomatik vergehen im
Durchschnitt fast 9 Jahre vom Beginn der Erkrankung bis zu ihrer
Diagnose. Die
Prävalenz wird mit 60 Patienten pro einer Millionen EW in D
angegeben bei einer unbekannten Dunkelziffer (es werden 20fach höhere
Werte diskutiert). Die A. ist mit einer Vielzahl von Begleiterkrankungen
(Diabetes, Herzerkrankungen, Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen,
Sehstörungen durch Verdrängung des Sehnervs) assoziiert.
Eine Operation gilt auch heute (2007) als das Mittel der Wahl.
Alternativ oder begleitend werden Medikamente auf der Basis von
Somatostatin (z.B.
Sandostatin LAR™)
bzw. eine Bestrahlung des Tumors eingesetzt.
In der
ZHK
sichtbar in einem übergroßen Unterkiefer (
Progenie)
bzw. von Jochbein und Kinn, ebenfalls wird über eine
Zungenvergrößerung berichtet. Frühzeichen können Veränderungen der
Bisslage und ohne ersichtlichen Grund auftretende Zahnfehlstellungen
sein.
|
AK Test
Abk. von "Angewandte Kinesiologie (Muskel-)Test"; fragwürdige
Untersuchungsmethode im Sinne eines "Muskeltests". Auf der Site
rthomolekulare-Medizin
wird dazu u.a. ausgesagt: "... Die AK – Angewandte Kinesiologie nach Dr. George
Goodheart ist ein Diagnose- und Therapieverfahren gleichermaßen, das bei der OM
angewandt wird. Der Therapeut gibt unter Belastung eines Muskels (meist des
Muskels zum Heben des Armes) einen Reiz an den Patienten. Das kann die Frage
nach subjektiven Befindlichkeiten, ein potentiell allergieauslösender
Stoff, ein Medikament oder eben die Frage nach fehlenden Mineralien,
Spurenelementen oder Vitaminen sein. Ist der Reiz für den Patienten stressfrei,
kann dessen Körper Reiz und Muskelbelastung gleichzeitig verarbeiten – der
Muskel hält stand. Anderenfalls hat der Arm keine Kraft und kann leicht nach
unten gedrückt werden."
Kinesiologie
Aktinomykose
Strahlenpilzerkrankung, engl.: actinomycosis; früher irrtümlich als
Pilzerkrankung (daher der Namensteil "mykose") angesehen. Durch Infektion mit
Strahlenpilzen (Actinomyces israelii;
Actinomyces odontolyticus) verursachte Erkrankung bei Mensch und Tier. Die
Erreger der A. sind Bestandteil der normalen Standortflora und kommen im
Mund-Rachen-Raum sowie im Dickdarm des Menschen vor. Infektionen erfolgen meist
durch Gewebsverletzungen, u. a. bei schlechter Mundhygiene (endogene
Entstehung). Primär chronisch verlaufende, nicht ansteckende
Infektionserkrankung mit einer Inkubationszeit von Wochen bis Monaten. An den
Schleimhäuten bilden sich abgegrenzte, zunächst
verhärtete
Infiltrate mit zahlreichen Fistelöffnungen.
A. kann als sehr schweres Krankheitsbild mit
Kieferklemme und
Fistelbildung auftreten. Als Mittel der Wahl zur Behandlung der
zervikofacialen A. gilt Amoxicillin/Clavulansäure in hoher Dosierung über
mindestens zwei Wochen. Eine chirurgische Sanierung des Herdes sollte parallel
zur antibiotischen Therapie erfolgen.
Actinomyces odontolyticus
Aktionsfläche
unübliche Bezeichnung für die Gesamtheit derjenigen Zahnflächen, welche mit den
Zähnen des Gegenkiefers (
Antagonist)
in Kontakt treten können. Von der Anatomie her sind dies die
Okklusalflächen
der Seitenzähne und die
Inzisalflächen
der Frontzähne.
Okklusionsfläche
Aktion zahnfreundlich
engl.: harmless to teeth, tooth-friendly sweets; 1982 in der Schweiz
gegründet und inzwischen weltweit existierender Verein (
mit dem Ziel, die Verbreitung solcher
Waren zu fördern, welche nach dem Verzehr innerhalb der nächsten 30
Minuten nicht den für die Karies kritischen
Wert von pH 5,7 unterschreiten (gemessen an der Grenzfläche zwischen
Zahnbelag und Zahnoberfläche während des Verzehrs). Damit sind derartige
Stoffe (Drops, Bonbons, Schokolade, Hustensaft, Halstable width="870 width="870tten;
Produktliste ausdrucken) als "zahnfreundlich" zu bezeichnen und
stellen kaum eine Kariesgefahr dar. Äußeres Erkennungszeichen ist das
"Zahnmännchen mit dem Schirm" (s. Abb.). Mit diesem Markenzeichen werden
ausschließlich Lebensmittel und Getränke ausgezeichnet, die ihre
Zahnfreundlichkeit garantiert in zwei wissenschaftlichen Tests
nachgewiesen haben - und zwar
in-vivo,
in der zahngesunden Mundhöhle von Testpersonen
Mit der Plaque-pH-Telemetrie wird die Säurebildung in den Zahnbelägen
gemessen. Sinkt der
pH-Wert
während und innerhalb von 30 Minuten nach dem Verzehr nicht unter den
kritischen Wert von 5,7 ist sichergestellt, dass dieses Produkt keine
Karies verursachen kann.
Mit Hilfe des
Erosionstests wird ausgeschlossen, dass in dem Produkt enthaltene
Frucht- oder sonstige Säuren zahnschädigende Konzentrationen erreichen.
Diese Tests sind weltweit anerkannt. Sie werden von unabhängigen
Testinstituten an zahnärztlichen Universitätskliniken durchgeführt. Das
garantiert Unparteilichkeit und schließt Interessenskonflikte aus.
Die Aktion zahnfreundlich e. V. ist ein
gemeinnützig arbeitender Verein. Zu ihm gehören Wissenschaftler,
Zahnärzte, Ärzte, Erzieher, Ernährungsberater, Prophylaxefachkräfte,
Vertreter der Krankenkassen, Hersteller zahnfreundlicher Produkte
Privatpersonen sowie Partner-Unternehmen aus dem Zahn- und
Mundpflegebereich und Fördermitglieder. Gemeinsames Ziel und
satzungsgemäßer Zweck des 1985 gegründeten Vereins sind: Aufklärung der
Öffentlichkeit über die Zusammenhänge zwischen Zahngesundheit und
Ernährung, Verbesserung der Mundgesundheit und Förderung
zahnfreundlicher Ernährungsgewohnheiten. 1. Vorsitzender (2010) ist
Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer / Leiter der Abteilung für
Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin und Dekan der Fakultät
für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Private Universität
Witten/Herdecke, Alfred Herrhausen Str. 50, 58448 Witten
Zahnmännchen Produkte
Anschrift:
Dankelmannstr. 9 , 15059 Berlin.
Nach dem deutschen Lebensmittelgesetz heißt "zuckerfrei"
lediglich, dass in diesem Produkt kein
Haushaltszucker (Rübenzucker, Saccharose) enthalten ist; wohl aber
können andere vergärbare - und damit potentiell Karies auslösende -
Kohlenhydrate darin enthalten sein.
Ernährungsempfehlungen,
Isomaltulose,
Karies,
kariogen,
versteckter Zucker,
Xylitol,
Zuckeraustausch- bzw.
Zuckerersatzstoffe |

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Aktivator
1.) Andresen-Häupl-Aktivator, (herausnehmbares)
kieferorthopädisches Behandlungsgerät, engl.: activator. Dieses sog.
funktions-kieferorthopädische Gerät liegt als loser "Block" passiv
zwischen
Ober- und
Unterkiefer und benutzt die Muskelkräfte der
Kaumuskulatur und des Gesichtsbereiches zur Kieferumformung und
Bissverlagerung. Durch Hinzufügung spezieller Drähte, Klammern und
Schrauben können zusätzlich auch noch einzelne Zähne/Zahngruppen
bewegt werden.
Auch zur funktionellen
Kieferbruchbehandlung eingesetzt
2.) Stoff, welcher durch Hinzugabe zu einem anderen Stoff eine chemische
Reaktion startet und/oder beschleunigt. Im Gegensatz zu Katalysatoren
können sich A. hierbei chemisch verändern. Bekannt in der
ZHK
besonders beim Einsatz von
Abdruckmassen bzw. Auslösen von
Polymerisationsvorgängen.
Akkomodator,
Aktive Platte,
Apnoe,
Bionator,
bite
block,
Doppelvorschubplatten,
EOA,
Federaktivator,
Funktionskieferorthopädie,
Funktionsregler nach Fränkel,
Gebissformer,
Hansa-Platte,
Kieferbruch,
Kinetor,
Klammt Aktivator,
Konstruktionsbiss,
Labialbogen,
Monoblock,
Petrik
Sporn,
Teuscher Aktivator,
U-Bügel-Aktivator,
Zahnbewegungen |
 |
Aktive Platte
(herausnehmbares)
kieferorthopädisches Behandlungsgerät (nach
Schwarz), engl.: active plate; klassisches kieferorthopädisches
Gerät, in der Laiensprache auch unter den Begriffen Regulierung,
Klammer, Spange bekannt. Einsatz im Ober- und/oder Unterkiefer zur
hauptsächlich zwei- und auch dreidimensionalen Bewegung einzelner
Zähne/Zahngruppen durch speziell geformt Drähte und Schrauben;
Verankerung mittels einfacher Halteelemente am Restgebiss (
Adamsklammer). Bei einer Verbindung beider Platten sind auch
Bisslageverschiebungen möglich. Häufig mit einer
Dehnschraube bei nicht ausreichenden Platzverhältnissen (Engstand)
für die bleibenden Zähne zur Vergrößerung des Kieferbogens versehen.
Aktivator,
Coffin
Feder,
Dehnplatte,
Fingerfeder,
Genfer Platte,
Hansa-Platte,
Labialbogen,
Protrusionsfeder,
Schwarz Platte,
Y-Platte,
Zahnbewegungen |
|

versch. Halteelemente an einer a.P. |
aktives Zementieren
engl.: "active cementing"; bei
Gussfüllungen (Inlays)
angewandte Art der Befestigung: Während der Aushärtphase des
Befestigungszementes werden die Ränder der Restauration zusätzlich mit
Gummipolierern oder
Schlagpolierern
finiert.
Tucker-Technik
aktivieren
unter Spannung setzen, engl.: activate; Begriff aus der
Kieferorthopädie und
Prothetik für die Erhöhung der Feder-/Spannkraft von
Klammern oder anderen
Halteelementen (z.B.
Geschieben) oder der Verstärkung der Krafteinwirkung von Behandlungsgeräten
auf Zähne/Zahngruppen.
A-Kontakt
sind Kontakte der bukkalen Höcker von Oberkiefer
und Unterkiefer. Die Stampfhöcker des Oberkiefer-Zahnes berühren den
Stampfhöcker des Unterkiefer-Zahnes.
A-Kontakt
gehört zu ABC-Kontakte und ist die Bezeichnung für die Lokalisation von
Antagonistenkontakten im Sinne einer stabilen Okklusion im
Seitenzahnbereich. In der Zahnmedizin wird bukkal (buccal) für die
Zahnfläche, die zur Wange (Backe) hin gelegen ist beschrieben.
A-Kontakt ist der Kontakt der bukkalen Höcker von Oberkiefer und
Unterkiefer, was gleichbedeutend ist mit Kontakten zwischen den
Scherhöckern des Oberkiefer-Zahnes und den Stampfhöckern des
Unterkiefer-Zahnes ist. Die Höcker sind die Erhebungen resp. Spitzen der
großen und kleinen Backenzähne bzw. Prämolaren und Molaren die zu den
Kauelementen gehören. Die Höcker greifen beim Kauakt in die
entsprechenden Grübchen der gegenüberliegenden Backenzähne die für das
Zermahlen der Nahrung zuständig sind. Die tiefsten Stellen der Grübchen
bilden die Fissuren.
Stampfhöcker werden auch als
Arbeitshöcker oder
Stützhöcker genannt und sind Bezeichnungen
für die tragenden Höcker der Arbeitsseite bzw. Kauseite. Die Kauseite
ist die Seite eines Kiefers, zu welcher sich der Unterkiefer hin bewegt,
um die Nahrung zu zerkleinern. Normal bewegt sich der Unterkiefer dazu
leicht nach aussen, die andere Seite des Unterkiefers hält mit dem
Oberkiefer Kontakt, um so den Unterkiefer abstützen und führen zu
können, was man als Balanceseite bezeichnet.
Scherhöcker sind nichttragende Höcker von
Seitenzähnen, die bei normalen Kieferverhältnissen (eugnather
Verzahnung) nicht auf die entsprechenden Kauflächenbezirke (Grübchen,
Randleiste) des Gegenspielers (Antagonisten) beissen und befinden sich
im Oberkiefer auf der bukkalen bzw. auf der Zahnfläche die zur Wange hin
nach aussen gerichtet ist, im Unterkiefer auf der zur Zunge hin
gelegenen (lingualen) Zahnseite.
Die
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
(DGZMK) definiert Typen der Okklusion wie folgt:
-
Okklusion: Jeder Kontakt
zwischen den Zähnen des
Ober- und
Unterkiefers.
-
Statische Okklusion (englisch
static
occlusion): Zahnkontakte ohne Bewegung des
Unterkiefers in
-
Dynamische Okklusion (engl.
dental
articulation, auch
dynamic
occlusion): Zahnkontakte, die infolge einer
Bewegung des
Unterkiefers entstehen.
- Habituelle Okklusion:
Gewohnheitsmäßig eingenommene statische Okklusion
-
Zentrische Okklusion (engl.
centric
occlusion): Statische Okklusion in
zentrischer
Kondylenposition.
-
Frontzahnführung (engl.
incisal
guidance): dynamische Okklusion zwischen
Ober- und
Unterkiefer
-
Eckzahnführung (engl.
canine
guidance; auch
cuspid
guidance,
canine
rise): dynamische Okklusion zwischen
Ober- und
Unterkiefereckzähnen.
-
Gruppenführung (engl.
group
function): dynamische Okklusion zwischen
mehreren Zähnen auf der
Laterotrusionsseite.
-
Okklusionskonzepte (engl.
occlusal
concepts): Frontzahngestützte Okklusion
(engl. anterior protected articulation)
-Okklusionskonzept mit Frontzahnführung, die zur
Disklusion aller übrigen Zähne führt.
-
Eckzahngeschützte Okklusion (engl.
canine-protected articulation):
Okklusionskonzept mit Eckzahnführung, die zur
Disklusion aller übrigen Zähne führt.
-
Unilateral geführte
Okklusion (engl.
group
function): Okklusionskonzept mit Führung der
Zähne der
Laterotrusionsseite, die zur
Disklusion aller übrigen Zähne führt (siehe
Gruppenführung).
-
Bilateral geführte Okklusion
(bilateral balanced occlusion; auch balanced
articulation): Okklusionskonzept mit Führung der Zähne
zur
Laterotrusions- und
Mediotrusionsseite (balancierte Okklusion).
-
Okklusionsstörungen (engl.
occlusal
disturbances)
-
Nonokklusion (engl.
nonocclusion): Fehlender
Antagonistenkontakt bei vorhandener Bezahnung.
- Vorkontakt (auch
Frühkontakt) (engl.
deflective
occlusal contact): Vorzeitiger Kontakt eines
Zahnes oder einer Zahngruppe in statischer/dynamischer
Okklusion
-
Zentrischer Vorkontakt
(engl. defflective occlusal contact): Vorzeitiger
Kontakt eines Zahnes oder einer Zahngruppe in
zentrischer Kondylenposition, der bei Einnehmen der
habituellen Okklusion den
Kondylus in eine exzentrische Position führt.
- Traumatisierende
Okklusion (engl.
traumatogenic occlusion): Vorkontakte in
statischer und/oder dynamischer Okklusion, die zur
Schädigung des Zahnes und/oder des Parodontiums führen.
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Akupunktur
Verum-Akupunktur, Nadelstichtherapie, engl.: acupuncture; spezielle Form
der Hautreizung im Sinne einer Segmenttherapie, basierend auf der
wissenschaftlich nicht belegten Annahme, dass zwischen den einzelnen
Körperorganen gravierende Wechselbeziehungen bestehen, welche durch ein
Fließen in Kanälen der Lebensenergie "Chi" vermittelt werden. Eine
Behinderung/Störung dieses Energiefluss wird z.B. durch Krankheiten
verursacht. Mit dem Einstechen von Nadeln in die Kanäle an
entsprechenden, organspezifischen Punkten der Haut (Akupunkturpunkten,
welche nach Angaben einen veränderten Hautwiderstand aufweisen mit einem
Umgebungspotential bis zu 60 mV) sollen derartige Fließstörungen behoben
werden. Wissenschaftliche Erklärungen für belegbare Erfolge gehen davon
aus, dass die Nadelstiche die Schmerzpforte im Stammhirn verschließen
(Gate-Control-Theorie) oder dass die Nadelreizungen schmerzlindernde
körpereigene Endorphine freisetzen.
Es bleibt die Frage: Sind die Erfolge der chinesischen Heilkunst nur auf
einen gigantischen Suggestionseffekt zurückzuführen, da im Prinzip der
Einstichpunkt ohne Bedeutung ist? In 2006 hat der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass gesetzlich
versicherte Patienten mit chronischen Rücken- oder Knieschmerzen eine
Akupunkturbehandlung als
Kassenleistung erhalten können - Spannunskopfschmerz und Migräne
fallen nicht unter diese Regelung. Hingegen zeigt eine US-Studie aus
2010, bei der 455 Patienten mit Knieschmerzen entweder eine echte A.
erhielten oder eine Scheinakupunktur, bei welcher die Nadeln nur
oberflächlich und willkürlich gesetzt wurden, dass ein erheblicher
Suggestionseffekt vorhanden sein muss: vermittelte der Akupunkteur die
Überzeugung, dass die Methode hilft, hatten die Patienten hinterher
deutlich weniger Schmerzen als jene, bei denen der Behandler das
Ergebnis offen ließ.
In der
ZHK z.T. mit Erfolg eingesetzt zu einer Verringerung von
Schmerzen während einer zahnärztlichen Behandlung, einer
Ausschaltung des
Würgereizes durch Stimulation des P6 (auf dem Unterarm zwei
Fingerbreit von der Handgelenksfalte entfernt) oder Druck (Akupressur)
auf das Kinngrübchen, Reduzierung von
Kaumuskulaturverspannungen und Herabsetzung von
Angst-/Spannungszuständen vor einer zahnärztlichen Behandlung. So
nutzen Zahnärzte am häufigsten die A. dazu, die
Ängste ihrer Patienten vor der eigentlichen Therapie abzubauen. Zur
Angstlösung stimulierten sie u.a. die Nadelpunkte LI-4, GV-20, Ex-6.
Doch auch mit einigen anderen Punkten (z.B. ST-5 und ST-7), die eher der
Analgesie dienen, wurden Erfolge erzielt.
Zusätzlich sind in der Literatur folgende zahnärztliche Indikationen mit
teilweise unterschiedlichem Erfolg und fraglicher Indikationsstellung zu
finden:
Schmerztherapie vor, während und nach zähnärztlichen Behandlungen
und bei Verletzungen
Therapie bei
Entzündungen und
Funktionsstörungen als Begleittherapie und zur Abwehrstärkung
Psychosomatische Störungen als unterstützende Therapie der
Angst, des
Würgereizes, zur Entspannung
Störfelderbeseitigung, Schadstoff- und Materialbelastungen,
Zahnherde
alternative Behandlungsmethoden,
Angst,
Elektroakupunktur nach Voll,
Ganzheitliche Zahnmedizin,
Ohrakupunktur,
Schmerzen,
Schulmedizin,
Würgereiz,
Xerostomie,
Zungendiagnostik
|

überarbeitet nach
©:

überarbeitet nach
©:
Akupunktur
|
akut
heftig, plötzlich auftretend, engl.: acute; medizinische Bezeichnung für
Krankheiten mit heftigem, meist schmerzhaftem, kurz dauerndem Verlauf - im
Gegensatz zu den chronischen und subchronischen Formen.
chronisch,
perakut,
subakut
AK-Z:
Arzneimittelkommission der Zahnärzte
akzessorisch, eng.:
accessory; hinzutreten, hinzugesellen, nebensächlich;
Seitenkanal,
Wurzelkanal
ALARA-Prinzip
Abk. von As Low As Reasonable Achievable = so niedrig wie angemessen erreichbar;
Begriff aus dem
Strahlenschutz: Gemeint ist damit eine so hohe
Strahlenbelastung, wie diese für eine ausreichende Bildqualität nötig ist,
um eine ordnungsgemäße Befundung zu gewährleisten.
Alaun
Kali-Alaun, Kaliumaluminiumsulfat, engl.: alum; schwefelsaures Doppelsalz der
Elemente Kalium und Aluminium. Gelegentliche Verwendung in der Medizin zur
Blutstillung ("Alaunstift") bei oberflächlichen, leichten Blutungen aufgrund
einer gefäßverengenden örtlichen Wirkung.
Alginat
Salz der Alginsäure, engl.: alginate; aus Algen und Tang gewonnenes, 1940
entwickeltes
elastisch-irreversibles Abdruckmaterial (Hydrokolloid).
Durch Vermischen des pulverförmigen, mit
Inhibitoren
versetzten A. mit Wasser entsteht eine Paste, welche - gesteuert durch die
beigemischten Verzögerer - nach 2-4 Minuten in ein irreversibel-elastisches Gel
übergeht. Die Abformungen auf A.-Basis sind nicht lager- und damit
volumenbeständig, da sie durch Feuchtigkeitsverlust ihr Volumen verändern; sie
sollten deshalb innerhalb 20 Minuten nach Entnahme aus dem Mund mit
Modellgips ausgegossen werden. Zusammensetzung z.B.: 14% Na, K oder
Ammoniumsalz der Alginsäure(aus Rot- oder Braunalgen, Seetang) 10% Kalziumsulfat
1% Natriumphosphat (Verzögerer) 75% Diatomeenerde, Füll- und Farbstoffe,
Geschmacksstoffe.
A. dient als Grundlage für eines der gebräuchlichsten irreversibel-elastischen
Abformmaterialien (Alginat-Abdruck) bei der Herstellung sog.
Situationsmodelle. Wegen relativer Ungenauigkeit nicht zur Präzisionsabformung -
z.B. für die Anfertigung von definitivem
Zahnersatz - geeignet.
Weiter wird A. in der Lebensmittelindustrie als Gelier- und Dickungsmittel z.B.
bei der Herstellung von Eis, Pudding, Gelee und Milchprodukten eingesetzt.
Abdruck,
Hydrokolloide,
Kolloidabformmassen,
Modell
Algipore ®
Frios® Algipore; "geformtes"
Hydoxylapatit, phytotrophes (pflanzliches)
Knochenersatzmaterial auf Algenbasis, Hersteller:
Friadent; hauptsächlich als "Füller" von Knochendefekten angewandt, da dem
autologen (eigenen) Knochen nicht ebenbürtig. Relativ lange Resorptionszeit.
Aligner
engl.: do. = Ausrichter; schienenartiges, dem
Positioner ähnliches Behandlungsgerät zur Stellungskorrektur geringeren
Umfangs von Zähnen.
Invisalign,
Positioner
alimentär, engl.:
nutritional; mit der Ernährung zusammenhängend, ernährungsbedingt
A-Linie;
Ah-Linie
alio loco
lat. für "andernorts". In der
ZHK
gebräuchliche Bezeichnung für eine
Behandlung,
welche in einer anderen Praxis durchgeführt wurde
Alkenoate,
Glasionomerzement
Allergie
"Fehlleistung" des
Immunsystems, Bereitschaft eines Organismus, auf bestimmte Reize anders zu
reagieren, als es der Norm entspricht, engl.: allergy; hypersensitivity. In
Deutschland sind etwa 24 bis 32 Millionen Menschen allergisch vorbelastet, zwölf
Millionen haben z.B. allergischen Schnupfen und cirka vier Millionen
Bundesbürger leiden an einem allergischen Asthma bronchiale.
Normalerweise dient die körpereigene Abwehr dem Schutz des Organismus vor
gefährlichen Umwelt-Substanzen, wie z.B. Bakterien, Viren, Pilzen oder
Giftstoffen. Im Gegensatz dazu registriert das fehlgesteuerte Immunsystem bei
einer A. falsch auf an sich harmlose, körperfremde Substanzen (Blütenpollen,
Nahrungsbestandteile, Medikamente usw.) und stuft diese als potentiell
gefährlich ein; es kommt im weiteren Stadium zusätzlich zu Reaktionen auf
körpereigen Substanzen:
Autoimmunerkrankungen. Die Reizstoffe werden als Allergene (Link auf
Datenbank s.u.) - eine Untergruppe der Antigene - bezeichnet und lösen meist
beim ersten Kontakt die körperlich nicht wahrnehmbare Bildung von Antikörpern
(sog.
Sensibilisierung) aus. Erst bei weiteren Kontakten des gleichen Allergens
tritt dann bei disponierten Personen eine fehlgesteuerte allergische Reaktion
ein. In diesem komplizierten Mechanismus spielt das Gewebshormon
Histamin als Botenstoff die entscheidende Rolle. Durch diese Substanz werden
Abwehrreaktionen eingeleitet, die im harmlosesten Fall störend, mitunter aber
auch lebensgefährlich werden können. Dabei konzentrieren sich meist die
Reaktionen auf eine begrenzte (Schleim-)Hautzone und einzelne Symptome
("Heuschnupfen"), sie können aber auch mehrere Organe gleichzeitig in
Mitleidenschaft ziehen, ebenso, wie ähnliche Stoffe als gleich eingestuft werden
(
Kreuzallergie). Befallen werden vor allem Organsysteme, die am meisten
Kontakt zur Umwelt haben: Haut und Schleimhäute, Atemwege und der
Verdauungstrakt.
Eine A. kennt vererbte oder durch Umwelteinflüsse erworben werden. Dabei spielen
die direkten Umweltbedingungen wohl eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr
nimmt man heute an, dass das immer hygienischere Aufwachsen im Kindesalter das
Immunsystem nicht zur vollen Entfaltung bringt und somit bei widrigen
Umwelteinflüssen die Gefahr einer falschen (allergischen) Reaktion größer ist.
So wird berichtet:
Lebensmittel-Allergien nehmen nach Angaben von Fachleuten in den westlichen
Industrieländern dramatisch zu. In Deutschland, Großbritannien und den USA habe
bereits jeder fünfte Einwohner zumindest eine
Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen und
zwei bis sechs Prozent aller Kinder haben mit "echten" Allergien zu kämpfen. Ein
wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist ein Übermaß von Hygiene schon im
Kindesalter, da sich das Immunsystem nur dann normal entwickeln kann, wenn es
einer gewissen Belastung durch Krankheitserreger ausgesetzt ist. So gilt es
inzwischen als belegt, dass häufigere banale Infekte in der Kindheit das
Allergierisiko erheblich senken können.
Etwa fünf Prozent aller Kleinkinder leiden an einer Kuhmilchallergie, doch bei
mehr als zwei Drittel gehen die allergischen Reaktionen im dritten Lebensjahr
von selber zurück. Neue Studien zeigen, daß
Probiotika die seit Jahrzehnten zunehmende Allergierate bei Kindern senken
können; auch spezielle hypoallergene Babynahrung kann Allergien weitgehend
verhindern. Das
Stillen mindestens bis zum sechsten Lebensmonat beugt A. allerdings nach wie
vor am besten vor.
Man unterscheidet grob 4 Allergietypen:
- Typ I-Reaktion oder Sofort-Typ (einige
Sekunden bis 1 Stunde) ist die bekannte Art und mit 90 % aller A. der
häufigste (z.B. Heuschnupfen, Nesselausschlag (Urticaria),
Latexallergie, Hausstaub-A., Nahrungsmittel-A. und Insektenstiche).
Neben örtlichen Reaktionen wie Bläschen, Rötung und Juckreiz kann es hierbei
besonders zu dem unter Umständen tödlich verlaufenden
anaphylaktischer Schock (
Anaphylaxie) kommen, bei dem mehrere Organe bis hin zum ganzen Körper
allergisch reagieren.
- Typ II und III Reaktion kommen selten vor
und treten meist erst Stunden nach der Zufuhr des Allergens auf
- Typ IV-Reaktion oder Spät-Typ, tritt meist
erst nach Tagen auf. Antikörper und Allergene reagieren nicht unmittelbar,
sondern durch Vermittlung bestimmter Körperzellen, die sich mit den
Allergenen verbinden Hierzu zählen die meisten Arzneimittelallergien (Penicilline
gelegentlich zum Typ I; siehe weiter unten) und
Kontaktallergien (Nickel
ist nach wie vor das mit Abstand häufigste Kontaktallergen in Mitteleuropa.
Frauen sind wesentlich häufiger sensibilisiert als Männer). Ihre
Auswirkungen sind nicht so schwer wie beim Typ I, wegen des längeren
Zurückliegens der Allergenzufuhr aber schwerer zu behandeln, da sich die
Suche nach dem verantwortlichen Stoff manchmal äußerst schwierig gestaltet.
- Davon abzugrenzen ist die Pseudo- oder
"physikalisch ausgelöste" Allergie: Nach Kontakt mit bestimmten Stoffen oder
nach physikalischen Reizen treten allergische Symptome auf, ohne eine
Beteiligung des Immunsystems zu haben. Es kommt zu keiner Sensibilisierung
oder Antigen-Antikörper-Reaktion, sondern die Stoffe lösen direkt eine
Freisetzung des Botenstoffs Histamin aus.
-

Lippenödem 2 Std. nach
Penicillingabe
Stress kann allergische Symptome verstärken bzw. einen Schub ebenso
auslösen, wie umgekehrt in Stresspausen ebenso allergische Schübe bekannt sind.
So zählen Bronchialasthma, Neurodermitis und Nesselausschlag zu den typischen A.
psychischer Natur.
Zur Auslösung einer allergischen Reaktion auf der
Mundschleimhaut sind im Vergleich zur Haut etwa 5-10fach höhere
Konzentrationen erforderlich. Diese verminderte Reaktionsbereitschaft ist durch
anatomische und physiologische Besonderheiten (fehlender Fettfilm,
Speichelfluss, intensivere Resorptionsfähigkeit und damit schnellerer
Abtransport, schnellerer fermentativer Ab- oder Umbau der Allergene) bedingt. Es
wird eine (unsichere)
Prävalenz
von einem Prozent diskutiert.
Untersuchungen aus dem Jahr 2004 geben ein neues Bild zur Penicillinallergie:
Wer einmal überempfindlich auf
Penicillin reagiert, verträgt das
Antibiotikum bei einer späteren, erneuten Einnahme meist gut. Eine
Penicillinallergie ist damit weit seltener als bisher angenommen. Das ist das
Ergebnis einer Studie von Ärzten aus den USA. Es wurden Daten von 6000 Patienten
analysiert, die bereits einmal mit allergischen Symptomen auf eine
Penicillin-Therapie reagiert hatten. 48 Prozent der Patienten erhielten bei
einer später auftretenden Infektionskrankheit erneut Penicillin. Nur bei zwei
Prozent traten dabei allergische Reaktionen auf.
Allergiepass,
Allergietestung,
Amalgamallergie,
ECC (frühe Milchzahnkaries),
Ekzem,
Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen,
Goldallergie,
Immunisierung,
Prothesenbasis,
Prothesenunverträglichkeit,
Quecksilberallergie,
Restmonomer,
Schleimhautbrennen
Allergiepass
engl.: (medical) allergy pass (card); für den Allergiker zu verwendendes
ärztliches Dokument, in welches die Ergebnisse der
allergologischen Testung eingetragen werden (z.B: gesicherte positive
Epikutantest-Reaktionen,
Arzneimittel-Unverträglichkeiten, Inhaltsstoffe von Kosmetika usw.). Der A. ist
für den (Zahn-)Arzt oder Apotheker bestimmt; er soll keine umfassende
Information für den Patienten sein.
Allergietestung
engl.: allergy test; in der
ZHK hauptsächlich angewandt bei einem Verdacht auf Unverträglichkeit
gegenüber Füllungs-/Zahnersatzmaterialien ("Zahnersatzmetalle",
Legierungen). Allergische Reaktionen äußern sich entweder in einer
Kontaktstomatitis (bis hin zur auf die Lippen übergreifenden Cheilitis) als
Folge einer von Lymphozyten verursachten "allergischen
Typ IV-Reaktion" oder werden als
lichenoide ("flechtenartige") Veränderungen sichtbar. Kombinationen beider
Formen sind möglich. Sensibilisierungsraten besonders gegen
Nickel bestehen in
der Bevölkerung (bis zu zwölf Prozent) sowie gegen Kobalt und Chrom (bis zu fünf
Prozent). Die
5 wichtigsten Kontaktallergene sind (2011): Nickelsulfat (besonders in
Schmuck), Ammonium-Persulfat (besonders in Haarfärbemittel, Leiterplatten),
Gold-Natrium-Thiosulfat (besonders in Dentalmaterial, Schmuck), Thimerosal
(besonders als Konservierungsstoff) und p-Toluendamin (Farbstoff, Hilfsstoff in
der Gummi-Industrie).
Zum zahnärztlichen Bereich sagt der Gesetzgeber aus: Der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Zahnersatz-Richtlinie
festgelegt "..."... Es dürfen nur solche Werkstoffe verwendet werden, die den
Anforderungen des
Medizinproduktegesetz entsprechen. ... Der Nachweis einer Allergie ist gemäß
den Kriterien der Kontaktallergiegruppe der Deutschen Gesellschaft für
Dermatologie zu erbringen."
Eine
Diagnose ("Testung") auf eine fragliche Allergie wird meist mit einem der
nachfolgenden Verfahren durchgeführt:
- Hauttests (Epikutantest,
Epimukosatest,
Intrakutantest, Läppchentest) als sog. Provokationstestverfahren.
Getestet wird in der Regel mit auf Pflastern aufgebrachte Salzen der fraglichen
Metalle in unterschiedlichen Konzentrationen. Die Salze der fraglichen
Metalle deshalb, weil sich nur diese als Ionen ("Haptene") an Eiweiße binden
und in "Antigene"
umgewandelt werden können und so vom körpereigenen
Immunsystem erkannt werden. Meist werden die Pflaster nach 2-3 Tagen
wieder entfernt und entsprechende Hautreaktionen ausgewertet. Gerade bei
Metallen sind auch noch spätere Reaktionen möglich ebenso, wie generell
Fehldeutungen nicht ausgeschlossen sind, da bei Metallen auch noch spätere
Reizungen auftreten können, bzw. die Metallsalze selbst chemische Reizungen
auf der Haut hinterlassen können, die nichts mit einer echten Allergie zu
tun haben. Zusätzlich sind Rückschlüsse bei Hautveränderungen auf eine
mögliche Allergie der
Mundschleimhaut - da diese weniger empfindlich reagiert - nur bedingt
möglich. So fehlt der Mundschleimhaut der hautübliche Fettfilm, der ständige
Speichelfluss führt zu einer permanenten Verdünnung und schnelleren
Resorption. Dadurch sind 10-12fach höhere Schwellenkonzentrationen
notwendig, um eine lokale Reaktion auszulösen. Insofern sind
Spezifität
und
Sensivität dieser Tests in der
ZHK
nur bedingt von Wert.
- "Karenztest"
temporäres Nichttragen des betreffenden Zahnersatzes. Ein positiver Ausgang
sagt lediglich aus, dass die "Allergie" irgendetwas mit dem Zahnersatz zu
tun hat. Ob die Ursache aber durch eine
Parafunktion, falscher
Bisslage oder
psychosomatischen bzw.
allergischen
Reaktionen bedingt ist bleibt offen.
- Schleimhauttest, Schleimhautprobe
direktes Aufbringen verdächtiger Substanzen auf die (Mund-)Schleimhaut.
Wegen schlechter Fixierung über längere Zeit im Mund wenig gebräuchlich bzw.
aussagekräftig;
Schleimhautprobe
- Lymphozytentransformationstest (LTT)
Es werden die aus dem Patientenblut isolierten lymphomonozytären Zellen mit
dem fraglichen Metallsalz über fünf Tage entwicklungsfördernd erwärmt.
Befindet sich in der Probe eine erhöhte Anzahl von Zellen, die das Metall in
Verbindung mit einer Eiweißkomponente "erkennen", setzt ein schnelle
Vermehrung dieser spezifischen Zellen ein, die zwingend mit einer
DNS-Synthese verbunden ist. Das Ausmaß der DNS-Synthese wird durch den
Einbau isotopenmarkierter Stoffe (Nukleotide) erfasst und quantitativ
gemessen. Es werden nur dann Reaktionen als positiv bewertet, wenn im
spezifischen Ansatz eine dreifach höhere Aktivität gegenüber einer
Kontrollprobe ohne Allergen gefunden wird. Obwohl kein eine Allergie
beweisender Test - sondern nur, dass die Zellen des Immunsystems gegen den
betreffenden Stoff durch "Irgendetwas" sensibilisiert wurden - liefert er
eine solide, reproduzierbare Basis, die individuelle Toleranzschwelle für
Zahnersatzmetalle und andere Ersatzstoffe (Amalgam,
Kunststoffe) festzustellen; patientenbedingte Manipulationen sind nicht
möglich. Er sollte aber nicht als alleinige Diagnose gelten, sondern immer
nur im Zusammenhang mit einem entsprechenden klinischen Bild.
Allerdings ist es auch mittels LTT nicht möglich, eine sich möglicherweise
entwickelnde
Typ-IV-Allergie nach der Versorgung mit Zahnersatzmaterial
vorherzusagen.
- Radio-Allergo-Sorbens-Test (RAST)
es werden Allergen-spezifische IgE-Antikörper im Serum nachgewiesen. In 2010
waren Test-Allergene für zahnärztliche Materialien nicht vorhanden.
- Alternative ("Ganzheitliche") Testmethoden
teilweise auf nicht nachvollziehbaren Testmethoden beruhende, wie Messung
von "Bioenergien", Testung an
Akupunkturpunkten, "Meridianen", Hautwiderstandsmessungen und anderen
(z.B.
Elektroakupunktur nach Voll) "Allergiebestimmungen", die nicht für eine
seriösen Abklärung echter Allergien tauglich sind. Anzumerken ist, dass
offensichtlich der Begriff "Allergie" von den Anhängern einer Paramedizin
anders verstanden wird als durch die Schulmedizin definiert.
Eine Meldung in "Die Welt" vom 7.4.2006:
Eine Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und
Immunologie (SGAI) bewertet die alternativmedizinischen Verfahren der
"Bioresonanz" und "Multiresonanz" sowie die
Elektroakupunktur nach Dr. Voll nach eingehender Begutachtung als
"diagnostischen und therapeutischen Unsinn". Die physikalischen Grundlagen
dieser Verfahren hätten sich nach der Überprüfung durch Physiker als falsch
herausgestellt. Die Diagnosen sind zufällig, die Diätempfehlungen irrational
und die vermeintlichen Therapieerfolge in kontrollierten Studien nicht
wiederholbar. Die vom Züricher Allergologen Professor Dr. Brunello Wüthrich
angeführte Kommission konstatiert in der Fachzeitschrift "Aktuelle
Dermatologie": "Mangels gesetzlicher Interventionsmöglichkeiten möchte die
SGAI Patienten vor diesen unsinnigen Diagnose- und Behandlungsmethoden
warnen"
Allgemein ist zu beobachten, dass echte -
wissenschaftlich nachgewiesene - Allergien auf Zahnersatz-Metalle (Legierungen)
äußerst selten auftreten. Vor einem Einsatz in der Mundhöhle müssen derartige
Materialien strenge biologische Prüfungen durchlaufen und nach dem
Medizinprodukte-Gesetz (MPG) zugelassen werden. Weiter ist bekannt, dass die
"Schwellendosen" zur Auslösung einer Allergie auf der
Mundschleimhaut wesentlich höher (ca. 5-10fach) sind als die auf der
normalen Haut (
Allergie). Davon zu unterscheiden sind die im Volksmund häufig als
"Allergie" bezeichneten Pseudoreaktionen (Brennen, Strömchenfluss, vermehrter
Speichelfluss usw.), welche beim Eingliedern eines neuen
Zahnersatzes auftreten können und entweder durch
Metallkorrosion und einer damit verbunden Reizung der betroffenen
Schleimhaut bedingt sind oder Ausdruck einer psychischen Abwehrhaltung gegen den
neuen Ersatz sein können.
AK-Muskeltest,
Allergie,
Allergiepass,
Amalgamunverträglichkeit,
Antikörper,
Bioverträglichkeitsprüfung,
Epikutantest,
Immunisierung.
Allgemeinanästhesie, engl.: general anesthesia;
Narkose
Allgemeine
Ortskrankenkasse
AOK, engl.: Local Health Care Fund; von der Mitgliederzahle her bedeutendste (37
% Marktanteil in 2005)
Gesetzliche Krankenkasse in D; zu den sog.
Primärkrankenkassen gehörend. Seit ca. 100 Jahren bestehend, sind in Ihr
mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung versichert. Sitz des
AOK-Bundesverbandes ist Bonn.
Allodynie
aus dem gr. zusammengesetzt: "anders" u. "Schmerz"; neuropatische
Störung, gesteigerte Schmerzempfindlichkeit; sie ist nach Priv. Doz. Dr. Dr.
Monika Daubländer: "gekennzeichnet durch eine neuropathische Störung der
Gestalt, dass in der Regel Berührungsreize (A-b-Fasern) auf Schmerzfasern
(A-d-Fasern) übergeleitet werden. Im Falle einer sehr engen
Gefäß-Nerven-Beziehung kann es infolge der kontinuierlichen Pulsationen einer
Arterie, häufig eine elongierte Arteria cerebelli superior, zu einer Schädigung
des Myelins infolge der Mikrotraumatisierung mit Deafferenzierung führen. In der
Folge sind abnorme Impulsweiterleitung beziehungsweise Ephapsenbildung möglich.
Eine solche enge räumliche Beziehung von Gefäß und Nerv konnte intraoperativ bei
70 bis 100 Prozent der Patienten nachgewiesen werden."
Trigeminusneuralgie
allogen
Knochenersatzmaterialien
Allograft
engl. Ausdruck, zusammengesetzt aus "allogenetic" (= von der gleichen Spezies,
aber mit unterschiedlichen
genetischen
Eigenschaften) und "graft" (=
Transplantat,
verpflanztes Gewebe);
Knochenersatzmaterialien
Allopathie
Allöopathie, griech. von "allo" = "anders" oder "fremd", engl.: allopathy; eine
Heilmethode der
Schulmedizin (z.B. nach Hahnemann), welche im Unterschied zur
Homöopathie Krankheiten mit entgegengesetzt wirksamen Medikamenten zu
behandeln versucht.
Schulmedizin
alloplastisch,
körperfremd; bei
Knochenersatzmaterialien im Sinne von "synthetisch hergestellt" verwendet
All-Oral-Verfahren
engl.: all-oral-method; von Prof. Hofmann (* 11.1.1929; Tübingen, Erlangen)
entwickeltes, wenig gebräuchliches Verfahren bei der Herstellung von
Vollprothesen.
Neben relativ wenig Sitzungen unterscheidet sich das Verfahren von einem
konventionellen Vorgehen dadurch, dass zuerst die
Bissnahme
erfolgt und der
Funktionsabdruck anschließend mit im Labor
aufgestellten Kunstzähnen genommen wird.
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alternative Behandlungsmethoden
Alternativverfahren, unkonventionelle Therapien, komplementäre Verfahren, engl.:
alternative methods of treatment; von den Verfahren der
Schulmedizin teils erheblich abweichende Therapieformen. Unter diesem
Oberbegriff subsumieren sich eine ganze Reihe von Therapien, welche z.T. als
durchaus seriös, andererseits aber auch in den Bereich der Scharlatanerie
einzuordnen sind. Gemeinsam ist, dass fast immer Langzeiterfahrungen fehlen,
individuelle Reaktionen sehr verschieden ausfallen und selten eine
Kostenübernahme durch Versicherungsträger erfolgt. Alternative
Behandlungsmethoden genießen in den entwickelten Industriegesellschaften
unabhängig von der Finanzierung der Gesundheitssysteme eine hohe Akzeptanz bei
den Betroffenen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen,
ohne dafür plausible Erklärungsversuche geben zu können.
Im Rahmen der
Gesetzlichen Krankenversicherung spricht man auch dann von
Behandlungsalternativen, wenn derartige Verfahren zwar zur Schulmedizin gehören,
aber durch den Leistungskatalog der Krankenkasse aus
Wirtschaftlichkeitsgründen nicht abgedeckt sind.
- Methoden mit gewissen Erfolgen
ohne dabei zu beurteilen, ob medizinisch gesehen ein Gewinn eingetreten ist.
Hauptsächlich in der
Kariesbehandlung mit mehr oder weniger gutem Erfolg eingesetzte
Behandlungen und meist unter dem Begriff "schmerzloses Bohren" angepriesen:
ART-Technik,
Carisolv,
Lasereinsatz in der Zahnheilkunde,
Pulverstrahltechniken. Zahnärztliche
Akupunkturmaßnahmen können beim
Würgereiz und gewissen
Schmerzzuständen hilfreich sein,
Hypnose wird mit Erfolg in der Angstbehandlung eingesetzt.
- Methoden mit zweifelhaften Erfolgen
bzw. wirkungslos oder an Scharlatanerie grenzend. Hierunter subsumieren sich
eine Vielzahl an Methoden, deren wissenschaftliche Beurteilung negativ
ausfällt - allenfalls ist an ein
Placebo-Effekt zu denken oder esoterische Auffassungen prägen den
Behandlungsablauf. Angepriesen werden derartige Behandlungen meist "gegen
Alles" ("Indikationslyrik"), sie sind teuer und vermitteln dem Autor den
Eindruck, dass der (wirtschaftliche) Erfolg mehr auf der Seite des Anbieters
liegt:
Ayurveda,
Bachblüten,
Bioresonanztherapie,
Biostimulation,
DentalReflex - Methode,
Elektroakupunktur nach VOLL,
Goldtherapie,
Homöopathie,
Ionen-Zahnbürste,
Magnetfeldtherapie, "Stromsanierung" (z.B. Entfernung von
Amalgamfüllungen),
Vega-Test,
Kinesiologie usw. .
Bedenklich sind derartige Therapien dann, wenn auf Grund von "Diagnosen"
und "Allergietests"
Zähne gezogen, Amalgamfüllungen ausgetauscht,
Kieferknochen weggefräst, Pilzbehandlungen erfolgen oder andere, nicht
unerhebliche Eingriffe bis hin zu ausgedehnten Gebissverstümmelungen
durchgeführt werden, dagegen von medizinisch nötigen Behandlungen abgeraten
wird. Oftmals befinden sich die betroffenen Patienten in einer schweren
Lebenskrise oder sind nicht fähig, ihre Krankheit zu meistern.
Akupunktur,
Allergietestung,
Allopathie,
Behandlung,
Evidenz basierte Zahnmedizin,
Füllungsmaterialien,
Galvanismus im Mund,
Ganzheitliche Zahnmedizin,
Heilpraktiker,
integrative Medizin,
Homöopathie,
Hypnose,
Kavitätenpräparation,
Komplementärmedizin,
Laser,
Naturheilverfahren,
Neuraltherapie,
NICO,
Panazee,
PNF,
Propolis,
Therapiefreiheit,
Traditionelle Europäische Medizin (TEM)
Altersgrenze
engl.: age limit; ehem. Begriff aus dem
Sozialgesetzbuch: sowohl die
Zulassung als
auch die
Ermächtigung oder die Tätigkeit als
Angestellter Zahnarzt endeten nach § 95 Abs. 7 u. 9
SGB V
mit der Vollendung des 68. Lebensjahres - diese Grenze betraf nicht die
privatärztliche Tätigkeit. Ab 1.10.2008 wurde diese Begrenzung wieder
aufgehoben.
Altersversorgungswerk,
Versorgungswerk
Alterszahnheilkunde,
engl.: geriatric dentistry, gerodontia;
Gerostomatologie
Aluminiumchlorid
AlCl3, aluminium chloride; zu den Adstringenzien zählendes Salz. Bei Anwendung
auf den
Schleimhäuten kommt es durch Eiweißfällung zu einer Schrumpfung und
Blutstillung
des Gewebes. Anwendung in der
ZHK
hauptsächlich zur Blutstillung und Öffnung der Zahnfleischtasche (
Retraktionsfaden) vor
Abdrucknahme.
Aluminiumoxid-Keramik; wegen ausgezeichneter
Biokompatibilität vielfältiger Einsatz in der
ZHK;
Keramik
Alveolarbogen;
Arcus alveolaris,
Zahnbogen
Alveolarbucht
recessus alveolares; Nebenbucht der
Kieferhöhle,
welche sich in den
Alveolarfortsatz des Oberkiefers einsenkt und meist zwischen die
interradikulären Septen des ersten oberen Molaren eingestülpt ist. Dies kann so
stark ausgeprägt sein, dass die unterenTeile der Wurzeln dieser Zähne nicht mehr
vom Kieferknochen, sondern nur noch von der Kieferhöhlenschleimhaut bedeckt
sind. Entsprechend ist dann im zahnlosen Kiefer nur noch eine sehr dünne
Knochenlamelle zwischen Mund- und Kieferhöhle vorhanden.
Akute
Entzündungen der A. strahlen häufig auf die Oberkieferbackenzähne und den
Alveolarfortsatz aus und können zu einer Fehl-Diagnose "Zahnschmerzen" führen.
Wegen der engen Lagebeziehung zu den Zahnwurzelspitzen kann bei einer
Zahnextraktion
eine Eröffnung der A. erfolgen (
Mund-Antrum-Verbindung).
Nasenblasversuch,
Sinusitis
Alveolarextensionsplastik,
relative Erhöhung des
Alveolarfortsatzes;
Vestibulumplastik
Alveolarfortsatz
Pars alveolares, "Alveolarteil" (veraltet), zahntragender Teil des
Kieferknochens (von Ober- und Unterkiefer), engl.: alveolar process;
der Teil des Kieferknochens, welcher zum Gegenkiefer gerichtet ist und
in welchem die Zähne elastisch in knöchernen negativen Zahnwurzelformen
(Alveolen)
aufgehängt sind (
Alveolarknochen).
Im
zahnlosen Kiefer spricht man vom Alveolar- o. Kieferkamm. Zur
Vermeidung von kippenden Kräften unter Funktion sollten sich die
Kunstzähne von
Prothesen
auf der Alveolarkammmitte (sog.
Kammlinie)
befinden.
Alveolarkammatrophie,
Alveole,
apicale Basis,
Basalbogen,
Ektomolare,
Engstand,
Greisenkiefer,
Inaktivitätsatrophie,
Interalveolärlinie,
Juga,
Kammlinie,
Mundvorhof,
Osteolyse,
Tegument,
Tuber maxillare,
Vestibulumplastik
|
 |
|
Alveolarfortsatzdistraktion, engl.: alveolar distraction;
Distraktionsosteotomie
Alveolarfortsatzzyste
Alveolarzyste,
globulomaxilläre Zyste, engl.: alveolar cyst;
dysgenetische, zu den nicht odontogenen Zysten gehörendes gutartiges Gewächs mit
bevorzugter Lage zwischen dem seitlichen Schneidezahn und dem Eckzahn. Sie
resultiert aus einer Entwicklungsstörung bei der embryonalen Verschmelzung
zwischen dem medialen und lateralen Nasenwulst. Die röntgenologisch scharf
abgegrenzte A. liegt in der Höhe der Wurzelspitzen o.g. Zähne, welche dabei in
der Regel
vital
sind, aber bei entsprechender Größe verdrängt werden.
Ductuszyste
Alveolarkamm,
Kieferkamm, engl.: alveolar ridge;
Alveolarfortsatz
Alveolarkammatrophie
Alveolarkammabbau, Alveolarkamminvolution, engl.: residual ridge
resorption, alveolar ridge atrophy; Schwund des Alveolarfortsatzes,
in der Regel als physiologischer Knochenabbau nach Zahnverlust (sog.
Inaktivitätsatrophie); irreversible, progredient verlaufende, chronische
Erkrankung. Weiter entstehend durch unzweckmäßige Belastung, z.B. durch
einen Zahnersatz (sog. Druckatrophie). Bei fortgeschrittener A. kommen
die Nervenaustrittsstellen des
Foramen mentale (Unterkiefer) und
Foramen incisivum (Oberkiefer) in den Bereich des Kieferkamms zu
liegen; dies kann erhebliche Schmerzen bei Belastungen durch eine
Prothese auslösen.
Nach Atwood werden 6 Resorptionsklassen der A. für den Unterkiefer, nach
Fallschüssel 5 Klassen für den Oberkiefer unterschieden. Cawood und
Howell (1988) unterteilen:
Klasse 1: bezahnter Kiefer
Klasse 2: Extraktionsalveole post extraktionem
Klasse 3: hoher und breiter Alveolarkamm, konvex abgerundet Klasse 4:
hoher und schmaler Alveolarkamm, grateartig
Klasse 5: niedriger und schmaler Alveolarkamm, atrophiert und abgerundet
Klasse 6: Mulde, hochgradig atrophiert und konkav.
Augmentation,
Prothesenunfähigkeit |

6 Klassen nach Atwood

5 Klassen nach Fallschüssel
|
|
Alveolarkammplastik
chirurgischer Aufbau/Umbau des
Alveolarkamms, Kieferkammplastik, engl.: alveolar ridge augmentation (plastic
surgery); zu den
augmentativen Verfahren gehörende Methode der Wiederaufbaus vom verloren
gegangenen Knochenstrukturen zum besseren Halt von (vollständigem)
Zahnersatz; früher meist mit körpereigenem Knorpel / Knochen, heute in der Regel
mit synthetischen oder halbsynthetischen Materialien durchgeführt (
Knochenersatzmaterialien). Im Rahmen des Fortschreitens der
Implantologie heute seltener indiziert.
Dagegen ist die A. als "chirurgische Modellation" (sog. Alveolarkammglättung)
des Kiefers nach
Zahnentfernung - z.B. Glättung der Knochenkanten, spezielle
Nahttechniken,
manuelle Kompression der knöchernen Alveolarränder - allgemein üblich.
Alveolarkammatrophie,
Alveolotomie,
Augmentation,
Edlan-Mejchar Operation,
Distraktionsosteotomie,
Infrakrestalplatik,
präprothetische Chirurgie,
Rarefizierung,
Schlotterkamm,
Sinuslift,
Vestibulumplastik
Alveolarknochen
knöcherne Alveolenwand, engl.: alveolar bone; durchgehend dünne, glatte
und kompakte Knochenwand, welche das Zahnfach (Alveole)
begrenzt; wird von den Knochenbälkchen des benachbarten,
spongiösen Knochens gestützt. Röntgenologisch als scharfe Begrenzung
der Alveole erkennbar. An ihn greifen die
Sharpey Fasern an, welche den Zahn im Zahnfach federnd befestigen.
Weiter dient der A. auch zur Abschirmung einer Entzündung zum
Körperinneren hin.
Alveole,
Ankylodontie,
Arcus alveolaris,
dentogingivaler Verschluss,
Desmodont |

Anatomie / Begriffe
des Zahnhalte-apparates |

|
Alveolarpunkt;
A-Punkt
Alveolarpyorrhoe
auch: Alveolarpyorrhö, engl.: alveolar pyorrhea; heute nicht mehr gebräuchlicher
Begriff für eine entzündliche Veränderung des
Zahnhalteapparates, die sog.
Parodontitis marginalis.
Osteolyse
Alveolarspalt;
Parodontalspalt
Alveolarzange,
Luersche Knochenzange
Alveole
Zahnfach, engl.: alveolus; im
Alveolarfortsatz befindlich "Höhlung" in der Form eines Negativs der
darin elastisch aufgehängten Zahnwurzel. Deshalb kann es - bei
mehrwurzligen Zähnen (Molaren, Prämolaren) - mehrere A. geben (siehe
Abb. re. von einem Backenzahn).
In der Parodontologie stellt die A. den knöchernen Anteil des
Zahnhalteapparates dar. Der Zahn ist nicht direkt mit der A.
verwachsen: Zwischen der A. und der Zahnwurzel befindet sich der
gelenkartige, mit speziellen Fasern (
Sharpey-Fasern) versehene
Parodontalspalt.
Alveolarknochen,
Alveolitis,
apicale Basis,
Arcus alveolaris,
Knochentasche,
Parodontium,
Replantation,
RootReplica™,
Septum |

|

Zahnfach des oberen 1. Backenzahns
|
Alveolenstabilisator
engl.: Alveolar-Ridge-Preservation; Maßnahme im Sinne einer
Alveolarkammprävention, um die alveolären Strukturen nach Zahnverlust
(Extraktion, Unfall bedingt) zu erhalten. Bei diesem umstrittenen Vorgehen wird
meist ein
Hydroxylapatit-Keramik- Granulat in die frische
Extraktionswunde
eingebracht.
Alveolitis
alveoläre Osteitis, infizierte Alveole, Entzündung der Alveole, engl.: do.; als
Komplikation nach erfolgreicher
Entfernung eines Zahnes; meist in Form der sog. "trockenen Alveole" (
"Dry
Socket"). Als mögliche mitwirkenden Faktoren gelten ein chirurgisches Trauma
während des Eingiffes und der Status "Raucher" beim Patienten.
Apernyl,
ChKM,
Chlumsky-Lösung,
Dolor,
Jodoform,
Koagulum,
Kürettage,
Radix relicta (Wurzelrest),
Wundheilung,
Wundinfektion,
Wundrevision
Alveolon
engl.: do.; Definition nach Knussmann (
Craniometrie): "Der Punkt, in
dem die Mittellinie des Gaumens von einer Geraden geschnitten wird, die die
hinteren Grenzen der Alveolarkämme tangiert. Der Punkt wird bestimmt, indem man
eine Stahlnadel an die Hinterränder der Alveolarfortsätze anlegt und deren
Schnittpunkt mit der Mediansagittalen markiert. Dieser von WILDER (1920)
eingeführte Punkt wird zur Messung der Maxilloalveolarlänge (Maß ~60 mm)
benötigt."
Messpunkte,
Tuberebene
Alveolotomie
alv (nach
BEMA),
engl.: alveolotomy; Oberbegriff für versch. chirurgische Eingriffe (Resektionen)
am Alveolarfortsatz, meist im Sinne einer Modellation als
präprothetische Maßnahme
Amalgam
Metall-Legierung
mit
Quecksilber als plastisches Füllungsmaterial, engl.: amalgam,
mercury alloy. A. entsteht, indem ein
Feilungspulver (Alloy; in der Regel Silber u. Zinn) etwa im Verhältnis 1:1
mit
Quecksilber verrieben wird (sog.
Trituration). Dieses universell - aus kosmetischen Gründen im
nichtsichtbaren Bereich - zu verwendende Füllungsmaterial wird in der Regel
als "Silberamalgam" ("Edelamalgam") verarbeitet; das früher in der
Kinderzahnheilkunde eingesetzte
Kupferamalgam ist inzwischen nicht mehr
zugelassen.
Nach Schätzungen wurden im Jahr 2000 in Deutschland etwa 20 Tonnen
Amalgam verarbeitet, um
Kariesfolgen (Zahndefekte) wieder zu beheben.
A. wird im plastischen Zustand in die
Kavität eingebracht und durch "Stopfen"
(manuell o. maschinell) verdichtet (
Amalgamkondensation); es weißt nach Aushärtung eine große Stabilität
und Kantenfestigkeit auf. Unter den gebräuchlichen
Füllungsmaterialien gilt A. als "gutmütig" zu verarbeiten, da es
z.B. nicht die strenge Trockenheit der
Kavität und ihrer Umgebung wie bei den
Komposites benötigt, weil es kaum einen
Randspalt kennt, eine äußerst
lange Haltbarkeit besitzt (meist länger als 10 Jahre),
bakterienfeindlich ist (Kariesvorbeugend;
oligodynamische Wirkung) und nicht zuletzt zu einem akzeptable width="870 width="870n
Preis eingegliedert werden kann.
A. darf nicht verarbeitet werden bei schweren Nierenfunktionsstörungen
und
nachgewiesenen Allergien (selten); bei
Schwangeren und Kindern bis zum 6. Lebensjahr wird im Sinne eines
vorbeugenden Gesundheitsschutzes davon abgeraten, ohne dies
wissenschaftlich belegen zu können; bei
retrograden Wurzelfüllungen sowie
Aufbaufüllungen unter
Metall-Kronen, wenn der Aufbau in mittelbarem Zusammenhang mit der
Kronenanfertigung steht.
Eine breit angelegte und mit pseudo-wissenschaftlichen Nachweisen
gestützte Diskussionen über potenzielle gesundheitliche
Beeinträchtigungen durch A. haben zu einer großen Verunsicherung sowohl
in der Bevölkerung als auch unter der Zahnärzteschaft geführt und lassen
die Verwendung dieses jahrzehntelang bewährten Werkstoffes als
Füllungsmaterial nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Dies, obwohl der
Weltzahnärzteverband und die
WHO
Konsenserklärung zu Amalgamabgaben, die strenge US-amerikanische
Zulassungsbehörde, eine Risikobewertung durch das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn(BfArM)
Amalgame
in der zahnärztlichen Therapie" - Stand 8/2003,
Risikobewertung-BfArM und
auch seriöse Pressemeldungen erschienen sind NZZ-Artikel, welche dem A. nur ein geringes Restrisiko nachsagen
Medizinprodukte der Klasse II (moderates Risiko) klassifiziert. Die
American Dental Association (ADA) hat diesen Schritt begrüßt. Es wurde
dabei nachdrücklich betont, dass es von der gemeinsamen Entscheidung des
Zahnarztes und des Patienten abhängt, welches Material für die
Füllungstherapie anzuwenden ist.
Weiter sollen
Speicheltests Rückschlüsse auf die
Quecksilberbelastung des Organismus aufgrund von vorhandenen
Amalgamfüllungen liefern. Derartige "Tests" gelten heute als
obsolet. G.
Schmalz schreibt dazu (in "Gesundheitsrisiken bei Füllungswerkstoffen",
Quintessenz 2006; 57(5):555-565):
"Voraussetzung für eine
systemische Wirkung ist die
Resorption. Ca. 25 % des durch Amalgamfüllungen freiwerdenden
Quecksilberdampfes werden inhaliert, davon wiederum ca. 80 % in der
Lunge resorbiert und zum größten Teil innerhalb von Minuten in die
ionische Form (Hg++) oxidiert. Die verbleibenden 75 % werden in Speichel
gelöst und verschluckt, aber in dieser Form (Hg0) im Magen-Darm-Trakt
kaum aufgenommen. Ionisches Quecksilber gelangt mit dem Speichel
ebenfalls in den Magen-Darm-Trakt und wird zu 10 % resorbiert.
Quecksilber aus Amalgampartikeln nimmt der Körper - wenn überhaupt - nur
in äußerst geringem Umfang auf. Bei der Messung der
Quecksilberkonzentration im Speichel wird die Oxydationsstufe des
Quecksilbers nicht ermittelt, und es können auch kleinste
Amalgampartikel zu stark erhöhten Quecksilberkonzentrationen im Speichel
führen. Diese Form wird jedoch nicht resorbiert, weshalb die
Quecksilberbestimmung im Speichel
obsolet ist. Die
WHO-Grenzwerte
der tolerierbaren Quecksilberaufnahme sowie der Konzentrationen in Blut
und Urin werden nicht annähernd erreicht. ... . Dabei kam man zu dem
Ergebnis, dass das Risiko für die Bevölkerung - auch im Vergleich zu den
anderen heute üblichen und weniger gut untersuchten Füllungswerkstoffen
- gering und damit vertretbar ist."
Das von Amalgamgegnern häufig verwendete Argument, dass in Schweden A.
ab 2001 als Füllungsmaterial verboten ist, trifft zwar zu, hat aber
einen anders gelagerten Hintergrund: Bedingt durch ein jahrzehntelanges
Übermaß an quecksilberhaltigen Konservierungsstoffen in der
holzverarbeitenden Industrie wurde ein generelles Verbot des Einsatzes
jeglicher Quecksilberverbindungen ausgesprochen. Darunter fällt somit
auch das A..
Bemerkenswert ist zusätzlich, dass Zahnärzte und deren
Assistenzpersonal, welche früher fast ausschließlich A. als
Füllungsmaterial verarbeitet haben und durch den täglich zigfachen
Umgang damit schwer krank sein müssten, keine nachweisbaren
Gesundheitsstörungen bei sachgemäßer Verarbeitung erlitten haben.
Wissenschaftlich nicht belegt ist die Notwendigkeit von aufwendige
Schutzmaßnahmen beim
Entfernen alter Amalgamfüllungen;
Besondere Schutzmaßnahmen beim Entfernen alter Amalgamfüllungen?:
"... nach der Entfernung von Amalgamfüllungen kommt es kurzfristig zu
einem Anstieg der Hg-Werte im Blutplasma, der ohne
Kofferdam
geringfügig höher ausfällt als mit Kofferdam. ...", da keine
wissenschaftlichen Belege für eine derart aufwendige Methode bekannt
sind ("... Konzept zur Amalgamentfernung vorstellen, welches sich in
Zusammenarbeit mit Heilpraktikern bewährt hat. ...". Zu beachten ist,
dass eine Entfernung nur feucht (
Spray) und unter Absaugung - so wie allgemein seit jeher üblich -
erfolgen soll.
Füllungen
(siehe unter Artikel
Index - Ordner - Füllungen)
Amalgam - schädlich oder ungefährlich? Groß angelegtes
Forschungsprojekt am Klinikum rechts der Isar abgeschlossen -
eine Pressemitteilung des Informationsdienst
Wissenschaft vom 4.4.2008<
Use and Future Use of Materials for Dental Restoration 2012 (FDI -
Zahnärztliche Weltorganisation)
Quecksilber-Exposition beim Entfernen von Amalgamfüllungen
Metalle im Mund
Abbindeexpansion,
Amalgamabscheider,
Amalgamalternativen,
Amalgamausleitung,
Amalgambonding,
Amalgamentfernung,
Amalgammischgerät,
Amalgamtätowierung,
Amalgamunverträglichkeit,
Amalgapin Verankerung,
Behandlung von Milchzähnen,
Blendamalgam,
Brünieren,
Carver,
Feilung,
Folienamalgam,
Füllungsmaterialien,
Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen,
Galvanismus im Mund,
Gamma-2-Phase,
"Giftigkeit" von Komposite-Füllungen,
Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff,
Haltbarkeit verschiedener Füllungsmaterialien und Techniken im
Seitenzahnbereich, Haltbarkeit
von großen Füllungen,
Haltbarkeit von zahnärztlichen Arbeiten,
HCSC-Amalgam,
Kaugummitest,
Kondensation,
Kupferamalgam,
Mobilisationstest,
Nocebo-Effekt,
oligodynamische Wirkung,
Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen,
Quecksilbervergiftung,
Seitenzahnkomposite,
Sicherheitsdatenblätter,
Ultraschallgerät
|

unpolierte Amg.-Füllung

ca. 15 Jahre alte Amg.-Füllung

Schädigung der
Papille durch überstehende Füllung |
Amalgamabscheider
engl.: amalgam separator; technische Vorrichtungen, welche das Überleiten von
Amalgampartikeln
in zahnärztlichem Abfallwasser (Absauganlagen,
Speibecken) in das kommunale Abwasser verhindern. Diese gesetzlich
vorgeschriebene Forderung kann durch Zentrifugierung (z.B.)
oder Sedimentation
erreicht werden. Vorgeschrieben in D bei allen zahnärztlichen
Behandlungseinheiten, mit denen eine Füllungstherapie möglich ist.
Die Fa. Metasys schreibt zur Notwendigkeit derartiger Geräte: "Werden
Amalgampartikel über das Abwasser in die Umwelt abgeleitet, wird das im Amalgam
vorhandene Quecksilber durch Umwandlung in organische Quecksilberverbindungen
toxisch wirksam. So kann bereits 1 g Quecksilber bis zu 100.000 Liter bestem
Trinkwasser verunreinigen."
Absauganlage,
Amalgamentfernung
Amalgamalternativen
engl.: mercury alloy alternatives;
Füllungs-Alternativen zu
Amalgam
für den
Seitenzahnbereich:
Auf dem Markt werden viele Füllungsmaterialien als A. angeboten, jedoch
ist bisher keines als ein echter Amalgamersatz (amalgam substitute) im
Bezug auf Einfachheit der Verarbeitung, Haltbarkeit und Kosten zu
werten. Gerade die immer wieder als Ersatz angepriesenen "weißen
Zahnfüllungen" (
Komposites) erfüllen die zuvor erwähnten Kriterien bei korrekter
Verarbeitung nicht (aufwendige Verarbeitung, "technique sensitive",
ungelöstes Randschlussproblem, schwierige Verarbeitung = hohe Kosten,
mangelnde Langzeiterfahrungen, fehlende Bakterienfeindlichkeit, usw.).
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde,
Prof. Dr. Meyer, stellt 2006 u.a. fest:
"Fazit:
Aus Sicht der Wissenschaft ist es derzeit nicht zu vertreten, den
Füllungswerkstoff Amalgam zu verbieten. Die aktuelle Forschung zeigt,
daß Ersatzmaterialien, z.B. auf Kunststoffbasis, bei weitem nicht alle
Indikationen von Amalgamfüllungen abdecken bzw. ersetzen können. Die
biologischen Probleme derartiger Kunststoffmaterialien sind
weitestgehend ungeklärt und bedürfen deshalb intensiver
bio-medizinischer Forschung. Das bekannte
Umweltrisiko Quecksilber sollte nicht kritiklos durch ein bisher
möglicherweise noch unbekanntes Risiko Kunststoff ersetzt werden. Man
muss sich darüber im klaren sein, dass in weiten Bereichen der Medizin,
beispielsweise der Nuklearmedizin, der Radiologie, Verfahren und
Werkstoffe zum Einsatz kommen, die zwar unter Umweltgesichtspunkten
diskutiert werden müssen, jedoch letztendlich jetzt und hier und heute
den bestmöglichen Kompromiss darstellen können. Hierzu zählt auch das
Amalgam. Eine wirklich seriöse Alternative wären allein staatliche
Prophylaxe-Programme, wie es in den skandinavischen Ländern zum Teil
beispielhaft geschieht, denn Karies ist eine weitestgehend vermeidbare
Volkserkrankung."
Alternativen zu
Amalgam können in direkte und in indirekte
Füllungsformen eingeteilt werden. Erstere umfassen die plastischen
Komposite und deren Derivate (z. B.
Ormocere),
Kompomere,
Glasionomere und kunststoff-modifizierte Glasionomere, wobei bei
weitem nicht alle der vorgenannten Vertreter für den Einsatz als
definitives Füllungsmaterial im
Seitenzahnbereich bleibender Zähne geeignet sind und bei vielen
Materialien eine Langzeiterfahrung fehlt; von der Industrie werden in
2003 mehr als 50 Stoffe als Ersatz für das umstrittene
Amalgam angeboten, welche sich meist nur durch gute kosmetische
Ergebnisse auszeichnen:
konventionelle oder metallverstärkte oder hochvisköse
Glasionomerzemente (GIZ) wie auch kunstoffmodifizierte,
lichthärtende GIZs (sog. Hybridionomere) eignen sich wegen einer
erhöhten Fraktur- bzw. Verschleißanfälligkeit nicht für den
okklusionstragenden Seitenzahnbereich und eigenen sich deshalb im
bleibenden Gebiss lediglich als
Provisorium; im Milchzahngebiss sind sie wegen der Gutmütigkeit
unter feuchten Arbeitsbedingungen durchaus vertretbar
Kompomere
sind eine sehr heterogene Materialklasse, bei welcher die Indikation im
Seitenzahnbereich produktbezogen überprüft werden muss. Klassisches
Einsatzgebiet sind Zahnhalsfüllungen und Milchzahnversorgungen
Komposites:
-- Mikrofüllerkomposite sollten in stärker belasteten Kavitäten nicht
zum Einsatz kommen
-- Hybridkomposite verfügen aufgrund ihrer Füllkörpertechnologie und
des relativ hohen Füllkörperanteils über gute physikalische und
mechanische Eigenschaften: die Kaulast tragende Füllungen nach den
Klassen I und
II sind damit bei aufwendiger Verarbeitung und guter Mundhygiene dem
Amalgam fast ebenbürtig.
Die indirekten A. beinhalten gegossene
Goldinlays sowie zahnfarbene
Inlays aus
Komposite
und
Keramik. Allerdings erscheinen diese Formen volkswirtschaftlich
gesehen als "unbezahlbar", da sie etwa 10 mal so teuer wie
Wiederherstellungen aus Amalgam sind. Bei etwa 60 Millionen Füllungen
pro Jahr in Deutschland wäre dies ein erheblicher zusätzlicher
finanzieller Faktor für die
Gesetzlichen Krankenversicherungen, welche Füllungen aus Amalgam im
Seitenzahnbereich als
Sachleistung auf
Chip-Karte gewähren.
Amalgam,
Behandlung von Milchzähnen,
Füllungsmaterialien,
"Giftigkeit" von Komposite-Füllungen,
Haltbarkeit verschiedener Füllungsmaterialien und Techniken im
Seitenzahnbereich,
Haltbarkeit von plastischen (zahnfarbenen) Füllungen,
Seitenzahnkomposite |

Ersatz alter
Amalgamfüllungen
durch Empress™-
Presskeramik
© der Grafik:
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Amalgamator,
Amalgam(an)mischgerät,
Amalgammischgerät
Amalgamausleitung, engl.: amalgam (mercury alloy)
detoxification,
Mobilisationstest
Amalgambonding
"haftendes Amalgam", engl.: bonded amalgam; spezielle Technik bei der
Füllungstherapie mit
Amalgam:
ähnlich der konventionellen
Säure-Ätz-Technik (SÄT) wird die Kavität für etwa 15 Sek. vorbehandelt und
dann ein spezielles Haftmaterial auf Kunststoffbasis (z.B.
"ONE-STEP-Haftmaterial", welches das in Aceton gelöste Monomer BPDM enthält) in
Schichten aufgebracht. Dieses Material geht eine besondere Bindung mit dem
Amalgam ein und verleiht so der Füllung und dem Zahn mehr Stabilität.
Amalgambrunnen,
engl.: amalgam fountain ?;
Amalgampistole
Amalgamentfernung
engl.: amalgam elimination;
1.) Entfernung einer bestehenden Amalgamfüllung: erfolgt in der Regel mit scharfen
Hartmetallbohrern unter reichlichem Wasserzutritt ("Spray")
und gleichzeitigem Absaugen der Abfallprodukte (Vermeidung der Einatmung von
Amalgamdämpfen); Ableitung dieser via
Amalgamabscheider in das örtliche Abwasser. Hierbei kommt es kurzfristig zu
einem Anstieg der Hg-Werte im Blutplasma, der ohne
Kofferdam
geringfügig höher ausfällt als mit Kofferdam. Deshalb sind besondere
Schutzmaßnahmen bei diesem Vorgang wissenschaftlich nicht belegt. In der
Schwangerschaft aus gesundheitsvorbeugenden Gründen nicht empfohlen.
2.) Im Rahmen der immer wieder aufflackernden Amalgamdiskussion geäußerter
Patientenwunsch, alle vorhandenen Amalgamfüllungen gegen ein anderes Material
auszutauschen. Von einem derartigen Vorgehen verspricht man sich sich eine
"Heilung" vielschichtiger "Leiden" (
Amalgamunverträglichkeit), ohne dass bisher ein seriöser wissenschaftlicher
Beweis für diese Maßnahme vorliegt. Diese "prophylaktische Amalgamentfernung"
wird von den Krankenkassen nicht übernommen und ist unter ethischen
Gesichtspunkten kritisch zu sehen.
Amalgam,
Amalgamunverträglichkeit,
Mobilisationstest
Quecksilber-Exposition beim Entfernen von Amalgamfüllungen
Amalgamersatz, engl.: amalgam substitute;
Amalgamalternativen
Amalgamkondensation,
Kondensation
Amalgammischgerät
"Amalgammischer", Amalgamator, "Amalgamvibrator", engl.: amalgamator;
verschiedene, elektrisch betriebene Geräte zum Vermischen der
Amalgamkomponenten. Dabei werden entweder im Gerät selbst definierte
Mengen von Silberfeilung und Quecksilber (etwa 50:50 Gewichts%) dosiert
und - von der Dauer her einstellbar - "verschüttelt", oder geschlossene
Kunststoffkapseln mit den beiden Bestandteilen in eine "Mischgabel"
eingespannt und über eine bestimmte Zeit in elliptische Schwingungen
gebracht (
Trituration).
Teilweise sind derartige Geräte (sog.
Kapselmischgeräte) auch zum Anmischen anderer Materialien (z.B.
Zemente) geeignet.
Bekanntester Vertreter bei den A. ist der Dentomat™, welcher mit einer
konstanten Frequenz von 2.700/min arbeitet. |

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Amalgamstopfer
engl.: (amalgam) condenser or plugger; mechanische oder maschinelle
Hilfsmittel zum Verdichten ("Kondensation")
vom Amalgam unmittelbar nach Einbringen in die Kavität. Wenn auch die
Mehrzahl dieser Instrumente an der Arbeitsspitze aus
verarbeitungstechnischen Gründen eine birnen- bzw. kugelförmige Gestalt
aufweisen ("Kugelstopfer"),
wird nur mit planen Stirnflächen ("Planstopfer")
eine optimale Verdichtung erreicht
Amalgampistole |

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Amalgamtätowierung
Amalgampigmentierung, metallisches Tatoo, engl.: amalgam tattoo;
seltene, reaktive Veränderung, bei der im
Zahnfleisch und
Parodontium in Nachbarschaft zu diesem Füllmaterial schwarzes
Metallpigment ablagert wird. Dieser Effekt wird auch in der Umgebung von
Metall-Kronen ("dunkler Zahnfleischrand" an der Krone; s. Abb. oben)
beobachtet. Klinisch kann eine A. aufgrund der schwarzen Farbe manchmal
nicht sicher von einem
Melanom unterschieden werden;
histologisch lassen sich diese beiden
Läsionen jedoch einfach voneinander unterscheiden. Eine A. kann auch
nach Beseitigung der Ursache allein weiter bestehen - sie gilt als
kosmetisch störend aber medizinisch harmlos.
Amalgam,
Gingiva,
Lasereinsatz in der Zahnheilkunde,
Schwermetallsaum |


A. im zahnlosen Kiefer
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Amalgamunverträglichkeit
"Amalgamallergie", engl.: amalgam intolerance, "amalgam hypersensitivity";
behauptete und nur selten bewiesenen Unverträglichkeitsreaktionen auf den
Füllungswerkstoff
Amalgam. So wird von vielen Patienten die Ursache ihrer oft chronischen und
vielseitigen Erkrankungen im Amalgam gesehen, teilweise aber auch durch
bestimmte Institutionen erst geweckt. Auffallend ist, dass derartige Patienten
auch empfindlich auf Erdstrahlen, Handy-Funkwellen, Magnetismus usw. reagieren.
Eine nachgewiesene echte Amalgamallergie soll bei etwa 0,1% der Bevölkerung
bestehen; wissenschaftlich sicher beschrieben sind weltweit nur rund 100 Fälle
in den letzten 160 Jahren. Feststellen lässt sich diese Unverträglichkeit mit
seriösen Testverfahren (
Allergietestung); alternative Testmethoden (
alternative Behandlungsmethoden) sind teils wegen geringer Aussagekraft,
teils wegen völliger Untauglichkeit abzulehnen.
Mobilisationstests sind ebenfalls von zweifelhaftem Erfolg (
DMPS-Test).
Amalgam - schädlich oder ungefährlich? Groß angelegtes Forschungsprojekt am
Klinikum rechts der Isar abgeschlossen -
eine Pressemitteilung des Informationsdienst Wissenschaft vom
4.4.2008
Metalle im Mund
seriöse Anlaufstellen bei einer vermuteten A. sind:
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Dr. med. dent. Klaus Ott
Poliklinik für Zahnerhaltung
Waldeyerstr. 30
48149 Münster
Klinik und Polikliniken
für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Universität
Erlangen-Nürnberg
Dr. Johannes Ebert
Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie
Glückstraße 11
91054 Erlangen
Amalgam,
Amalgamausleitung,
Amalgamentfernung,
Epikutantest,
Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen,
Galvanismus im Mund,
Mobilisationstest,
Nocebo-Effekt,
Psychosomatik,
Quecksilberallergie,
Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen,
Quecksilbervergiftung,
Risikobewertung durch das BfArM
Amalgapin Verankerung
engl.: Amalgapin-retained; Begriff zusammengesetzt aus
Amalgam
und Pin (Bohrlöcher im
Dentin;
Pinledge)
als Bezeichnung für eine spezielle, die
Retention
verstärkende Präparationsform (Setzen von "Amalgamkanälen" im Dentin)
bei der Versorgung mit großflächigen Amalgamfüllungen (complex amalgam
restorations), um somit auf
parapulpäre Stifte verzichten zu können. |
Ambulance Chaser ;
brit. Jargonbez. für Rechtsanwälte, die sich darauf spezialisiert haben,
Patienten zu ermuntern, ihren Arzt zu verklagen.
Ambulatorium,
Ambulanz, engl.: outpatient clinic;
Poliklinik
Ameloblastom
veraltet: Adamantinom, (fast immer) gutartiger Kiefertumor mit hoher
Rezidivneigung; engl.: ameloblastoma; entstanden aus versprengtem
Restgewebe der embryonalen Zahnanlage (Ameloblasten).
Zu 80 % im Unterkiefer (Kieferwinkel) auftretend, bevorzugt er etwas
stärker das weibliche Geschlecht; da
komplikationslos wachsend, werden A. klinisch durch eine Auftreibung
meist erst spät erkannt oder durch eine Röntgenaufnahme als
vielzystiges Gebilde (honigwaben- oder seifenblasenartig)
diagnostiziert. Eine echte Diagnose ist nur durch eine
histologische Untersuchung des zystenähnlichen Balges möglich;
röntgenologische Anhaltspunkte kann die Tatsache sein, dass
neoplastische Geschehen eher zu
Zahnresorptionen neigen als echte
Zysten.
Verteilung: Unterkiefer 80%, Molarenregion 70%, Prämolarenregion 20%,
Schneidezahnregion 10%
Ganz selten als bösartiger Tumor auftretend bzw. als bösartiges
Ameloblastosarkom bekannt.
Odontoameloblastom,
Odontosarkom,
Zahntumore,
Zyste.
Metastasierendes Ameloblastom des Unterkiefers |

Zustand nach Operation und Ersatz des re. UK durch eine
Titanium-Konstruktion
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Amelogenese, Schmelzbildung, engl.: amelogenesis, enamelogenesis;
Ameloblasten,
Schmelz
Amelogenesis imperfecta
Zahnschmelzfehlbildung, Schmelzdysplasie, engl.: do. o. "ghost teeth"
(wegen ihrer schwachen Darstellung auf Röntgenbildern); seltene
(Häufigkeit 1:14.000 (USA); 1:718 (Nord-Schweden)), vererbte Erkrankung
mit gestörter und unvollständiger Zahnschmelzentwicklung, erstmals von
Weinmann 1945 beschrieben; der Schmelz ist quantitativ und qualitativ
fehlgebildet. Es werden mehrere Hauptformen unterschieden, die zudem -
je nach klinischer Ausprägung bzw. Vererbungslage - in Untergruppen
unterteilt werden. Einteilung in 4 Gruppen:
I: Schmelzhypoplasie
II: Unreife des Schmelzes (Hypomaturation)
III: Unterverkalkung (Hypocalcification)
IV: partielle Unreife und Unterverkalkung, kombiniert mit
Taurodontismus
In seltenen Fällen ist auch noch zusätzlich das Zahnbein fehlgebildet -
Störungen der Dentinbildung (
Dentinogenesis imperfecta) - , man spricht dann von einer
Odontogenesis imperfecta oder Odontodysplasie.
Röntgenologisch sind die befallenen Zähne bei diesem Krankheitsbild
"schwächer" dargestellt - daher auch der engl. Ausdruck "ghost teeth" (=
"Geisterzähne") für diese Erkrankung.
Die A. i. zeigt sich - bei gesundem Dentin und normaler Zahnwurzel - mit
einer rauen Zahnkrone, die gefurcht und mit stark dunklen Flecken
durchsetzt ist; teilweise fehlt der
Zahnschmelz ganz. Die kosmetisch sehr störende Erkrankung kann schon
im Jugendlichenalter durch
Überkronung (nur bedingt nach der
Adhäsiv-Technik, da der Schmelz nicht richtig ausgebildet ist) der
betroffenen Zähne behandelt werden.
Weit häufiger treten
Schmelzentwicklungsstörungen - sog.
Schmelzhypoplasien - als Folge von äußeren Störungen (z.B.
vereiterte Milchzähne,
Zahnunfälle im Milchzahngebiss,
Medikamente) auf.
Dentinogenesis imperfecta,
Hypoplasie,
Osteogenesis imperfecta,
Zahnentwicklungsstörungen,
Zahnhartsubstanzdefekte |
versch. Ausprägungen einer
A. i.
|
Amelogenin,
Emdogain®
Aminfluoride, organische
Fluorverbindungen in der
Kariesprophylaxe, in der Regel als
Zahnpastenzusatz
oder Zusatz bei
Mundspüllösungen; engl.: do.;
Fluoride,
Olaflur,
Zinnfluorid
Amnesie
Amnesia, Gedächtnisstörung, Gedächnisschwund, engl.: amnesia; zeitlich
begrenzte Erinnerungslücke; bei der retrograden Amnesie besteht ein zeitlich
begrenztes, fehlendes Erinnerungsvermögen an Dinge vor dem auslösenden Trauma.
Commotio,
Contusio
amnestisch, auf eine
Amnesie
bezogen, eine Gedächtnisstörung betreffend
AMNOG ;
Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz
Amorbogen,
Cupidobogen, Kupidobogen, Lippenherz ;
Philtrum
amorph; "ohne Gestalt";
chem. Bez. für eine nicht-kristalline Struktur
Ampulle
engl.: ampoule, ampule; kleiner, abgerundet-zylinderförmiger Behälter aus Glas
zur Aufbewahrung von sterilen Arzneimitteln, meist in flüssiger Form.
Gelegentlich taucht auch der Begriff Dentinampulle auf, welcher die
mikroskopisch sichtbare ampullenförmige Erweiterung der Dentinkanälchen
beschreibt, welche durch
Kariesbakterien verursacht wird.
Amputation
engl.: do.; operative Abtrennung von Körpergewebe oder eines Körperteils. In der
ZHK
gebräuchlich für die teilweise Entfernung des
Zahnnervs (
Vitalamputation)
Amputationspaste
engl.: amputation paste; Oberbegriff für Medikamente ("Einlagen"),
welche über die erkrankte
Pulpa gelegt
werden und diese ganz oder teilweise abtöten sollen. Vorgehen gilt heute - bis
auf Ausnahmefälle - als
obsolet.
Devitalisation,
Mortalamputation
Amputationstäuschung,
Phantomschmerz
AMSA-Injektionsmethode
The
Wand
Amylase,
Amylum
Amylum
Stärke, eine Form des Kohlenhydrats, engl.: do. or starch; im Pflanzenbereich am
weitesten verbreitete
Kohlenhydrat (Stärke-Lieferanten sind besonders Kartoffeln und Mais). A.
lagert sich in den Reserveorganen der Pflanzen (Knollen, Samen) in Form von
Körnern ab. Im menschl. Körper wird A. mittels
Enzymen und Säuren in versch. Zuckerarten abgebaut; so spaltet z.B. der
Speichelbestandteil alpha-Amylase, im Sinne einer Vorverdauung, A. in eine
kariogene Mischung von
Glucose und
Maltose. Bedingt durch ihre Zähigkeit bleibt A. auf den Zahnoberflächen
besser haften als
Zucker. Deshalb sind z.B. Kartoffelchips weitaus
kariogener als Zuckerarten, da sie länger haften bleiben und bei nicht
erfolgter Zahnpflege einen langen Nachschub an Nährstoffen für
Kariesbakterien liefern.
Von dem Speichelbestandteil Amylase ist bekannt, dass dieses Ferment in
Stress-Situationen vermehrt produziert wird; diese Tatsache kann als effektiver
Parameter der individuellen Stressbelastung angesehen werden
Aktion zahnfreundlich,
Ernährungsempfehlungen,
Kohlenhydrate,
Zucker
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Aktualisierung der Artikel 2012